Aus dem Fenster sprang eine junge Frau in Münsing. (Symbolfoto)
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Aus dem Fenster sprang eine junge Frau in Münsing. (Symbolfoto)

Trennung eskaliert

Ex-Freund rastet aus: Junge Frau (21) macht Schluss - und springt vor Angst aus dem Fenster

  • vonRudi Stallein
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Weil seine Freundin Schluss machte, ist ein junger Mann in Münsing ausgerastet. Weil sie keinen anderen Ausweg sah, sprang die 21-Jährige schließlich aus dem Fenster.

  • Eine Frau (21) wollte sich von ihrem Freund trennen.
  • Der junge Mann rastete daraufhin aus und schlug auf seine Freundin ein.
  • Die wusste keinen anderen Ausweg - und sprang vor Angst aus dem Fenster.

Bad Tölz-Wolfratshausen Als sie ihm erklärte, dass die Beziehung beendet ist, tickte der Freund aus. Er sperrte das Zimmer ab, schlug der jungen Frau mehrmals mit der flachen Hand ins Gesicht. Die 21-Jährige sah nur einen Ausweg: Sie öffnete das Fenster und sprang aus dem ersten Stock in die Tiefe. Ein Schneeberg milderte den Aufprall. Sie kam mit angerissenen Innenbändern im Knie und im Knöchel davon.

Der Vorfall ereignete sich vor ziemlich genau einem Jahr in Münsing. Nun musste sich der Ex-Freund (20) am Amtsgericht Wolfratshausen wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Jugendrichter verantworten. Der Königsdorfer wurde zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt und muss jeweils 500 Euro Schmerzensgeld an seine Ex-Freundin und einen verletzten Polizisten zahlen. Der Beamte war im Gerangel mit dem ziemlich betrunkenen Burschen gestürzt und hatte sich den rechten Oberarmknochen angebrochen und eine Bizepssehne gerissen.

Freundin (21) macht Schluss - Mann rastet aus und schlägt um sich

„Das ist alles ein bisschen anders abgelaufen“, monierte der Beschuldigte, dass die Anklageschrift das Geschehen seiner Meinung nach übertrieben darstellte. Man habe gestritten, dass räumte er ein, ebenso dass er die Tür zugesperrt hatte. Dies aber nur, weil er sich vor einem gemeinsamen Freund gefürchtet habe. „Er war ziemlich aggressiv und hatte einen Schlagstock dabei.“ Beim Streit im Zimmer habe er seiner Freundin nur eine Watsche gegeben. „Eh ich mich versah, war sie schon aus dem Fenster“, erklärte der 20-Jährige.

Vor Angst aus dem Fenster: Frau (21) flüchtet vor prügelndem Freund

Die Geschädigte zeichnete ein deutlich schärferes Bild von der letzten Begegnung mit ihrem Ex-Freund. Die Kurzform: Der Angeklagte hatte schon am Nachmittag begonnen, sich gemeinsam mit seinem Kumpel zu betrinken. Als die Frau am Abend von einer Tanzprobe in ihre „komplett verrauchte Bude“ zurückkam, eskalierte die Situation.

Das Mädel gab „die Spaßbremse“, warf die Jungs raus. Die Burschen tranken draußen im Auto weiter. Sie entschied, sich zu trennen, packte das Zeug ihres Freundes zusammen und trug die Koffer raus. Er fand das nicht lustig, folgte ihr in die Wohnung, fragte ungläubig: Ist wirklich Schluss? „Dann gab’s die erste Schelle. So kräftig, dass es mich auf den Boden geschmissen hat“, erzählte die Frau.

Stark betrunken und aggressiv: Mann verletzt erst Freundin und dann Polizisten

Sieben bis neun Ohrfeigen sollen es geworden sein, ehe sie aus dem Fenster sprang. Kurz darauf kam die Polizei, forderte den Ex-Freund auf, das Grundstück zu verlassen. „Aber er wollte da einfach nicht weg“, sagte ein Beamter. Deshalb habe man nach langer Diskussion entschieden, den jungen Mann ins Dienstfahrzeug zu verfrachten. Dagegen sperrte sich der Angeklagte – mit rund 2,2 Promille – so erfolgreich, dass die Polizisten Verstärkung anfordern mussten.

„Der springende Punkt an der ganzen Geschichte ist der Alkohol“, mutmaßte Jugendgerichtshelferin Josephin Bettzüge, die dem Anklagten deutlich machte, dass er sich „ganz arg an der Grenze zum Arrest“ bewege. Einen solchen von zwei Wochen beantragte die Staatsanwältin. Richterin Andrea Titz lastete dem Königsdorfer zwar ein „ganz massives Einprügeln auf die Geschädigte“ an, folgte mit der Geldstrafe von 2000 Euro jedoch der Empfelung der Jugendgerichtshelferin. Ihre Begründung: Der Angeklagte habe sich beruflich gerade gefangen. „Ich will ihn da nicht rausreißen, weil ich überzeugt bin, dass es dann mit ihm bergab geht.“ Titz erteilte dem Auszubildenden ein einjähriges Alkoholverbot und ordnete fünf Beratungsgespräche bei der Caritas an. 

Für einen Wolfratshauser fiel das Urteil in einem Prozess um häusliche Gewalt dagegen weniger glimpflich aus. Weil er seine Freundin mehrfach geschlagen hatte, wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Auch ein Mann aus Bayerischzell kam mit einer Bewährungsstrafe davon - obwohl er seine Freundin bewusstlos geprügelt hatte. Der Richter hielt ihm sein Geständnis zu Gute.

rst

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