Mobilfunkstandard 5G
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Neue Mobifunkmasten sollen schnelles Internet ermöglichen. Doch bei fast jedem Standort gibt es Debatten.

Bürgermeister Grasl meldet sich zu Wort

Mobilfunk: Gemeinde Münsing steht unter Zugzwang

Was das umstrittene Thema Mobilfunk angeht, tickt in Münsing die Uhr. Schon im Februar müsste eine Baulietplanung für einen anderen Standort als Holzhausen vorliegen.

Münsing – Die Gemeinde Münsing ist beim Thema Mobilfunk stark im Zugzwang. Das betont Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) im Gespräch mit unserer Zeitung. Er spricht von einer „tickenden Uhr“. Wie berichtet hat der Gemeinderat auf den Druck aus der Bevölkerung hin – etwa 1300 Unterschriften wurden von einer Bürgerinitiative gesammelt – den von der Deutschen Telekom ausgewählten Standort für einen Sendemasten am Ortsausgang von Holzhausen Richtung Attenkam abgelehnt.

Das Landratsamt hat Ende September letzten Jahres eine zeitlich begrenzte Zurückstellung des Bauantrags für ein letztes Mal genehmigt. Bis Sommer muss nun eine Bauleitplanung für einen alternativen Standort vorliegen. Dies bedeutet, dass schon im Februar das Flächennutzungsplanverfahren beginnt und der Gemeinderat die Auslegung zu beschließen hat. Im Verfahren können sich dann Bürger und Behörden zur Konzentrationsfläche für den neuen Standort zu Wort melden. Diese neue Fläche liegt dann technisch und landschaftsverträglich im günstigsten Bereich. Das haben Ingenieurbüro und Landschaftsplaner auf Kosten der Gemeinde gutachtlich ermittelt.

Es ist höchste Zeit für einen Gegenvorschlag

„Wenn wir keinen Gegenvorschlag machen, muss das Landratsamt das stark umstrittene Grundstück Am Bergfeld für das Bauvorhaben freigeben und wir haben das Nachsehen“, erklärt Grasl. Holzhausen sei „topografisch anspruchsvoll“. Ziel müsse es sein, einen vernünftigen Standort zu finden statt nur den nächstbesten, mit der Folge, dann einen weiteren zu brauchen. Denn die Vorgaben haben sich inzwischen geändert: Jetzt müssen auch Staatsstraßen ausreichend von diesen Anlagen versorgt sein. „Das ist die politische und gesetzliche Lage und kein Wunschkonzert der Gemeinden“, so Grasl.

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„Egal wo der Standort sein wird, erwarte ich neue Bedenken und Proteste.“ Aus Sicht der Bürger sei das verständlich, weil es immer um optische, emotionale oder gesundheitliche Sorgen gehe. Keine technische Anlage werde willkommen sein im bisher ungestörten Umfeld beziehungsweise Blickfeld. Das sei bei den Strommasten früher nicht anders gewesen, habe sich bei den Windkraftanlagen fortgesetzt und sei aktuell beim Hochwasserschutz ein Thema. Doch wer den Komfort wolle und sich täglich auf den verschiedenen Plattformen mitteilen müsse, wer privat Videos verschicke, aber auch wer die Mobilfunktechnik beruflich brauche, könne die Zeit nicht anhalten. Auch an der Autobahn würden weiterhin Sendemasten gebaut, aktuell sei einer bei Meilenberg auf Ickinger Flur in Planung. „Wer meint, wir können die Technik aufhalten, sollte sein Smartphone abgeben“ sagt Grasl. Das Kommunikationsbedürfnis sei gerade in Corona-Zeiten stark angestiegen.

Der Rathauschef hofft, dass die Gemeinde heuer eine Lösung findet. Man stehe mit der Bürgerinitiative in Verbindung. Die Bürger bittet Grasl um Verständnis, dass sich auch die Kommune in einer schwierigen Position befinde. Mobilfunkversorger, Bundes- und Landespolitik erhöhten den Druck auf die Städte und Gemeinden immer mehr. „Die werden uns beim Breitbandausbau wohl auch nicht bevorzugen, wenn wir beim Mobilfunk nur blocken“, befürchtet er. Vom nur schleppenden Breitbandausbau seien viele Ortsteile stark betroffen, unter anderem Ambach und Degerndorf. „Das ist insgesamt unbefriedigend und den Leuten mit Homeoffice nicht mehr zu vermitteln“. Tanja Lühr

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