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Paar gründet eigene Gärtnerei: Hagel vernichtet Träume - kurz vor der Eröffnung

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 Oda Jacobs zeigt die Hagelschäden der Marktgärtnerei.
Totalschaden: Die Ernte der neuen Marktgärtnerei ist zerstört. Nun muss Oda Jacobs den Start für das Solidarprojekt verschieben. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Oda Jacobs und Tobi Kurczyk hatten den Traum von einer eigenen Marktgärtnerei. Dann kam der Hagel. Und jetzt müssen sie ganz von vorne anfangen.

Münsing – Sie standen kurz vor dem Verkauf der ersten Gemüsekisten. An diesem Donnerstag hätte ihr Marktgärtnerei-Projekt starten sollen. Doch dann hat der Hagel Oda Jacobs und Tobi Kurczyk Montagnacht innerhalb weniger Minuten ihre neue Existenzgrundlage zunichte gemacht. Die Arbeit von drei Monaten ist weitestgehend zerstört. Die beiden jungen Münsinger müssen nun von vorne anfangen.

Marktgärtnerei in Münsing: Unwetter zerstört Arbeit von drei Monaten

„Wir sind geschockt und am Boden zerstört“, sagen Oda (29) und Tobi (31). Sie zeigen Fotos von tennisballgroßen Eiskörnern, die sie in der Nacht gemacht haben. Ihre Beete waren übersät davon, der Salat geradezu gehäckselt, die Folie über dem Gewächshaus für die Tomaten durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

Die kleine Marktgärtnerei war Odas und Tobis Herzensanliegen. Eigentlich haben beide Archäologie studiert. Nach abgeschlossener Masterarbeit halfen sie coronabedingt erst einmal auf dem biologisch-dynamischen Demeter-Gemüsehof von Odas Eltern in Wegscheid bei Passau aus.

Während Oda das Gärtnern im Einklang mit der Natur von klein auf kannte, entdeckte ihr Freund seine Leidenschaft dafür ganz neu. Die beiden begannen ein Studium an der Bio-Akademie im oberösterreichischen Aigen-Schlägl zum Landwirtschaftlichen Facharbeiter; am Mittwoch haben sie ihre Abschlussprüfung geschrieben.

Junge Gärtner möchten sich in Regenerativen Landwirtschaft selbstständig machen - mit vielen alten Sorten

Gleichzeitig beschlossen sie, sich mit der sogenannten Regenerativen Landwirtschaft selbstständig zu machen. Mit einfachen Techniken und auf kleinster Fläche wird bei dieser modernen Methode effizient Gemüse produziert. Die Beete werden in Handarbeit mit speziellen Gartenwerkzeugen angelegt, es wird viel organisches Mulchmaterial verwendet. Durch die Entstehung wertvollen Humus’ muss wenig bewässert werden. Kunstdünger und Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Nur einige Gemüsesorten werden mit Folie zum Schutz vor Unkraut und Schädlingen abgedeckt.

In Münsing fanden Oda Jacobs und Tobi Kurczyk einen begrünten Acker zur Pacht. Im Frühjahr begannen sie mit dem Flächenumbruch. Auf rund 900 Quadratmetern legten sie Reihenbeete an und pflanzten 30 Kulturen – von Blattsalaten über Mangold, Erbsen und Bohnen bis zu Weißkohl und Kürbis. In einem Folientunnel wuchsen Tomaten, bis Anfang Dezember wäre die Ernte von Feldsalat und Spinat möglich gewesen.

Die beiden Junggärtner wählten viele alte Sorten. „Die schmecken teilweise ganz anders als das, was man aus dem Supermarkt kennt, meist intensiver“, erklärt Oda. Ihre Grünen Tomaten beispielsweise hat der Münchner Johannes Schwarz vorgezogen, ein bekannter Züchter historischer Sorten.

Münsing: Marktgärtnerei ist auch Solidarprojekt - Junggärtner hoffen nach Gewitter auf Tomatenernte

Die mit viel Liebe groß gezogenen Kulturen sind komplett zerstört. Lediglich das Gemüse unter den Netzen – unter anderem Blumenkohl und Kürbis – blieben halbwegs von dem Hagelschauer verschont. Am Donnerstag hätte der Vor-Ort-Verkauf der Gemüsekisten mit den aktuell reifen, sechs bis acht Sorten beginnen sollen.

In der Marktgärtnerei wird nicht nur nach strengen ökologischen Gesichtspunkten gearbeitet, es handelt sich auch um ein Solidarprojekt. Etwa 30 bis 40 Kunden in und um Münsing hätten sich verpflichtet, jede Woche eine Kiste mit den frisch geernteten, saisonalen Feldfrüchten abzunehmen. Für Donnerstag wollten Oda und Tobi Probekisten anbieten. Bei Gefallen hätte man Mitglied der Solidargemeinschaft werden können, einschließlich Mitbestimmungsrechten und – je nach Wunsch – auch eigenem Mitanpacken. Diesen schönen Traum müssen die beiden Existenzgründer nun auf den Spätsommer bis Herbst verschieben. „Wir hoffen auf die Tomatenernte, vielleicht pflanzen wir ein paar Salate nach“, sagt Oda Jacobs.

Zum Schock über die Vernichtung ihrer Arbeit kommen finanzielle Sorgen, denn eine Versicherung gegen Unwetterschäden haben die Nachwuchs-Unternehmer nicht abgeschlossen. Tanja Lühr

Weitere Informationen unter www.gemuensing.de

Lesen Sie auch: Die Hagelnacht von Wolfratshausen .Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

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