Symbolbild Softwareprojekt Iota
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Iota ist ein globales Softwareprojekt, an dem sich jeder beteiligen kann, der will. Die Verwendungsmöglichkeiten sind praktisch unbegrenzt.

„IOTA“ ist ein globales Software-Projekt

Ein Münsinger hat die Impfpass-Technologie mitentwickelt

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Kürzlich hat Gesundheitsminister Jens Spahn den Auftrag für die Entwicklung eines Impfpasses vergeben. Die Technologie dahinter ist extrem spannend.

Münsing – Iota: So heißt der Buchstabe I im griechischen Alphabet. Das ist aber nicht der Grund, warum in diesen Tagen so viel davon die Rede ist. Denn Iota heißt auch die Technologie, die den neuen, bundesweiten Impfpass ermöglichen soll. Das große Unternehmen IBM und das kleine Start-up Ubirch aus Köln bedienen sich Iota, um das Dokument innerhalb der nächsten Wochen für Millionen Deutsche zu realisieren. Mit dabei in der Entwicklung: Hans-Peter Huber (31) aus Holzhausen. „Es ist wahnsinnig spannend, da dabei zu sein“, sagt er.

Nun könnte man als Laie denken, dass hinter Iota eine Firma steckt, bei der Huber angestellt ist. Das Gegenteil ist der Fall, Iota ist ein Open-source-Projekt. Das heißt: Jeder auf der ganzen Welt kann mitmachen, wenn er will und wenn er die entsprechende Expertise mitbringt. „Es funktioniert ähnlich wie Wikipedia“, erzählt der Holzhauser. Er selbst ist Wirtschaftsingenieur und hat schon diverse Apps entwickelt. Der Austausch unter den Mitarbeitern erfolgt über eine Plattform namens „Discord“, wo man gemeinsam chattet oder Codes teilt. Geld verdient niemand damit. Es geht um Idealismus in digitalen Zeiten.

Hans-Peter Huber ist Wirtschaftsingenieur, App-Entwickler und Musiker.

Iota bezeichnet eigentlich eine neue Generation der Kryptowährung, bei der keine Transaktionskosten anfallen. Doch die Ergebnisse sind universell einsetzbar, schließlich gilt: Daten sind Daten. Gründer der Iota-Stiftung ist der Südtiroler Dominik Schiener, den Huber schon bei ein paar „Calls“ mehr oder minder persönlich kennengelernt hat. Das Projekt Iota genießt in der Szene einen legendären Ruf. „Es gilt als eines der ganz großen Softwareprojekte der Menschheit im 21. Jahrhundert.“ Er selbst ist auf Iota gestoßen, weil er seinen Bayernpass – eine Karte mit Flatrate für den bayerischen Nahverkehr und bayerische Museen – unter die Leute bringen wollte. Vor allem ging es ihm um die Zahlungsabwicklung für Touristen, im Ausland ist man mit Kryptowährungen schon viel weiter als in Deutschland. Das funktionierte. Und ganz nebenbei geriet Hans-Peter Huber mitten hinein in ein digitales Menschheitsprojekt.

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Von dem mit Iota entwickelten Impfpass ist der Münsinger völlig überzeugt, vor allem, weil er alle Ansprüche an den Datenschutz erfüllt. „Die Daten werden dezentral abgespeichert“, sagt er. Auch in Zukunft könnte Iota beim Thema Gesundheit eine große Rolle spielen, etwa beim Aufbau einer Gesundheitsapp, bei der jeder Bürger sämtliche Daten – von der Blutgruppe bis zum Beinbruch – sammelt und sie für den jeweils behandelnden Arzt freigeben kann. „Wir sind da noch lange nicht am Ende.“

Für Huber persönlich könnte sich das Projekt Iota lohnen, wenn auf dem Oktoberfest – wann immer das nächste stattfinden wird – ein Tourist aus fernen Ländern den Bayernpass zückt und damit selbstverständlich eine Mass oder eine große Brezn bezahlt. Ferne Zukunft? Keineswegs. Iota macht es möglich.

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