Münsing hat kein Versorgungs-, aber ein Verkehrsproblem. Als Fußgänger ist es schwer, zu den Hauptverkehrszeiten eine Lücke zwischen den Autos zu finden, um vom Bäcker auf die andere Straßenseite zu gelangen. Zudem sind Parkplätze im Ortskern Mangelware.
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Münsing hat kein Versorgungs-, aber ein Verkehrsproblem. Als Fußgänger ist es schwer, zu den Hauptverkehrszeiten eine Lücke zwischen den Autos zu finden, um vom Bäcker auf die andere Straßenseite zu gelangen. Zudem sind Parkplätze im Ortskern Mangelware.

Bürger fordern Maßnahmen

Münsing hat ein Verkehrsproblem

Als Fußgänger ist es schwer, zu den Hauptverkehrszeiten eine Lücke zwischen den Autos zu finden, um die Straße zu überqueren. Parkplätze sind im Ortskern Mangelware. Die Münsinger fordern Veränderungen in Sachen Verkehr.

Münsing Wie soll sich der Ortskern von Münsing entwickeln? Mit dieser Frage befassten sich rund 35 Teilnehmer eines Bürger-Workshops mit dem Titel Ortswerkstatt im Gemeindesaal. Regional- und Stadtplaner Andreas Raab und seine Kollegin Pauline Kurz-Müller aus München moderierten die Veranstaltung.

Die Fachleute unterstützen seit acht Jahren Kommunen dabei, an städtebauliche Fördermittel zu gelangen. Münsing beteiligt sich wie berichtet im Verbund mit Eurasburg am Programm „Kleine Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“. Die beiden Kommunen haben ähnliche Ziele, wollen ihren Ortskern äußerlich aufwerten und soziale Strukturen stärken. „In bestimmten Bereichen wie etwa der Nachbarschaftshilfe könnten sie künftig enger zusammenarbeiten“, nennt Andreas Raab einen Grund für die gemeinsame Bewerbung. In Eurasburg findet am 7. November eine Ortswerkstatt statt.

Bei der Münsinger Veranstaltung wurde deutlich, dass der Verkehr das Hauptproblem ist. Mit der Nahversorgung sind die Bürger zufrieden. Es gibt ein Lebensmittelgeschäft, einen Bäcker, zwei Metzger, einen Obst- und Gemüseladen, einen Friseur, Banken, eine Apotheke, Ärzte und Therapeuten im Dorf. Gaststätten, Dienstleister und Handwerksbetriebe tragen zur Vielfalt entlang der Hauptstraße bei. Der Dorfplatz mit seinem Eiscafé bietet Aufenthaltsqualität. Leerstände wie andernorts sind nicht zu beklagen. Lediglich eine ordentliche Postfiliale und ein Nachfolger für den Getränkemarkt Graf, der demnächst aufhört, fehlen.

Rauchende Köpfe bei der Ortswerkstatt im Münsinger Gemeindesaal.

Das insgesamt gute Angebot führt jedoch dazu, dass zum Durchgangsverkehr die Autofahrer aus den anderen Ortsteilen hinzukommen, die ihre Erledigungen im Hauptort tätigen. Enge Kurven wie beim Neuwirt und Nadelöhre wie die Kreuzung Hauptstraße/Degerndorfer Straße, durch die sich täglich auch noch viele Lastwagen und Busse quälen, verstärken das Verkehrschaos. Es ist nicht nur schwer, einen Parkplatz zu finden, auch haben Radfahrer und Fußgänger ihre Probleme – ganz zu schweigen von Menschen mit Behinderung.

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In vier Gruppen erarbeiteten die Workshop-Teilnehmer Lösungsvorschläge. Bei einigen davon stand jedoch von Anfang an fest, dass sie sich nicht oder nicht so schnell umsetzen lassen. So wünschen sich die Münsinger, die Holzhauser und die Degerndorfer seit Langem eine Entlastung vom Ausflugsverkehr Richtung Starnberger See. Fritz Noppes aus Degerndorf brachte in seiner Gruppe wieder einmal den Vorschlag aufs Tapet, die bisher nur als Forststraße genutzte Schneise von der Garmischer Autobahn bis zum Buchscharner Wirt am Erholungsgelände Ambach auszubauen und für den öffentlichen Verkehr freizugeben. Der Grund gehört jedoch dem Freistaat und dieser hat sich bisher nicht dazu bereit gezeigt. Bürgermeister Michael Grasl sagte, er habe wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändern werde.

Auch die Idee von Alois Graf, die Bachstraße zur Verkehrsberuhigung in eine Einbahnstraße - egal in welche Richtung – umzuwandeln, scheint nicht aussichtsreich. Andreas Raab erklärte, er habe diese Möglichkeit im Vorfeld mit Fachleuten diskutiert. Sie würden mangels geeigneter Ausweichmöglichkeiten abraten. Zur Entlastung der Degerndorfer Straße gab es den Vorschlag, den Schwerlastverkehr über den Hauserweg umzuleiten. Zur Verbesserung der Parksituation wurde eine Tiefgarage, zum Beispiel unter dem Dorfplatz, ins Spiel gebracht.

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Chancen auf Verwirklichung haben nach Ansicht Raabs einige verkehrsberuhigende Maßnahmen an der Hauptstraße. So soll die Einrichtung eines barrierefreien Fußgängerüberwegs zwischen Sparkasse und Bäckerei, eine Anregung von Regina Reitenhardt, geprüft werden. Peter Hackers Idee, kostenlos Fahrräder an den Ortseingängen für Erledigungen zur Verfügung zu stellen und dort gleichzeitig Parkplätze zu schaffen, scheint ebenfalls unbürokratisch umsetzbar.

Eventuell könnte eine intelligentere Schaltung der Ampel an der Friedhofs-Kreuzung, wie in einer Gruppe thematisiert wurde, zu kürzeren Wartezeiten führen. Gehwege rund um die Kreuzung und bis zum Pfarrheim sollen ohnehin im Zuge des Neubaus des Rathauses mit Bürgerzentrum entstehen.

Als Fazit aus der Ortswerkstatt sehen Raab und Kurz-Müller das Bürgerhaus als künftigen zentralen Punkt Münsings. Die Hauptstraße soll fußgängerfreundlich und barrierefrei gestaltet werden, die Schulwege für die Grundschüler sollen sicherer werden. Mit all diesen Maßnahmen stärke man automatisch die gute Nahversorgung am Ort, die es unbedingt zu erhalten gelte.

Tanja Lühr

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