Residenz Würzburg
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Die Würzburger Residenz ist Schauplatz des ältesten deutschen Mozartfests. Es findet seit 1922 jährlich statt. Die Anregung kam vom Wahl-Ammerlander Walter Kunkel, einem bekannten Geiger.

Künstlerkolonie Ammerland

Walter Kunkel, Mitbegründer des Würzburger Mozartfests

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Ammerland am Starnberger See übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebte auch Walter Kunkel (1892 - 1972), Gründer des Würzburger Mozartfests.

Münsing – Wer den Begriff Mozartfestspiele hört, denkt zuerst an Salzburg. Darüber sollte man aber nicht vergessen, dass es auch in Deutschland ein bedeutendes Mozartfest gibt, und zwar in Würzburg. Es war der gebürtige Würzburger und Wahl-Ammerlander Walter Kunkel, der 1922 mit den Anstoß gab, in den Sommermonaten in der dortigen Residenz klassische Musik aufzuführen. Als offizieller Gründer des Mozartfests gilt Hermann Zilcher. 1958 baute sich Walter Kunkel seinen Alterssitz am Sterzenweg 9, das Haus steht heute nicht mehr. In der Gemeinde gemeldet war der Musiker seit dem Jahr 1960, er starb 1972 in Wolfratshausen.

Prof. Walter Kunkel, Geiger und Musikpädagoge

Nach seiner Pensionierung kehrte Kunkel, geboren am 9. April 1896, an den Ort seiner Jugend zurück. Denn: Die kultivierte Familie – der Vater Adam Josef Kunkel war Medizinprofessor, die Atmosphäre im Haus wird als sehr musisch beschrieben – kam schon seit 1865 zur Sommerfrische nach Ammerland – so wie viele Würzburger Akademiker. 1882 wurde in Franken sogar eine „Ammerlander Bläsergruppe“ gegründet, bestehend aus Gelehrten, die es regelmäßig an den Starnberger See zog.

Bald macht der hochbegabte junge Mann von sich reden. Mit zwölf Jahren kommt er ans Würzburger Konservatorium, mit 14 beherrscht er bereits die schwierigen Partituren der Beethovenschen Streichquartette auswendig. Als er 19 Jahre alt ist, holt ihn der bekannte Musikpädagoge Adolf Rebner (Lehrer von Paul Hindemith) als Bratscher in sein neues Streichquartett.

Konrad Adenauer war mit ihm befreundet

Einen exzellenten Ruf in ganz Deutschland erwirbt Kunkel an der Hochschule für Musik in Köln, wo er 34 Jahre lang als Pädagoge für Geige, Kammermusik und Schulmusik tätig ist. „Zu seinen Freunden zählen Bundeskanzler Adenauer sowie große Meister der Musik wie Hans Pfitzner, Max Reger, Bela Bartok und Paul Hindemith, mit denen Walter Kunkel oft musizierte“, heißt es in einem Zeitungsartikel zu seinem 80. Geburtstag, der in Alma Lanzingers Buch „Ammerland Anno dazumal“ abgedruckt ist. Außerdem feiert er mit dem Kunkel-Quartett im In- und Ausland große Erfolge. Der Würzburger spielt auf einer 300 Jahre alten Amati-Geige.

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Auch in Ammerland wird noch musiziert, vor allem sonntags, wenn Tochter Waltraud Kunkel, eine bekannte Psychotherapeutin, aus München kommt. Dann huldigen Walter Kunkel auf seiner Amati, Ehefrau Mathilde auf dem Klavier sowie Tochter Waltraud ihrer großen Leidenschaft – der Musik.

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