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Jan Greune und das Geheimnis seiner spektakulären Fotos

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Von: Volker Ufertinger

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Perfekte Proportionen: Das Bild auf dem Aletsch-Gletscher in den Schweizer Alpen ist ein Moment für die Ewigkeit. © Foto: Jan Greune

Fotografen haben einen eigenen, oft ästhetischen Blick auf die Welt. Besonders Jan Greune aus Münsing. Seine Bilder verzaubern den Betrachter.

Münsing – Das erste Bild, mit dem Jan Greune (54) ein großes Publikum erreichte, hat sich irgendwie ergeben, in jungen Jahren, als er die Kulissen im Münchner Residenztheater schob. Bei den Aufführungen des legendären „Brandner Kaspar“ wurde er immer wieder Augen- und Ohrenzeuge, wie sich Gustl Bayrhammer und Toni Berger in den Pausen über all das unterhielten, was Männer im Alter eben beschäftigt, etwa der Zustand der Prostata. „Irgendwann habe ich sie gefragt, ob ich ein Foto von ihnen machen darf.“ Er durfte – und das Münchner Stadtmagazin druckte den eindrucksvollen Schnappschuss gleich auf einer Doppelseite.

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Kurze Verschnaufpause: Der Brandner Kaspar (Gustl Bayrhammer) und der Tod (Toni Berger) hinter den Kulissen des Münchner Residenztheaters. © Foto: Jan Greune

Spätestens damit war klar, dass Jan Greune, aufgewachsen im Münchner Vorort Baldham, das Auge des Fotografen hat. Das kam ihm gerade recht, denn sein Biologiestudium, so interessant es auch war, bot keine verlockenden Berufsaussichten. „Ich wollte nicht mein Leben lang unter einer Neonröhre arbeiten“, erinnert er sich. „Und darauf wäre es hinausgelaufen.“ Viel lieber reiste er mit seinem Freund Julian Rosefeldt durch die Welt und knipste, knipste, knipste, mit Apparaten, die nicht annähernd die heutigen technischen Möglichkeiten bieten. Aus Rosefeldt wurde ein berühmter Filmkünstler, aus Greune ein gefragter Fotograf.

Zunächst jettete der junge Mann mit dem speziellen Blick durch die Welt, meist im Auftrag von Reisemagazinen wie etwa „Globo“. Weil er es versteht, sich auf andere einzustellen, hatte er meist mit menschlich nicht ganz einfachen, dafür brillanten Autoren zu tun. „Das sind zum Teil schon tolle Reportagen herausgekommen“, erzählt er. Irgendwann wurde er nicht mehr einfach irgendwohin geschickt. Stattdessen fragten die Redakteure ihn, wo er hinreisen wolle. Er musste nicht lange überlegen: Es ging in den Indischen Ozean, auf die Sunda-Inseln, nach wie vor einer seiner Lieblingsplätze auf der weiten Welt. „Ich wusste, das ist jetzt ein großer Schritt.“

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Fotograf Jan Greune aus Münsing

Doch diese Zeit ging vorbei. Greune weiß noch genau, dass er 1998, bei einem Trip nach Mexiko, feststellen musste, dass ihm der spezielle Blick abhanden zu kommen drohte. „Es war zu viel, ich war übersättigt.“ Hinzu kam, dass er das erste Mal Vater wurde. 26 Wochen pro Jahr weg zu sein: Das ging nicht mehr. Also zog er mit Frau Sandra vom Münchner Max-Weber-Platz ins Griesbichl nach Münsing.

Die Kunden wurden nun andere. Meist handelte (und handelt) es sich um Firmen, in deren Auftrag Greune Fotos macht, Telekom, Roche, ADAC, Erdinger Weißbräu und viele andere mehr. Außerdem ist er Mitglied der renommierten Bildagentur „Look“. Seine Bildsprache bezeichnen Kenner als besonders ästhetisch, clean, oft mit Weitwinkel gemacht. Wer sich für einen Moment verzaubern lassen möchte: Auf seiner Homepage finden sich ein paar Beispiele.

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Das Lieblingsbild schlechthin hat Greune nicht. In die engere Auswahl kommen etwa zehn. Darunter eines, das am Aletschgletscher in den Berner Alpen entstanden ist. Ein Schweizer Pharmahersteller wünschte, dass der Münsinger die Botschaft „Wir helfen Ihnen“ zusammen mit ein paar kernigen Schweizer Bergführern bildlich veranschaulicht. Es ging gut. Und trotzdem: Nachdem das Shooting schon vorbei war, fragte er die Schweizer, ob sie ihm nicht noch einmal Modell stehen würden, an einem Platz, den er zwischenzeitlich entdeckt hatte. Nach getaner Arbeit entstand ein Foto mit perfekten Proportionen, das Greune heute noch freut – ein Bild für die Ewigkeit. „Wenn so etwas gelingt, schütte ich Endorphine ohne Ende aus“, sagt er.

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Was die technische Ausrüstung angeht, ist Jan Greune natürlich auf dem neuesten Stand. Doch das sind Laien auch, dank der Tatsache, dass die besten Geräte in kurzer Zeit auch für die Allgemeinheit erschwinglich werden. Was unterscheidet also den Profi von den Millionen Normalos, die ohne Unterlass knipsen, mit Handy, Kamera, Drohne? „Wir müssen antizipieren“, sagt Greune. „Wir müssen ein Gespür dafür haben, was gleich passiert.“ Dass er das kann, hat er 1000 Mal bewiesen.

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