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Seine "Herren im Bad" sorgen derzeit in Münsing für Gesprächsstoff: der 2011 verstorbene Humorist Vicco von Bülow alias Loriot.

Loirot-Denkmal: Kritik an Entscheidung der Gemeinde

"Kitsch im öffentlichen Raum"

Münsing – Die Agenda Kultur in Münsing ist mal wieder nicht einverstanden mit der Politik der Gemeinde. Es geht um das in Auftrag gegebene Denkmal zu Ehren des 2011 verstorbenen Vicco von Bülow alias Loriot. 

Klaus Ulrich Spiegel, Mitglied der lokalen Agenda Kultur, nennt die geplante bildnerische Darstellung des Sketches „Herren im Bad“ kitschig. Er spricht von „kommunaler Kulturverwesung“ und „Anti-Kultur“. Die Gemeinde hat Spiegels Kritik im Gemeindeblatt abgedruckt. „Wir haben uns aber eine Klarstellung erlaubt und diese ebenfalls veröffentlicht“, sagt Bürgermeister Michael Grasl. 

Spiegel (75), Vorsitzender des Münchner Kunstvereins und freier Autor, setzt sich in seiner Abhandlung ausführlich mit dem Thema Kunst im öffentlichen Raum auseinander. Im Gegensatz zu den Standbildern von Kaisern und Königen, die „staatspolitischer und herrschaftlicher Selbstfeier“ dienten, solle Kunst heute „animieren zu kommunaler Begegnung“ und Identität stiften. Voraussetzung sei, dass die Bürger an deren Entstehung beteiligt würde. Wo „dialogverweigernde Autonomie von Gewählten über Kultur im Allgemeinen und Kunst im Besonderen urteile“ und dabei auf Fachlichkeit und Beteiligung „pfeife“, seien Beschlüsse das Ende des kulturellen Aufbruchs. Das vom Gemeinderat beschlossene Loriot-Denkmal ist für Spiegel „Kitsch im öffentlichen Raum“. Die Herren im Bad seien „monothematisch reduziert“ und „in eine schwergewichtige, brachiale, abseitige Materialität versetzt“. Spiegel behauptet, die Werkstoffe – Granit für die Wanne und Bronze für die Figuren – seien von Loriot selbst niemals verwendet worden. Der Münsinger hätte sich gewünscht, dass die Gemeinde eine Fachjury befragt. Prof. Matthias Richter-Turtur, ebenfalls Mitglied der Agenda Kultur, war der einzige Gemeinderat, der in jeder Diskussion auf einen Wettbewerb und eine Fachjury gedrängt hatte. 

Bürgermeister Grasl widerspricht den Vorwürfen entschieden. Der Gemeinderat habe sich seit 2013 in öffentlichen Sitzungen intensiv mit dem Thema befasst. Mehrheitlich und im Einvernehmen mit der Familie des Verstorbenen habe man einen Wettbewerb abgelehnt. Man sei der Auffassung gewesen, der einzigartige Humor Loriots komme am besten durch die originalgetreue Reproduktion eines Werkteils zur Geltung. Die Wahl sei auf die „Herren im Bad“ gefallen, weil diese Szene zur Diskussion anregen könne und weil sie ein wenig an die bis heute zu beobachtende Konkurrenz zwischen Münsing-Ost und Münsing-West erinnere. 

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Grasl fest, dass die von der Agenda Kultur ausgelöste Diskussion die Münsinger offenbar nicht interessiere: „Entweder sind sie einverstanden mit unserer Planung oder sie können vielleicht dem etwas erhabenen Text nicht ganz folgen.“ Zwischen Agenda und Gemeinde herrscht seit Jahren Streit, die weitere Kooperation hat der Gemeinderat voriges Jahr nach verschiedenen Vorfällen abgelehnt.

Tanja Lühr

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