Birgit Böhm, Josef Lanzinger (Landwirt und Jäger), Stephan Vogt (Feuerwehr), Florian Huber (Feuerwehr) und Markus Feigl (Jäger).
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Das Team Kitzrettung (v. li.): Birgit Böhm, Josef Lanzinger (Landwirt und Jäger), Stephan Vogt (Feuerwehr), Florian Huber (Feuerwehr) und Markus Feigl (Jäger).

Landwirte, Jäger und Feuerwehr sind beteiligt

Kitzrettung in Ammerland: Das ganze Dorf hilft zusammen

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Wegen des nassen Mai sind Rehkitze heuer besonders gefährdet. Damit kein Tier zu Schaden kommt, helfen in Ammerland Jäger, Feuerwehr und Landwirte zusammen.

Münsing – In Ammerland ist die Rettung der Rehkitze quasi Teamarbeit für das ganze Dorf: Landwirte, Jäger und die Feuerwehr helfen zusammen, um die Tiere zu retten. „Wir verbessern uns jedes Jahr“, sagt Jägerin Ursula Scriba. So führte Markus Geigl, Erster Kommandant der Ammerlander Feuerwehr, im vergangenen Jahr die mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne ein. Auch Hans Hofner, Jagdvorstand der Münsinger Jagdbögen, machte sich für das Thema stark.

Gerade das Frühjahr 2021, in dem die Vegetation wegen der kühlen Witterung um drei Wochen verzögert ist, birgt für die Rehkitze eine große Gefahr, denn: Die Setztermine der Geißen treffen mit der ersten Mahd zusammen. „Erst vor drei Wochen haben wir das erste Kitz gefunden“, so Scriba. „Das ist unüblich, weil normalerweise schon ab Mitte April mit den ersten Kitzen gerechnet werden kann.“

Eine Drohne erweist wichtige Dienste

Der Ablauf in Ammerland 2021 hat gezeigt, wie die Kooperation funktioniert. Die Landwirte von den Höfen Maxler, Gorythoma, Sterz, und Heiß informierten die zuständigen Jäger Josef Lanzinger, Ursula Scriba, Markus Feigl mit Lehrling Birgit Böhm, wann die Mähfahrzeuge kommen. Die Jäger klärten aus ihrer Erfahrung ab, wo die Kitze eventuell liegen könnten. Schon seit einer geraumen Weile beobachten die Jäger Geißen, die suchend die Wiesen abschreiten. Den sicheren Platz wählen sie sorgfältig aus.

Um sie geht es: Bei Gefahr rufen Kitze „Päääp“ nach der Mutter. Doch bei Mähdreschern funktioniert diese Überlebensstrategie nicht.

Dazu muss man wissen, dass die Rehmütter ihre Kitze in den Wiesen gebären. „Sie legen sich zu den Kitzen und bieten ihr Gesäuge zu einer ersten grundlegenden Stärkung“, erklärt Markus Feigl. „Schon nach drei Stunden können sie selbstständig stehen und wagen erste Schritte.“ Die Mutter entfernt sich, bleibt aber in der Nähe und kommt nur insgesamt etwa eine halbe Stunde pro Tag zum Säugen vorbei. Fühlen die Kleinen sich bedroht, stoßen sie ein lautes „Päääp“ aus. Dann kommen die Rehmütter und holen sie aus dem Gefahrenbereich. „Diese Sicherung funktioniert mit den lauten Mähern nicht“, so Scriba.

Die Wärmekamera zeigt den Standort des Kitz an

In Ammerland steuerte heuer Stephan Vogt die Drohne. Wenn auf dem Display ein roter Punkt sichtbar wird, heißt das: Etwas Warmes befindet sich auf dem Boden, in diesem Fall mit acht Grad Unterschied zur Bodentemperatur. Darauf hin startete Markus Feigl mit der erfahrenen Jagdhündin Alva und Ursula Scriba mit Isi zum anzeigten Punkt: Die Drohne steht zur Hilfe genau über dem Messpunkt. Leere Zwillingsbetten zeigen die Hunde an, die Geiß hat die Kitze schon geholt. Gerade die Kombination von Drohne und Mensch zeigt Wirkung, denn: Mensch und Hund hinterlassen ihren Geruch, den die feinen Nasen der Rehgeißen als gefährlich erkennen. „Daher meiden sie das Gebiet über viele Stunden“, so Scriba. Umgekehrt bewegen sich Jäger und Hunde nur in dem von der Drohne bezeichneten Bereich, die Wiesen werden also maximal geschont.

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Die Drohne hat noch 20 Minuten Akku. Diese Zeit wird genutzt, um den Weipertshauser Waldrand abzufliegen. Als der Akku leer ist, kommt die Drohne automatisch in hohem Tempo zurück. Die grasgefüllten Kisten im Auto für Kitze wurden heute nicht gebraucht. Die Jäger hätten die Kitze im sicheren Garten abgesetzt, bis die Mahd vorbei ist, damit keines der Kleinen auf die Idee kommt, auf seinen hohen dünnen Beinen schnell zurück in die tödliche Mähzone zu laufen. Es ist alles gut gegangen, und der Mond steht hoch über Ammerland.

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