Ernst Grünwald und die Skulptur „Der goldene Waigel“
+
„Der goldene Waigel“: Mit dieser Skulptur von Ernst Grünwald wurde einst der größte deutsche Steuerzahler ausgezeichnet.

Künstlerkolonie Ammerland

Ernst Grünwald, ein Bildhauer mit genauem Blick

Ammerland am Starnberger See übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebt und arbeitet auch der Bildhauer Ernst Grünwald.

Münsing – Der Bildhauer Ernst Grünwald ist fest verwurzelt in Ammerland. 1956 in München geboren, kam er 1958 nach Ammerland zu seinen Großeltern. Die Familie Grünwald lebt seit 400 Jahren am Ostufer des Starnberger Sees, erst in Ambach, dann in Ammerland. Grünwalds Großvater arbeitete schon für die Grafen von Pocci.

Zur Schule und zum Studieren ging der Enkel wieder zurück nach München. Schon während der Schulzeit zeichnete er gerne. Auf Umwegen kam er 1976 zur Bronzegießerei. Er machte eine Lehre in der Kunstgießerei Mayr in München. An der Münchner Akademie der Bildenden Künste wurde er anschließend jedoch aufgrund seiner Zeichnungen aufgenommen. Von 1979 bis 1986 studierte er dort Bildhauerei. Grünwald war Meisterschüler in der Klasse von Erich Koch, wo er mit Diplom abschloss. Schwerpunkt seines Schaffens waren und sind Bronzeskulpturen. Daneben verwendet er Holz, Stein und Gips.

Von der Bleistiftskizze zur Bronzefigur

Nach wie vor sind Bleistiftskizzen der erste Schritt auf dem langen Weg hin zu einer Ton-, Bronze- oder Holzfigur. Der Ammerlander arbeitet am liebsten gegenständlich und naturalistisch. Seine Plastiken sind sehr genaue Beobachtungen von Mensch und Tier. Ziegen, Hunde, Kühe, Affen: Es gibt kaum ein Lebewesen, dem er sich noch nicht künstlerisch genähert hätte. Die Figuren überzeugen im kleinen wie auch im monumentalen Format, als filigrane Tänzerin aus Bronze oder Messing ebenso wie als mächtiger, Zigarette rauchender Kerl aus Eichenholz. Sie finden sich im gesamten bayerischen Raum, so zum Beispiel die Holzskulptur „Der Sternengucker“ vom Blomberg, der „Bierkönig“ vom Kloster Andechs oder die Bronzetafel zu Ehren der Grafen Pocci an der Ammerlander Schlosskapelle.

Genauer Beobachter von Mensch und Tier

Darüber hinaus erledigt Grünwald Auftragsarbeiten wie etwa für Ehrenpreise. Für den Kulturpreis der Stadt Geretsried hat er die Bronze-Statuette „Dialog“ gefertigt, für den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis des Ostuferschutzverbands den berühmten Affen, der die Villa Max in Händen hält.

Lesen Sie auch: Maria Slavona, eine vergessene Impressionistin

Neben den Ausstellungen, bei denen man allerdings nie wisse, wie viel man verkaufe, dienten diese Arbeiten dem Broterwerb, sagt der 64-Jährige. Ehrenamtlich engagiert er sich seit Jahren im Münsinger Gemeinderat, bis vor Kurzem als Dritter Bürgermeister, und bei der Energiewende Münsing.

Die Werke entstehen in seiner Werkstatt am Riedweg. Hinter dem Haus hört man oft die Kettensäge knattern, wenn wieder irgendein Riese aus einem Eichenstamm geschaffen wird. Zwischendurch macht Grünwald kleine Zeichnungen, die er „Fingerübungen“ nennt. Es sind gelenkige Strichmännchen, gemalt mit der farbgetränkten Fingerkuppe. Obwohl er so vielseitig ist, was Motive, Materialien und Formate angeht, sagte er einmal: „Wenn ich auf den See schau’, wäre ich lieber Maler als Bildhauer.“ Tanja Lühr

Auch interessant

Kommentare