Maria Slavona und Georg Kahn-Ackermann, 1930
+
Aus dem Familienalbum: Die Malerin Maria Slavona im Jahr 1930 mit ihrem Enkel Georg Kahn-Ackermann, zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt.

Künstlerkolonie Ammerland

Maria Slavona, eine vergessene Impressionistin

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Ammerland am Starnberger See übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebte auch Maria Slavona (1865 - 1931), eine lange Zeit vergessene Malerin.

Münsing – Als Maria Slavona im Jahr 1931 stirbt, gilt sie als eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen, ihre impressionistischen Arbeiten sind berühmt. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbringt die Künstlerin, die eigentlich Caroline Schorer hieß, teilweise in Ammerland. Dort lässt sie 1922 für ihre Tochter Lilly Ackermann (1891-1976), eine nachmals berühmte Schauspiellehrerin, ein Haus am Sterzenweg errichten.

In der Folgezeit sollten sich dort viele berühmte Künstler und Schriftsteller einfinden – und nach dem Krieg kamen noch Politiker hinzu. Auch die Kinder des in Ambach wohnenden Dramatikers Frank Wedekind, Pamela und Kadidja, gehen hier ein und aus. Deren berühmter Kinderroman „Kalumina“ aus dem Jahr 1933, im dem es um einen glücklichen Kinderstaat am Starnberger See geht, spielt eben hier.

Maria Slavona, Selbstbildnis aus dem Jahr 1887.

Maria Slavona kommt im Jahr 1865 in Lübeck zur Welt, sie stammt aus einer alten, angesehenen Apothekerfamilie. Sie hat fünf Geschwister. Auch ihre älteste Schwester Cornelia bringt es zu einiger Berühmtheit und wird als eine der ersten deutschen Frauen überhaupt in Medizin promoviert.

In Paris geht ihr eine neue Welt auf

1882 wechselt sie zur Ausbildung im Malen und Zeichnen nach Berlin, 1888 setzt sie ihr Studium in München fort. Hier machte sie der Mitbegründer der Münchner Sezession, Ludwig Herterich, mit dem französischen Impressionismus bekannt. 1890 geht sie zusammen mit dem dänischen Maler Vilhelm Petersen, mit dem sie die Tochter Lilly hat, nach Paris. „Hier ging mir eine neue Welt auf“, schreibt sie. Sie nimmt Kontakt zur Pariser Künstlerwelt auf, legt sich ihr Pseudonym zu und stellt 1893 erstmals im Salon du Champs de Mars aus. In Paris lernt sie auch den Schweizer Kunsthändler Otto Ackermann kennen, den sie 1900 heiratet und der Tochter Lilly adoptiert. Das Paar führt ein lebendiges, offenes Haus, in dem Künstler wie Edvard Munch, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, der junge Pablo Picasso und Rainer Maria Rilke und andere verkehren – das Who is Who der Moderne.

Die Nazis ächten ihre Malerei

1906 kehrt die Malerin nach Lübeck zurück, 1909 geht sie nach Berlin. Sie gilt als Sympathisantin und Aktivistin der Moderne. Von ihrem eigenen Werk heißt es, dass es norddeutsche Nüchternheit und französischen Impressionismus miteinander verbindet. Ende der 1920er Jahre verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand, sie sucht Linderung in der Naturheilkunde und malt vor allem Blumen und Landschaften aus der Nähe des Ammerlander Hauses.

Lesen Sie auch: Künstlerkolonie Ammerland, Gabriel von Max

Nach ihrem Tod ist– abgesehen von einer posthumen Würdigung der Nationalgalerie im Berliner Kronprinzenpalais – Maria Slavona lange vergessen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die Nazis ihre Kunst als „entartet“ brandmarken und ein großer Teil ihrer Werke dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fallen. Erst ab den 1980er Jahren erinnern diverse Ausstellungen – unter anderem in Lübeck, im Münchner Stadtmuseum und in Ulm – an die große Impressionistin. Auch die derzeit geschlossene Pinakothek der Moderne besitzt einige Bilder.

Georg Kahn-Ackermann, SPD-Urgestein und Enkel von Maria Slavona.

Nach Tochter Lilly wohnte auch Maria Slavonas Enkel und dessen Familie am Sterzenweg: der Journalist und Poltiker Georg Kahn-Ackermann (1918-2008), SPD-Urgestein, 20 Jahre lang Mitglied des Bundestags und erster deutscher Generalsekretär des Europarates in Straßburg von 1974 bis 1979. Das Haus am Sterzenweg ist kürzlich verkauft worden. Der neue Eigentümer, so hört man, will es nach Möglichkeit erhalten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare