Ein Werk Thomas Buschers: Die Herz-Jesu-Büste in der Münsinger Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1926. Vielleicht wurde sie gestiftet.
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Ein Werk Thomas Buschers: Die Herz-Jesu-Büste in der Münsinger Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1926. Vielleicht wurde sie gestiftet.

Er starb in Ammerland am Starnberger See

Über Leben und Werk von Kirchenkünstler Thomas Buscher

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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1937 starb in Ammerland Thomas Buscher, einer der berühmtesten Kirchenkünstler seiner Zeit. Auch zwischen Isar und Loisach finden sich seine Werke.

Münsing – Im Frühjahr 1937 besucht ein Mann noch einmal Ammerland, genauer die Villa Rösl. Wieder übernachtet er im Seehaus der imposanten Villa am heutigen Siegleweg und verbringt mit seinem alten Freund, dem Maler Josef Rösl, viele Stunden. Von diesem Besuch kehrt er nicht in seine Heimatstadt München zurück. Er stirbt im Alter von 77 Jahren und wird auf dem Münsinger Friedhof beerdigt.

Das wäre an sich nicht weiter bemerkenswert, wenn dieser Mann nicht einer der bekanntesten Bildhauer und Holzschnitzer seiner Zeit gewesen wäre. Der Stil von Thomas Buscher war der des Historismus, das heißt: Er griff auf Stilrichtungen aus vergangenen Jahrhunderten zurück. In Oberbayern findet man zahlreiche Werke von ihm. Viele Kirchgänger in Oberbayern kennen seine Darstellungen, ohne zu ahnen, von wem sie sind: Man denke nur an die Kreuzigungsgruppe am Münchner Westfriedhof, den Marienaltar in der Johanneskirche in Freising oder den „Nagelaltar“ im Bamberger Dom. Auch im Landkreis findet man einiges: Die figürliche Darstellung des Altars der Krankenhauskapelle in Bad Tölz, die Immaculata der Kirche St. Katharina in Thankirchen sowie eine besonders schöne Herz-Jesu-Büste. Sie stammt aus dem Jahr 1926 und findet sich in der Gemeinde, die er so gerne besuchte: Münsing.

Thomas Buscher, Porträt aus dem Jahr 1929.

Thomas Buscher wird 1860 als sechstes Kind des Steinmetzmeisters Friedrich Buscher und seiner Frau Dorothea in Gamburg (Baden-Württemberg) geboren. Wie einige seiner Brüder verschreibt er sich der Kunst und macht eine Bildhauerlehre in der Anstalt für Kirchliche Kunst in München bei dem Architekten Joseph Elsner. Später geht er nach Amerika und arbeitete in Chicago als Ornamentschnitzer in der Werkstatt seines älteren Bruders, der sich einige Jahre vorher dauerhaft in der US-Stadt am Lake Michigan niedergelassen hatte. 1900 erwirbt er in der Nymphenburger Straße in München ein Wohnhaus, in dem sich auch sein Atelier für kirchliche Kunst befindet. Am 13. Juni 1907 erhält er die bayerische Staatsbürgerschaft, 1913 wird er ohne Lehrverpflichtung zum königlich-bayerischen Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie ernannt. Thomas Buscher avanciert zu einem der berühmtesten Kirchenkünstler seiner Zeit, wie Balthasar Schmitt, Heinrich Wadere, Waldemar Kolmsperger. Kenner beklagen, dass seine Werke noch nicht umfassend erforscht worden sind, obwohl sie von hohem künstlerischen Wert sind. Gleichwohl hat ihm seine Heimatstadt ein Museum gewidmet.

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Die Herz Jesu in Münsing und die Immaculata in Thankirchen

Die Herz-Jesu-Büste von Thomas Buscher ist derzeit nicht in der Münsinger Pfarrkirche ausgestellt. „Wohl auch deshalb nicht, weil sich in einem Seitenaltar sowieso schon ständig ein Herz-Jesu-Bild befindet“, vermutet Pfarrer Martin Kirchbichler. Es gibt Hinweise darauf, dass die Büste in früherer Zeit am Herz-Jesu-Freitag (dem ersten Freitag im Monat) aufgestellt wurde. Als Pfarrer Kirchbichler 2006 nach Münsing kam, existierte dieser Brauch allerdings nicht mehr. Er findet Gefallen an der Idee, dass die Büste wieder ihren Platz finden könnte, etwa im Herz-Jesu-Monat Juni. Nach Auskunft des Kunstreferats des Erzbistums stammt die Büste aus dem Jahr 1926 und ist aus Lindenholz gefertigt. Sie wurde möglicherweise nach dem Tod des Künstlers der Pfarrei gestiftet. Durchaus denkbar ist, dass noch mehr Figuren der Pfarrkirche auf Thomas Buscher zurückgehen, so die heiligen Nepomuk und Aloisius. Etwas weniger ist über die Mariendarstellung in der Kuratiekirche St. Katharina in Thankirchen bekannt. „Sie wurde im Jahr 1917 im linken Seitenaltar aufgestellt“, berichtet Pfarrer Thomas Neuberger. Wieso in diesem Jahr, also mitten im Ersten Weltkrieg, eine Figur angeschafft wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Fest steht: Der heilige Michael im rechten Seitenaltar ist noch original aus dem 18. Jahrhundert. „Womöglich ging die alte Figur verloren oder man wollte den Altar umwidmen oder schlichtweg neu gestalten“, vermutet Pfarrer Neuberger. „Wir wissen es nicht.“

In Münsing kennt den Namen Buscher praktisch niemand mehr, das Grab ist 1985 aufgelöst worden. Erst ein Biograf wollte das ändern. Heinz Bischof aus Karlsruhe, Autor des inzwischen vergriffenen Buches „Chronik der Buscher-Brüder“ unternahm in den 1980er Jahren den Versuch, am Friedhof eine Gedenktafel errichten zu lassen. Vergeblich. „Dies wurde von mehreren Stellen mit der Begründung abgelehnt, der Künstler habe keinen unmittelbaren Bezug zur Gemeinde“, berichtet Buschers Urgroßnichte Charlotte Baumann-Hendriks. Sie tut viel dafür, dass das Leben und Werk von Thomas Buscher nicht in Vergessenheit gerät.

Auch in Thankirchen findet sich ein Werk des Münchners. Die Immaculata (=Die Unbefleckte) in St. Katharina stammt aus dem Jahr 1917.

Im Münsinger Achiv hat sich der Aufsatz „Letzte Tage in Ammerland“ von Heinz Bischof erhalten, in dem er beschreibt, warum Ammerland und seine Bewohner für Thomas Buscher so wichtig waren. Er ließ sich hier unter den Fischern inspirieren. „Die Figuren tragen Mimik und Gesten von Menschen, denen Buscher bei seinen Wanderungen begegnet ist. Dadurch verwirklicht er das Prinzip, das er sich gesetzt hat: Nichts zu heroisieren oder idealisieren, sondern bei allem die Natürlichkeit und Lebenswahrheit in den Mittelpunkt zu stellen. Die Andächtigen in der Kirche sollen an den Figuren Selbsterkenntnis üben.“

Infos im Internet: www.thomas-buscher.de

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