Luftfoto Bucht zwischen St. Heinrich und Seeshaupt.
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In der Bucht zwischen St. Heinrich und Seeshaupt sollen die sterblichen Überreste von Daniel M. entsorgt worden sein. Die Polizei konnte allerdings nichts finden.

Spektakulärer Prozess am Landgericht Gießen

Geretsrieder soll Mordopfer in Starnberger See versenkt haben

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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In Hessen wird derzeit ein kruder Mordfall verhandelt. Zwei Männer, davon einer aus Geretsried, sollen einen Mord verübt und die Leiche im Starnberger See versenkt haben.

Münsing – Im Sommer vergangenen Jahres suchten Taucher der Bereitschaftspolizei den Starnberger See ab. Es handelte sich um einen extrem ungewöhnlichen Einsatz: Die Spezialisten sollten in der Bucht zwischen St. Heinrich und Seeshaupt die Überreste einer Leiche finden. Doch die Suche endete ohne Ergebnis. Daniel M. (39) aus dem hessischen Hanau blieb verschwunden, der einbetonierte Plastikeimer, der angeblich Leichenteile enthielt, tauchte nicht auf. Deshalb wird jetzt am Landgericht Gießen ein „Mordprozess ohne Leiche“ verhandelt. Einer von zwei Angeklagten ist Robert S. (40), laut Presseberichten aufgewachsen in Geretsried und von Beruf IT-Spezialist.

Offenbar ist eine Entführung gescheitert

Es ist eine grausame und wirre Geschichte, in die jetzt Licht kommen soll. Fest steht: Die Staatsanwaltschaft hat gegen Robert S. und dessen Freund Olaf C. (44) Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes und erpresserischen Menschraubes mit Todesfolge erhoben. Nach Überzeugung der Behörden machten sie gemeinsame Sache und entführten den ihnen gut bekannten Daniel M., um Geld zu erpressen. Doch irgendetwas ging schief: Das Opfer starb, ohne dass es zu einer Lösegeldforderung gekommen wäre. Der Starnberger See als möglicher Ort zur Entsorgung der zerstückelten Leiche soll Robert S. eingefallen sein. Schließlich hatte er dort viele Jahre verbracht. Beim Tauchgang im vergangenen Jahr war er dabei und anglich kooperativ. Doch er erinnerte sich nicht genau.

Die Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig

Viele Jahre galt Daniel M. lediglich als vermisst. Aus dem Vermisstenfall wurde eine Mordermittlung, als Olaf C., von Beruf Lehrer, im Mai 2020 zur Polizei ging und seinen Freund Robert S. bezichtigte, den Vermissten erschossen zu haben. Die Polizei inspizierte daraufhin den Tatort im hessischen Hungen. Tatsächlich fand sich belastendes Material, Robert S. wurde festgenommen. Doch auch der Hinweisgeber geriet ins Visier der Polizei. Jetzt sitzen beide auf der Anklagebank. In den Vernehmungen bei der Polizei haben sie sich gegenseitig belastet. Zur Person und zur Sache äußert sich bislang aber nur Olaf C., und zwar im Beisein vieler seiner ehemaligen Schüler, die ihn als guten Lehrer in Erinnerung haben und den Prozess als Zuschauer gespannt verfolgen. Es ist ein bizarres Schauspiel.

Es geht um Swingerclubs und Bordelle

Bei seinen Ausführungen stellte sich Olaf C. als Opfer eines Psychopathen dar – nämlich Robert S. Mit ihm habe er sich beim Physikstudium angefreundet, gemeinsam habe man Roulette gespielt und Swinger-Clubs besucht. Der Dritte im Bunde sei Daniel M. gewesen. Doch irgendwann habe sich sein Geretsrieder Freund verändert und sei immer unheimlicher geworden. Unter anderem habe er obsessiv angefangen, über Menschenraub nachzudenken, um ans große Geld zu kommen.

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Am Tattag war das Trio angeblich unterwegs nach Hungen, um zu prüfen, ob sich eine Immobilie für die Gründung eines Swinger-Clubs eignet. Danach sei man wieder ins Auto gestiegen. Vom Fahrersitz aus habe er erleben müssen, wie Robert S. den gemeinsamen Freund mit einer schallgedämpften Pistole erschossen habe. Danach sei er vom Täter gezwungen worden, die Leiche zu verstecken und das Auto zu reinigen. Fortan habe er in ständiger Angst vor diesem „hartnäckigen Psychopathen und Sadisten“ gelebt. Weiter Kontakt habe er mit dem einstigen Freund nur gepflegt, um Näheres herauszufinden und ihn doch noch anzeigen zu können. Irgendwann habe er die Situation nicht mehr ertragen und sei zur Polizei gegangen. So steht es in der Gießener Allgemeinen Zeitung nachzulesen, die den Prozess verfolgt.

Es droht ein langwieriger Indizienprozess

Die Staatsanwaltschaft Gießen stellt sich derweil auf einen langwierigen Indizienprozess ein. Geplant sind mehr als 20 Verhandlungstage, 75 Zeugen und sieben Sachverständige sollen gehört werden. Abzuwarten bleibt, ob Robert S. doch noch sein Schweigen bricht. Vielleicht wird die Leiche von Daniel M. doch noch im Starnberger See gefunden.

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