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Weithin sichtbares Mahnmal: Das grüne Kreuz am Straßenrand zwischen Weipertshausen und Münsing.

Symbol sorgt für Verwunderung

Großes, grünes Kreuz an Staatsstraße aufgetaucht - die Botschaft dahinter alarmiert

Überall im Umland von München wachsen grüne Kreuze aus dem Boden. Wir sprechen mit Landwirt Franz Grenzebach, für den sein Kreuz ein Symbol für das Sterben der Höfe ist.

  • An der Staatsstraße zwischen Münsing und Weipertshausen steht ein großes, grünes Kreuz neben dem Radweg. 
  • Der Weipertshauser Landwirt Franz Grenzebach hat es dort aufgestellt.
  • Es soll ein Zeichen des Protests sein - gegen die aktuelle Agrarpolitik.

Münsing – Der 26-Jährige hatte erst im Sommer dieses Jahres ein Zeichen gesetzt mit seinem Blühwiesen-Projekt, für das es mittlerweile 180 Paten gibt. Sie finanzieren eine rund 40.000 Quadratmeter große Wiese, auf der Grenzebach eine Blütenmischung für Insekten ausgesät hat (wir berichteten). Jetzt will der Weipertshauser mit dem Kreuz darauf aufmerksam machen, dass mehr und mehr Bauern aufgrund der immer strengeren Auflagen durch die Regierung und die EU am Ende sind. „Das Kreuz ist ein Symbol für das Höfesterben“, sagt er. Ein kurzer Begleittext gibt eine Erklärung für das ungewöhnliche Wegekreuz.

Landwirt stellt ungewöhnliches grünes Kreuz bei Münsing auf

Grenzebach kritisiert vor allem das aktuelle Agrarpaket. Es sei noch nicht einmal absehbar, was das Agrarpaket von 2017 gebracht habe, da würden die Landwirte schon wieder mit neuen Verordnungen gegängelt. So soll die Frist für den Einsatz von Dünger ausgeweitet werden. Dafür müssten die Landwirte mehr Lagerkapazitäten schaffen, erklärt Grenzebach. Sie dürften nicht düngen, wenn die Witterung günstig sei. 

„Ich nehme sehr viel Rücksicht auf die Umwelt und die Menschen in meiner Umgebung, indem ich öfter mal kleinere Gaben Dünger ausbringe“, sagt der Weipertshauser. Speziell in Münsing seien die Nitratwerte im Trinkwasser niedrig, fügt er hinzu. „Wir Landwirte benötigen Planungssicherheit, um uns auf Änderungen einzustellen. Das ist für uns in solch kurzen Zeitabständen nicht möglich. Unsere Investitionen sind auf zehn bis 20 Jahre gerechnet“, sagt Grenzebach. 

Landwirt protestiert gegen Spritzmittel-Verbot mit grünem Kreuz

„Wenn die Politik aber alle zwei Jahre ihre Entscheidungen ändert, ohne die ersten Ergebnisse abzuwarten, ist es nicht verwunderlich, dass viele Bauern ihre Betriebe aufgeben.“ Auch dass Pflanzenschutzmittel nur noch in geringerem Umfang eingesetzt werden dürfen, bemängelt er. Jeder vernünftige Landwirt verwende die teuren Mittel ohnehin sparsam und nur, wenn Pflanzen krank seien. Durch den gezielten Einsatz gewinne man sichere Lebensmittel, was im Interesse der Verbraucher sei.

Die Forderung, dass 30 Prozent der Bauern auf Bio umsatteln sollen, sei schön und gut, meint der konventionelle Landwirt. Doch die Molkereien würden mangels Nachfrage nach der teureren Biomilch gar keine neuen Biomilch-Lieferanten mehr aufnehmen. Sie müssten dafür den Milchpreis für alle senken, was nicht Sinn und Zweck sein könne. In dem Zusammenhang beklagt Grenzebach die „Dumpingpreise für Lebensmittel“. 

„Die Stimmung in der Landwirtschaft ist schlecht“, stellt der Jungbauer fest, der mit seiner Familie 45 Hektar Acker und Grünland bewirtschaftet und 55 Kühe hält. Besonders ärgert ihn, dass die Politik von den heimischen Landwirten auf der einen Seite immer mehr fordere, auf der anderen Seite aber Rindfleisch importiere. Das Freihandelsabkommen Mercosur soll künftig die Einfuhr von Fleisch aus Südamerika erleichtern. „Wir versuchen, hier weniger zu produzieren und setzen auf freiwillige Tierwohl-Labels und dann wird Fleisch um die halbe Erdkugel eingeflogen“, empört sich Grenzebach.

Landwirt Franz Grenzebach ist nicht alleine: Überall wachsen die grünen Kreuze aus dem Boden

Angestoßen hat die Grüne-Kreuze-Aktion der Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings, als bloggender „Bauer Willi“ bekannt. Der Bayerische Bauernverband unterstützt das Aufstellen der Mahnzeichen. Im Landkreis haben sich Grenzebachs Wissen nach erst wenige Berufskollegen angeschlossen. Im Münchner Umland seien es mehr. Der 26-Jährige will die Verbraucher mit der Aktion aufrütteln. „Wenn ich in der Nähe auf dem Feld bin, sehe ich viele Fußgänger und Radfahrer, die anhalten und den Text am Kreuz lesen. Manchmal ergibt sich ein Gespräch. Dann merke ich, es gibt zu viel Unwissenheit und Vorurteile über die Landwirtschaft.“

Ende November protestieren Deutschlands Landwirte im Großformat: In Berlin ist eine große Sternfahrt geplant - mehrere tausend Bauern mit Traktoren werden erwartet.

Tanja Lühr

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