Schlagzeilenträchtiges Gebäude: Auch der Villa Max in Ammerland hat Autorin Katja Sebald in ihrem Buch „Sehnsucht Starnberger See – Villen und ihre berühmten Bewohner im Porträt“ ein Kapitel gewidmet.
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Schlagzeilenträchtiges Gebäude: Auch der Villa Max in Ammerland hat Autorin Katja Sebald in ihrem Buch „Sehnsucht Starnberger See – Villen und ihre berühmten Bewohner im Porträt“ ein Kapitel gewidmet.

Viele prominente Beispiele am Ostufer

Ein neues Buch stellt die Villen am Starnberger See vor

Am Starnberger See reiht sich eine geschichtsträchtige Villa an die nächste. Katja Sebald hat ihnen ein neues, sehr informatives Buch gewidmet.

Münsing – Fußballer, Stars und Sternchen – sie alle zieht es an den Starnberger See. Sie investieren in Luxusimmobilien, prächtige Villen mit großem, zum See hin abfallenden Anwesen. Ob sie wohl wissen, was diese Häuser schon alles erlebt haben? Die Autorin Katja Sebald aus Berg hat den teils denkmalgeschützten Gebäuden ein Buch gewidmet. „Sehnsucht Starnberger See – Villen und ihre berühmten Bewohner im Porträt“ heißt die Neuerscheinung im Allitera-Verlag.

Der See übte schon immer eine magische Anziehung aus. Lange bevor die Schönen und Reichen ihn für sich entdeckten, fanden Schriftsteller und Künstler dort Ruhe und Inspiration. Rottmann und Kaulbach, Leibl, Corinth und Kandinsky malten am Starnberger See. Richard Wagner und Thomas Mann hatten hier ihre Sommersitze. Gustav Meyrink und Adolf von Hildebrand wohnten in Starnberg. Am Ostufer in Münsing ließen sich unter anderen Waldemar Bonsels und Gabriel von Max nieder. Das Bild, das letzterer von seinem Landhaus in Ammerland malte, steht für das sommerliche Lebensgefühl direkt am Wasser. Die Villa Max ziert auch das Titelbild des 196 Seiten dicken Buchs mit vielen aktuellen und historischen Fotos.

Ärger um die Passage über die Villa Max

Eine Textpassage in „Sehnsucht Starnberger See“ über die Villa Max an der Ammerlander Seestraße hat die Münchner Eigentümerin auf den Plan gerufen. Sie droht dem Allitera-Verlag mit einer Klage wegen eines Satzes, in dem die Villa als verwahrlost beschrieben wird. In der Tat kämpfen Denkmalschützer, Landratsamt, Gemeinde, Ostuferschutzverband (OSV) und Ammerlander Bürger seit Jahrzehnten darum, dass die einstige Wirkungsstätte der Malerfamilie Gabriel von Max restauriert oder zumindest so instand gesetzt wird, dass keine weiteren Schäden am Gebäude entstehen. Fotos belegen diese Schäden. Die Eigentümerin verlangt vom Allitera-Verlag, dass er bereits verkaufte Bücher zurückruft und der betreffende Satz geschwärzt wird. Verlagssprecherin Vanessa von Proff erklärt, die Sache werde derzeit über Anwälte geregelt. Auch der Ostuferschutzverband ist nach Auskunft von Mechthild Felsch vom Anwalt der Eigentümerin dazu aufgefordert worden, den Satz von der Homepage zu löschen. Felsch hatte den Bildband darauf angekündigt und eben jenen Ausschnitt über die Max-Villa veröffentlicht. Der OSV soll laut Felsch außerdem 1000 Euro zahlen, „weil er Unwahrheiten verbreitet“. Der Beitrag wurde mittlerweile von der Homepage entfernt

Die Villen am Starnberger See spiegeln auch die Architekturströmungen wider. Die ersten Gebäude waren vom Klassizismus geprägt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam als Nachwirkung der Romantik das einfache Landleben in Mode. Man ließ sich vom oberbayerischen Bauernhaus oder vom „Schweizerhaus“ inspirieren. Das 1854 errichtete „Casino“ auf der Roseninsel war Vorbild für einen dritten Typus, der vom Landhaus der Toskana abgeleitet wurde und vor allem durch ein Türmchen als Aussichtspunkt charakterisiert war. Die Prinzregentenzeit brachte die historischen Villenbauten hervor, die an mittelalterliche Burgen erinnern oder mit ihren Balkonen, Loggien, Terrassen, Erkern und Fachwerkgiebeln gleich eine ganze Reihe von Stilen zitieren.

Katja Sebald, Autorin des neuen Buchs.

Jugendstil, Reformarchitektur und Neue Sachlichkeit führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch am Starnberger See zu einigen „mehr als kühnen architektonischen Entwürfen“, wie Katja Sebald schreibt. In Münsing befasst sie sich mit sechs Gebäuden näher. Darunter das „Malvenhaus“ in Sankt Heinrich. Sie schildert, wie der Chansonnier Anatol Regnier, Sohn von Pamela Wedekind und Charles Regnier, 1945 dort zur Welt kam, wie der kleine Ort das Kriegsende erlebte und wie später allerhand „illustre Gäste“ im „Malvenhaus“ ein- und ausgingen. Heute wohnen darin der Schauspieler Heiner Lauterbach und seine Familie. Über die Villa Rösl in Ammerland, die versteckt und wie verwunschen im Wald liegt, erfährt der Leser, dass ihr Erbauer Josef Rösl um 1900 im Inneren kunstvolle Wandmalereien anfertigte. Die Villa war Schauplatz des Theaterstücks und späteren Romans „Kalumina“ von Kadidja Wedekind. Die Seeburg aus dem Jahr 1888 schließlich erinnert ein wenig an Schloss Neuschwanstein. Ihr Erbauer, der Münchner Realitätenbesitzer Heinrich Theodor Höch, war ein Verehrer von König Ludwig II., der zwei Jahre zuvor in der Nähe den Tod gefunden hatte.

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Die in Feldafing aufgewachsene Autorin hat sich eine denkbar schwierige Zeit für die Recherche an ihrem Buch ausgesucht. Für das Frühjahr 2020 hatte sie Interview-Termine mit den heutigen Villenbesitzern ausgemacht. Doch wegen der Corona-Pandemie waren Besuche erst einmal wochenlang verboten und auch nach dem ersten Lockdown nicht immer leicht zu realisieren. Auch Bibliotheken waren geschlossen. Nur weil hilfsbereite Menschen ihr Archivmaterial durchs Fenster gereicht oder sie sonst auf unkonventionelle Art unterstützt hätten, habe der Bildband entstehen können, schreibt Katja Sebald im Nachwort.

Das Buch
„Sehnsucht Starnberger See“ ist für 29,90 Euro in einigen örtlichen Buchhandlungen per „click & collect“ oder über den Allitera-Verlag (www.allitera-verlag.de) erhältlich.

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