Pirmin Sedlmeir, Schauspieler
+
Liebt das bunte Treiben auf der Bühne: Pirmin Sedlmeir stammt aus einer Schauspielerfamilie und hat das „Rumpel-Pumpel“-Konzept mit entwickelt.

Künstlerkolonie Ammerland

Pirmin Sedlmeir: Die Lust an der Anarchie

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Ammerland am Starnberger See ist die Heimat vieler Künstler. Hier wuchs unter anderem Pirmin Sedlmeir auf, ein Schauspieler mit Liebe zum wilden Theater.

Münsing – Pirmin Sedlmeir (33) entstammt der Hörbiger-Dynastie. Sein Urgroßvater ist der im Nachkriegskino omnipräsente Paul Hörbiger („Hallo Dienstmann“), sein Onkel der Schauspieler und Comedian Christian Tramitz („Hubert ohne Staller“, „Der Schuh des Manitu“). Seine Mutter Manuela, Lehrerin für Latein und evangelische Religion im Kloster Schäftlarn, ist die Schwester von Christian Tramitz. Mit dem Onkel im roten Spider hatte er viel Kontakt, er war sein Vorbild.

Zusammen mit seinen Geschwistern Paul und Maresa wächst Sedlmeir gegenüber vom Ammerlander Dampfersteg auf. Er entdeckt am Kloster Schäftlarn das Theater für sich. Seine erste Rolle spielt er in dem Stück „Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht“ von Ephraim Kishon. Vorgezeichnet ist sein Weg damit aber keineswegs. Vielmehr versucht er es nach dem Abitur zunächst mit einer Brauereiausbildung, und zwar am Mühlfelder Brauhaus in Herrsching. Erst, als er in Westberlin an der Universität der Künste für das vierjährige Schauspielstudium angenommen wird, ist klar, dass er einen ähnlichen Weg gehen würde wie viele in der Familie.

Nach Abschluss des Studiums wird Sedlmeir am Oldenburgischen Staatstheater engagiert. „Dort gab es auch einen Ortsteil namens Ammerland“, erinnert er sich. „Vielleicht habe ich mich auch deswegen so wohl gefühlt“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. In dieser Zeit wird er in der Fachzeitschrift „Theater heute“ als Nachwuchsschauspieler des Jahres nominiert, und zwar für seine Interpretation eines Radioreporters in dem Stück „Krieg der Welten“. Auch im Fernsehen sammelt er Erfahrung, nämlich an der Seite von Matthias Brandt in „Wir wären andere Menschen“.

Lesen Sie auch: Christiana Birons geheimnisvolle Welt der Collagen

2017 wechselt Sedlmeir ans berühmte, weil avantgardistische Schauspielhaus Bochum. Hier entwickelt er zusammen mit Mitstreitern die Idee des „Rumpelpumpel-Theaters“. Auf einem umgebauten Marktwagen aus dem Jahr 1968 kommt das aberwitzig-skurille Stück „Loli Jackson auf der Suche nach dem Sinn von allem“ zur Aufführung, mit Songs, die er selbst geschrieben und komponiert hat. Im Mai 2018 feiert das Stück Premiere. Das anarchistisch-wilde Treiben findet viele Fans, etwa vor dem Jobcenter im nordrhein-westfälischen Wattenscheid. Auch im Landkreis können sich viele am Witz des Stücks erfreuen, zuletzt bei der „Gesellschaft unterm Apfelbaum.“ Im Herbst hat Pirmin Sedlmeir, der inzwischen im Ickinger Ortsteil Irschenhausen lebt, angefangen, an der Filmhochschule München Drehbuch zu studieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare