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Bund Naturschutz

Plädoyer für den Wolf

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Die Almbauern sind wegen des in St. Heinrich nachgewiesenen Wolfs im Landkreis nervös. Bei Landwirten ist das Tier nicht gerade willkommen. Das sieht der Bund Naturschutz anders.

Münsing/Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Chef der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN), Friedl Krönauer, hatte schon in der Pressekonferenz im Landratsamt seinen Standpunkt klar gemacht. „Wir setzen uns intensiv dafür ein, dass ehemals in Bayern heimische Wildtiere wieder zurückkehren können“, sagte er damals. Die Schutzwürdigkeit des Wolfs herabzustufen – also die Forderung, das geltende Gesetz zu ändern und ihn zum Abschuss freizugeben – bezeichnete er als „populistische Forderung“. Für diese Worte erntete er den leidenschaftlichen Widerspruch von Jägern und Landwirten.

Friedl Krönauer Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz.  

Jetzt erläutert Krönauer in einer Pressemitteilung seinen Standpunkt genauer. Dass es nachgewiesenermaßen ein Wolf war, der Anfang April in St. Heinrich bei Münsing vier Schafe gerissen hat, habe Experten nicht überrascht. Eben weil die Rückkehr des Tiers absehbar war, bietet der BN Naturliebhabern Exkursionen an, in denen man sich darüber informieren kann, wie sich „Natur- und Kulturlandschaft nach dem Zugzug dieser Wildtiere verändern“.

Krönauer ist froh, dass der Wolf von einem Großteil der Gesellschaft positiv wahrgenommen wird. „Das insbesondere im Mittelalter aufgekommene schlechte Image des Wolfs, der angeblich Menschen bedroht, gehört Gott sei Dank der Vergangenheit an.“ Gleichwohl dürfe nicht vergessen werden, dass es sich immer noch um ein Wildtier handelt. Die Konsequenz: „Die Präsenz des Wolfes erfordert ein Umdenken bei der Weidehaltung.“ Eine Koexistenz von Wolf einerseits und Schafen oder Ziegen andererseits sei möglich.

Krönauer erinnert daran, dass es diese Koexistenz gab, bevor unserer Vorfahren angefangen haben, den Wolf auszurotten. „Es scheint uns heute selbstverständlich, dass wehrlose Nutztiere sich frei in der Landschaft bewegen“, so Krönauer. „Doch mit der Rückkehr des Wolfs lernen wir, dass dies eben nicht den Normalfall darstellt.“ Der BN fordert die Bayerische Staatsregierung auf, Herdenschutzprogramme zu fördern.

Der Natur, so Krönauer, täte der Wolf gut. „Er ist, wie jedes andere Lebewesen, ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität“, sagt er. Da Wölfe meist nur schwache Tiere erbeuten, können sich im Wildbestand die starken Individuen vermehrt fortpflanzen. Kurz: Der Bestand wird gesünder. Auch der Jungwald würde profitieren, weil der Wolf in den Schwarzwildbeständen „als Regulativ wirkt“. Das sei die Erfahrung aus Bundesländern, wo der Wolf mittlerweile heimisch sei.

Der Gesellschaft wirft Krönauer eine gewisse Doppelmoral vor: Von anderen Ländern würde schnell und gerne verlangt, zum Schutz bedrohter Arten wirtschaftliche Einbußen hinzunehmen. „Trotz eines unvergleichlichen Wohlstands hierzulande sind wir aber nicht bereit, vergleichsweise geringe Anstrengungen zu unternehmen, um den Schutz der Biodiversität zu gewährleisten.“ Dazu habe man sich jedoch in internationalen Abkommen verpflichtet. Der Ruf nach wolfsfreien Zonen, wie ihn die Almbauern erheben, sei nicht zielführend. „Es wäre wünschenswert, wenn bei allen Beteiligten die Einsicht reifen würde, dass wir uns unserer Umwelt nicht zurechtschießen können.“

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