Ammerlander Schlosskapelle, v.li. Dr. Peter Schweiger, Ursula Scriba, Josef Wagner
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Ein Blick in die Ammerlander Schlosskapelle: Der Sternenhimmel, der um 1900 weiß übertüncht worden war, ist wieder da. Schreinermeister Josef Wagner (re.) führte zusammen mit Ursula Scriba (Mitte), Vorsitzende des Ostuferschutzverbands, am Tag des offenen Denkmals durch die Kirche, so etwa Kreisarchiv Dr. Peter Schweiger.

Tag des offenen Denkmals

Schlosskapelle Ammerland erstrahlt in neuem Glanz

Am Tag des offenen Denkmals konnten Besucher die runderneuerte Ammerlander Schlosskapelle besichtigen. Nur ein Wunsch ist noch offen: eine Glocke für den Turm.

  • Die Schlosskapelle Ammerland ist über 300 Jahre alt
  • Sie diente Fischern und Bauern zur Besinnung und Andacht
  • Jetzt ist die Renovierung fast abgeschlossen

Ammerland – Immer wieder wurde der Ammerlander Schreinermeister Josef Wagner in der Vergangenheit bei seiner Arbeit von neugierigen Spaziergängern unterbrochen. Er fertigte die Holztreppe, die von der Eingangstür in die Sakristei der Ammerlander Schlosskapelle Heilige Drei Könige führt. Der Eingang liegt direkt an der Nördlichen Seestraße, sodass man den Handwerker gar nicht übersehen und gleichzeitig einen Blick in das Kirchlein werfen konnte.

„Gestört hat mich das nicht. Im Gegenteil: Ich teile ja die Freude der Einheimischen und Ausflügler darüber, dass die Schlosskapelle bald endlich komplett restauriert sein wird“, sagt Wagner. Er erinnert sich, sie als Kind Ende der 1950er Jahre regelmäßig besucht zu haben. Ein Pfarrer aus Mannheim, der zur Sommerfrische in Ammerland weilte, habe während der großen Ferien immer die Messe auf Lateinisch gehalten.

Der OSV hilft maßgeblich bei der Sanierung

Am Tag des offenen Denkmals stand die Kapelle Heilige Drei Könige allen Interessierten offen. Ursula Scriba, Architektin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands (OSV), die sich seit 2006 äußerst engagiert für die Sanierung des Kleinods einsetzt, führte die Besucher zusammen mit Josef Wagner durch die beiden Räume, die Sakristei und das Kirchenschiff.

Die Schlosskapelle wurde 1682 als Stiftung an die Kirchenstiftung Münsing eingebracht. Parallel zum Neubau des hinter ihr liegenden Schlosses der Wittelsbacher Fürstbischöfe konnte sie 1685 vollendet werden. In dem kleinen Hauptschiff wurden Messen und Andachten für die ansässigen Fischer- und Bauernfamilien sowie für die Bediensteten des Schlosses gefeiert. Bis in die 1930er Jahre wurde die Kirche von den Grafen Pocci gepflegt.

Es gab lange Verhandlungen mit den Schlossbesitzern

Ihr deutlicher Niedergang vollzog sich in den 70ern. Sie verfiel und vergammelte, sogar ein Baum wuchs in ihrem Inneren. 1981 fand die erste Renovierung statt. Das Fundament wurde erneuert, Dachstuhl und Dach wurden repariert, der Turm mit einem Kupferdach und einem kupfernen Wetterhahn versehen, die Wände verputzt und neu gestrichen. Nach langen Verhandlungen mit den jeweiligen Schlossbesitzern erreichten die Kirchenstiftung, das Erzbischöfliche Ordinariat, das Landesamt für Denkmalpflege und der OSV in den 2000ern, dass der Haupteingang, der früher im rückwärtigen Teil, im Garten des Schlosses lag, nach vorne an die Straße verlegt wurde. „Unser Ziel war es, dass die Öffentlichkeit durch diesen Eingang Zugang zur Kapelle erhält“, erklärt Scriba.

Die Ammerlander Schlosskapelle an der Nördlichen Seestraße war in den 1970er Jahren im Niedergang begriffen, sogar ein Baum wuchs in dem Gemäuer.

Das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals lautete „Nachhaltigkeit“. Die Sanierung der Schlosskapelle ist ein Beispiel dafür: Die Baumaterialien sind überwiegend ökologisch und regional. So wurde einheimisches Holz für Fensterrahmen und Türen verwendet. Die neue Zugangstreppe ist aus seidig schimmernder Weißtanne aus dem Schwarzwald, dem Baum der Zukunft und des Waldumbaus, der Boden aus Sollnhofner Platten.

Der Gesamteindruck des Kirchenschiffs ist mit farbig gefiltertem Licht, ockerfarbenen Wänden und blauem Sternenhimmel betont sakral. Glaskünstler Bernd Nestler schuf das leuchtende Fenster über dem Altar nach Osten hin mit dem Motiv der Heiligen Drei Könige. Die Seitenfenster wurden originalgetreu mit gelben und türkisfarbenen Rauten gestaltet.

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Der einstige Hochaltar aus Holz ist einer steinernen Altarmensa in warmem Beige, Braun und Gold gewichen. „Daneben wollen wir noch eine große Osterkerze aufstellen“, kündigt Ursula Scriba an. Außerdem sollen drei Holzbänke Besucher zur stillen Andacht einladen. Der Schlüssel zur Schlosskapelle könnte bei einem benachbarten Fischer hinterlegt werden.

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120 000 Euro wurden bereits in die Renovierung investiert. Das Geld stammt von Stiftungen, dem Landesamt für Denkmalpflege, dem Bezirk Oberbayern, dem Landkreis und der Gemeinde. Der OSV hat ebenfalls einen erheblichen Anteil durch Spenden beigesteuert. Mit 200 000 Euro Gesamtkosten rechnet Scriba. Die ursprüngliche Eingangstür müsse noch restauriert, das Kirchlein von außen gestrichen werden. Außerdem fehlen noch Möbel und Leuchter. Ein großer Wunsch der OSV-Vorsitzenden wäre eine Glocke für den Turm. Tanja Lühr

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