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Seniorenwohnstift am Starnberger See: Rathauschef fordert Kritiker auf, „endlich ehrlich zu sein“

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Von: Carl-Christian Eick

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Seniorenstift Ambach
So soll es aussehen, das neue Seniorenstift im Münsinger Ortsteil Ambach. © Visualisierung Matteo Thun

Das in Ambach am Starnberger See geplante Seniorenwohnstift sorgt weiter für Schlagzeilen. Nun meldet sich Bürgermeister Michael Grasl erneut zu Wort.

Münsing – Der Graben zwischen der Gemeinde und den Initiatoren des Bürgerbegehrens „Seniorenanlage in Ambach kleiner planen“ ist tief. Nach den jüngsten Aussagen von Anatol Regnier, der der Gemeinde einen „Schachzug“ unterstellt, mit dem das Bürgerbegehren „ausgehebelt“ worden sei, stellt Münsings Rathauschef Michael Grasl die Frage in den Raum: „Warum sagen die Gegner des Seniorenstifts nicht schlicht und einfach, dass sie das Projekt nicht wollen?“

Einmal ist es die Größe, dann ist es die Hanglage, dann sind es die Bewohner, die hier angeblich in Isolation leben werden. Oder es ist die ,Verunstaltung des Seeufers‘ – trotz Wettbewerb und Beauftragung eines der renommiertesten Architekturbüros –, die Einschränkungen einer Baustelle oder der Wasserverbrauch bis hin zur Gewerbesteuer.

Bürgermeister Michael Grasl

Ziel des Bürgerbegehrens war, dass das geplante Seniorenwohnstift in Ambach nicht größer ausfällt als die ehemalige Wiedemann-Klinik auf dem Grundstück. Regnier und seine Mitstreiter beriefen sich bei der Angabe von 3918 Quadratmetern auf die Homepage der Gemeinde. Die hatte allerdings durch eine Neuvermessung des Areals feststellen lassen: Die Klinik-Gebäude nahmen mehr Fläche in Anspruch, nämlich 5060 Quadratmeter. Diese Zahl übernahm der Gemeinderat bei seinem Beschluss in puncto Seniorenstift einstimmig. Bürgermeister Grasl betonte mehrfach: Die Bebauung durch das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) werde nicht größer als die der bestehenden Gebäude, die Obergrenze betrage genau 4785 Quadratmeter.

Seniorenwohnstift: Rathauschef weist auf Vorteile für die Gemeinde hin

Regnier hat weiterhin Bedenken. Zuletzt wies er auf die Hanglage des Grundstücks hin, die den Bewohnern des Seniorenstifts („viele vermutlich mit Gehwagen“) das Leben schwer machen würde. Bürgermeister Grasl wundert sich: „Einmal ist es die Größe, dann ist es die Hanglage, dann sind es die Bewohner, die hier angeblich in Isolation leben werden. Oder es ist die ,Verunstaltung des Seeufers‘ – trotz Wettbewerb und Beauftragung eines der renommiertesten Architekturbüros –, die Einschränkungen einer Baustelle oder der Wasserverbrauch bis hin zur Gewerbesteuer.“

Für ihn sei es „interessant“, so der Bürgermeister in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung: „Bei Wiedemann war es anscheinend kein Problem für die meist älteren Gäste, über den weitläufigen Hang und sogar über die Seestraße zum Badegrundstück zu gelangen.“ Die Chance, dass „die Bewohner rüstig in das Wohnstift einziehen und auch ein Recht darauf haben, Cafés und Gaststätten zu besuchen, Kultur und Sport zu erleben und sich vielleicht sogar mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung aktiv in ein Dorf einzubringen, scheint weiterhin völlig unterzugehen“, stellt Grasl fest.

Planung nach Meinung des Bürgermeisters „hochwertig“

Der Bürgermeister fordert von den Kritikern des Vorhabens „nach fast fünf Jahren Diskussion endlich ehrlich zu sein und zu sagen, dass man das Seniorenwohnstift eigentlich verhindern will“. Auch wenn die Dimension der KWA-Senioreneinrichtung kleiner ausfallen würde: „Die Hanglage wäre immer noch vorhanden.“ Grasl: „Dann würde vielleicht das Schwimmbad oder die Tagespflege für die Öffentlichkeit wegfallen, weil auch ein Vorhabenträger wirtschaftlich rechnen und Rechenschaft ablegen muss. Will man das wirklich?“

Er habe den Eindruck, so der Rathauschef, dass die potenziellen Vorteile für die Gemeinde (Stichworte Handwerk, Dienstleistung, Arbeitsplätze und Gastronomie) „weiterhin genauso ausgeblendet werden wie der ehemals florierende Betrieb mit Hanglage und einer über den Bestand hinausgehenden Vollauslastung mit Zimmern in Holzhausen und Umgebung.“ Grasls Fazit: „Anstatt nach Gesprächen sucht man nach Problemen.“ Er betont, dass künftig „jeder Betreuungs- und Pflegeplatz für Senioren dringend gebraucht wird“. Der Rathauschef legt Wert auf die Feststellung: „Ein Bebauungsplan muss in die Zukunft gerichtet sein und darf auch Entwicklung ermöglichen.“ Den Planungen der KWA bescheinigt der Bürgermeister „was Gestaltung, Architektur und Außenanlagen angeht, hochwertig“ zu sein. (cce)

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