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80 Apartments für Senioren: Der Entwurf des Stararchitekten Matteo Thun, der zwischenzeitlich leicht abgeändert wurde, geht jetzt ins Verfahren. 

Entwurf geht ins Verfahren

Seniorenwohnstift in Ambach: Entscheidene Hürde ist genommen

Das geplante Seniorenwohnstift in Ambach ist wieder einen Schritt weiter. Der Planungsentwurf für 80 Senioren-Apartments geht ins Verfahren.

Münsing  Am Dienstagabend beschloss der Gemeinderat die Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) und gleichzeitig die erste öffentliche Auslegung des Bebauungsplans für das Großprojekt des Unterhachinger Unternehmens „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA). Die Diskussion verlief auch diesmal nicht ohne Störfeuer.

Das rund 13 000 Quadratmeter große Grundstück westlich des Simetsbergwegs heißt nun im FNP „Sondergebiet Seniorenwohnen“ statt wie bisher „Sondergebiet Kursanatorium“. Einbezogen in den FNP und den Bebauungsplan ist das rund 3000 Quadratmeter große benachbarte Grundstück, auf dem das Haus „Riviera I“, Teil des ehemaligen Wiedemann-Kursanatoriums, steht. Sebastian Wiedemann möchte es abreißen und an der Stelle zwei Wohnhäuser errichten.

Anwohner wollen auf ihren Wiesen bauen

Letzteres missfällt Thomas Schurz (CSU) und Tobias Eckart (Freie Wähler), die beide gegen den neuen FNP stimmten. Zur Sitzung waren einige Anwohner des Simetsbergwegs gekommen, die gerne in die FNP-Änderung mit aufgenommen worden wären, um auf ihren Wiesen ebenfalls bauen zu können. „Die fühlen sich total vor den Bug geschossen“, setzte sich Schurz für sie ein. Eckart sagte, er sei wie Schurz für die Seniorenwohnanlage, aber gegen das Baurecht für einen einzelnen Nachbarn. Bauamtsleiter Stephan Lanzinger erklärte, dass es sich im Fall „Riviera“ um ein bestehendes Gebäude handle, das sonst nur verfalle. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) ergänzte: Dadurch, dass es in die Pläne integriert sei, habe die Gemeinde das größtmögliche Mitspracherecht bei der Gestaltung der Häuser.

Grundsätzlich gegen die KWA-Anlage sprach sich erneut Professor Dr. Matthias Richter-Turtur (Grüne) aus. Die 80 Apartments mit Restaurant, Schwimmbad und anderen Gemeinschaftsräumen seien für ihn ein „Fremdkörper“ im beschaulichen Ambach und für diesen „Fremdkörper“ ebne die Gemeinde nun den Weg. Senioren sollten zentral wohnen und nicht isoliert – das sei gerade in Corona-Zeiten wieder deutlich geworden, sagte Richter-Turtur. Der Mediziner befürchtet zudem einen „Verkehrs-Thrombus“ auf den Zufahrtswegen. Schließlich warf er Rathauschef Grasl vor, er habe dem Gemeinderat das Projekt von Anfang an „untergeschoben“ – eine Behauptung, die sich der Bürgermeister entschieden verbat.

Verkehr muss verträglich geregelt werden

Christine Mair (Grüne) betonte, keine Gegnerin, sondern eine Kritikerin des Vorhabens zu sein. Sie hätte sich vor dem Auslegungsbeschluss die genauen Eckdaten des mit KWA zu schließenden Durchführungsvertrags gewünscht. Ihr sei unter anderem wichtig, dass eine Tagespflege für Münsinger Bürger eingerichtet werde, dass die Apartments nicht in Eigentumswohnungen umgewandelt werden können und der Verkehr verträglich geregelt werde. Rechtsanwalt Dr. Gerhard Spieß, der die Gemeinde in Sachen KWA berät, erinnerte daran, dass diese Eckdaten in nicht öffentlicher Sitzung bekannt gegeben worden seien. Jetzt schon einen fertigen Vertrag parat zu haben, wäre „zur Unzeit“.

Auf den Vorwurf von Richter-Turtur, der Ostuferschutzverband (OSV) setze sich nicht für den Erhalt der Landschaft ein, entgegnete Ursula Scriba (Bürgerliste), Vorsitzende des OSV, der Verband habe sich gegen den ersten Entwurf mit 90 Wohnungen gewehrt. Jetzt sei ein abgespeckter Entwurf eines internationalen Stararchitekten (Matteo Thun) aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen, den alle Seiten akzeptieren könnten. Scriba: „Ich habe mit vielen Einheimischen gesprochen. Die sind mit der Planung versöhnt.“

Tanja Lühr

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