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Dem Verfall preisgegeben: Seit gut 20 Jahren rottet die Villa Max vor sich hin. Die Eigentümerin will sie abreißen - darf aber mit Rücksicht auf den Denkmalstatus nicht.  

Deutschlandweites Interesse für die Villa Max am Seeufer

Spiegel-Artikel würdigt Gabriel von Max - und kritisiert den Zustand der Villa

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Kürzlich hat das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Gabriel von Max einen Artikel gewidmet. Darin wird auch der erbärmliche Zustand seiner Villa thematisiert. 

Münsing – Seit mehr als 20 Jahren verfällt die Villa Max am Starnberger See, zum Entsetzen der Denkmalschützer und der Behörden. Kommt es jetzt zum Showdown? Den Eindruck kann man gewinnen, wenn man den Artikel liest, den das Hamburger Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ in der Ausgabe vom 8. Juni veröffentlicht hat. Ministerpräsident Markus Söder habe von der Eigentümerin einen Brief erhalten, die Antwort stehe noch aus, heißt es da. Und dass eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

Zunächst ist es bemerkenswert, dass das Magazin Gabriel von Max einmal ausführlich würdigt, und zwar weniger den zu seiner Zeit berühmten Maler, sondern den Sammler naturwissenschaftlicher Objekte. Was kaum jemand weiß: Max hortete fast manisch Bronzen, Masken, Tierskelette, Mumien und Alltagsgegenstände alter Kultur. Besucher standen in seinem Haus vor Vitrinen mit Schädeln und Mumien, darunter eine Inka-Frau mit Kindern. Um sich um diese Sammlung kümmern zu können, gab Max sogar die Professur an der Münchner Kunstakademie auf. Ansonsten war er in der Villa ständig von Affen umgeben, die er für das Original der Evolution hielt – und den Menschen für die Kopie.

Der Artikel beschreibt den Naturforscher Gabriel von Max

Der Autor des Spiegel-Artikels, Guido Kleinhubbert, verschweigt nicht den „erbärmlichen Zustand“ der Villa, die die Eigentümerin im Jahr 1996 erworben hat – und die sie seit seither vernachlässigt. Er erwähnt, anknüpfend an einen Bericht in unserer Zeitung, den Brief an Ministerpräsident Söder, in dem sie um Unterstützung für ihren Abbruchplan bittet. Außerdem berichtet der Autor, dass sich der Streit zwischen der Eigentümerin und den Behörden „in den nächsten Wochen“ entscheiden wird.

Lesen Sie auch: Brief an Söder beunruhigt Denkmalschützer

Ist dem so? Nun, auf ein Machtwort des Ministerpräsidenten hofft die Besitzerin nach Recherchen unserer Zeitung vergeblich. „Ja, wir haben einen Brief erhalten, und er ist auch bearbeitet worden“ bestätigt ein Sprecher der Staatskanzlei. Das heißt: Er wurde ins zuständige Ministerium für Wissenschaft und Kunst weitergeleitet. Dort beruft man sich auf die fachliche Auffassung des Landesamts für Denkmalpflege, wonach es sich bei der Villa Max um ein Denkmal handelt, das im Sinne der Allgemeinheit zu erhalten ist. Geantwortet man der Eigentümerin noch nicht, mit Rücksicht auf das laufende Gerichtsverfahren.

Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest

Womit wir beim zweiten Schauplatz der Auseinandersetzung wären, dem Münchner Verwaltungsgericht. Der Sprecher des Gerichts, Martin Friedrich, widerspricht der Behauptung des Hamburger Magazins. „Ein Termin zur mündlichen Verhandlung ist noch nicht angesetzt, sodass keinesfalls davon gesprochen werden kann, dass eine Entscheidung kurz bevorsteht.“ Zur Klarstellung erklärt er noch einmal, worum es geht: „Die Klägerin begehrt die Feststellung, dass es sich bei der Villa Max in Münsing nicht um ein Denkmal im Sinne des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes handelt. Hilfsweise für den Fall, dass es sich um ein Denkmal handeln sollte, begehrt sie eine Abbrucherlaubnis für das Gebäude, weil deren Erhalt ihr wirtschaftlich nicht zumutbar sei.“ Wann diese Frage entschieden wird, steht in den Sternen. Und selbst, wenn ein Urteil fällt – das Verwaltungsgericht ist nicht die letzte Instanz.

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Ursula Scriba vom Ostuferschutzverband, der sich von Anfang an für den Erhalt der Villa stark gemacht hat, hofft nach wie vor auf ein gutes Ende. Es könnte darin bestehen, dass die Eigentümerin die Villa, mit der die Dame offenbar nichts anfangen kann, doch noch veräußert. „Ich kenne einige Interessenten, die sie sofort kaufen würden und tipptopp sanieren würden“, erklärt sie.

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