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Münsing: Startschuss für Bau von zwei Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen

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Eine Freiflächen-Photovoltaikanlage im Oberland.
Grüne Energie: Auch in Münsing sind zwei Anlagen geplant. © sh

Solarparks schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden: In Münsing hat der Gemeinderat jetzt den Weg für zwei Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen geebnet.

Münsing – Nach längerer Diskussion und trotz der vorab geäußerten Bedenken des Ostuferschutzverbands (OSV) hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag den Startschuss für den Bau von zwei Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen gegeben. Die eine mit 2,7 Hektar Fläche soll gegenüber der Autobahnausfahrt der A95 entstehen, die andere mit 5 Hektar Fläche in der Nähe der Firma Agrobs in Degerndorf.

In Münsing will die Firma Actensys Module eine Anlage mit 2,5 Megawatt Leistung errichten, in Degerndorf plant das Starnberger Unternehmen Greenvest Solar einen Park mit 4,8 Megawatt Leistung für die Agrobs-Inhaberfamilie Berger. In keinem der beiden Fälle ist ein Bürgerbeteiligungs-Modell vorgesehen, was sowohl der OSV als auch einige Gemeinderäte kritisieren.

Beteiligungsmöglichkeit für Bürger ist beschlossene Sache

Der OSV hätte mit der Aufstellung der Bebauungspläne für beide Vorhaben gerne gewartet und vorab die Gesamtsituation in der Gemeinde ausgelotet. Es könnte weitere Investoren und geeignetere Standorte geben, so seine Argumentation. Auch Christine Mair von den Grünen fehlten wichtige Informationen, etwa zur Art der Hecke, die in Münsing als Sichtschutz rund um die Anlage gepflanzt werden soll. Sie ist als benachbarte Grundstückseigentümerin direkt betroffen. Mair erinnerte daran, dass der Gemeinderat eine Beteiligungsmöglichkeit für die Bürger im Juli mehrheitlich beschlossen habe.

Christine Mair und ihr Fraktionskollege Prof. Matthias Richter-Turtur äußerten bei dem Projekt in Degerndorf die Sorge, die Firma Agrobs könnte die entstehende Baulücke zwischen der Anlage und den Betriebsgebäuden für eine Betriebserweiterung nutzen. Christian Ufer vom Büro Terrabiota, das die Gemeinde in der Sache berät, erklärte, eine Baulücke im rechtlichen Sinn entstehe nicht. Mairs Wunsch, im Bebauungsplan durch die Ausweisung von Grünflächen weitere Hallen auf dem Agrobs-Grundstück zu verhindern, ist laut Bauamtsleiter Stephan Lanzinger nicht zulässig: „Wir dürfen die Themen nicht vermischen.“

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Die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Freiflächen-PV-Anlage an der Münsinger Hauptstraße wurde mit 11:3 Stimmen beschlossen. Außer den beiden Grünen stimmte Thomas Schurz von der CSU dagegen, weil er die Fläche lieber für ein weiteres Gewerbegebiet reserviert gesehen hätte. Gegen den Plan für Degerndorf stimmten fünf Ratsmitglieder. Tobias Eckart (Freie Wähler) hält den Standort am Spazierweg zwischen Münsing und Attenkam nicht für ideal. „Ich möchte nicht, dass künftig jeder Betrieb eine Photovoltaik-Anlage mitten in die Landschaft setzt. Irgendwann haben wir einen Flickenteppich“, sagte er.

Es ist Zeit, beim Ausbau der erneuerbaren Energien aufs Gas zu drücken.

Gemeinderätin Anja Ruhdorfer (Grüne, parteifrei)

Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland), Gründungsmitglied der Energiewende Münsing, befürwortete beide Standorte. Sie seien „relativ harmlos“. Es würden sicher noch Anfragen für weniger geeignete Grundstücke folgen. Anja Ruhdorfer (Grüne, parteifrei) hatte sich vor der Sitzung, an der sie nicht teilnehmen konnte, schriftlich für die beiden Vorhaben ausgesprochen. Die Gemeinde habe Leitlinien für den Bau von Freiflächen-PV-Anlagen erarbeitet, die alle wichtigen Aspekte berücksichtigten. Dem OSV mit seiner Forderung nach einer stärkeren Einbeziehung der Bürger entgegnete sie: „Es ist Zeit, beim Ausbau der erneuerbaren Energien aufs Gas zu drücken.“ Sie empfiehlt dem OSV, eine Genossenschaft zu gründen und selbst eine PV-Anlage zu beantragen – mit allen Risiken eines Investors.

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Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) erinnerte daran, dass jeder Gemeinderat, jeder Verband und jeder Bürger sich im nun folgenden Bebauungsplanverfahren mit seinen zwei Auslegungen detailliert einbringen könne. Die Beschlüsse vom Dienstag stellten für ihn ein „wichtiges Signal für die Energiewende“ dar, sagte Grasl.

tal

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