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Würdigten einen ganz Großen seiner Zunft: Tina-Nicole Kaiser und Jürgen Wegscheider.

Hommage an das Rüsseltier

Szenische Lesung für Joachim Ringelnatz im Freiraum

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Münsing – Zu Schulzeiten kannte man Joachim Ringelnatz "den Nasenkönig". Zu seinen Ehren gab es im Münsinger Freiraum nun eine szenische Lesung.

Seine lange Nase und sein zackiges Profil reizten zur Karikatur, das wusste Joachim Ringelnatz selbst am besten. Darunter litt er, dadurch kam er zu Ruhm. Zu Schulzeiten nannte man ihn „den Nasenkönig“ oder „das Rüsseltier“. Er nahm es in der Öffentlichkeit mit Humor – im Stillen konnte er manchmal verzweifeln.

Herrlich skurril, wunderbar amüsant, aber auch zum Teil sehr nachdenklich schilderten die Münchner Theaterschauspieler Tina-Nicole Kaiser und Jürgen Wegscheider in einer szenischen Lesung mit ausdrucksstarkem Rollenspiel das kurvenreiche und mitunter tragische Leben des großen deutschen Dichters, Kabarettisten und Malers. Gespickt mit trockener Lyrik und herrlichen Wortspielereien unter dem Titel „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, brachten die beiden Bühnenkünstler Joachim Ringelnatz als einfachen Menschen, als lange Zeit verkannten Künstler und Tausendsassa dem Publikum näher. Es war ein Abend voller wunderbarer Ringelnatz-Weisheiten, zum Lachen und zum Weinen, im gut besuchten Münsinger Freiraum.

Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934), der mit bürgerlichem Namen Hans Gustav Bötticher hieß, war ein Seemann, ein Schlangenbändiger und Zigarrenverkäufer. „Sein Leben war hart und bitter einfach, aber reich an seltenen Bildern“, zeichneten Kaiser und Wegscheider dessen Werdegang nach. Er selbst kurbelte „am großen Weltgetriebe“ und erlebte „Ergreifendes und Anregendes“. Sein unüberwindlicher Wandertrieb führte den Künstler als Seemann durch 22 außerdeutsche Länder bis nach Südamerika und Afrika. Er war ein „Heimatloser“ – so der Titel eines Verses – der seine Ideologie in Meerschweinchen-Sehnsüchten verpackte. „Sah mich bange an. Sah mich lange an. Sann wohl hin und sann her. Wagte sich dann heran. Und fragte mich: Wo ist das Meer?“ Erst spät kam der Durchbruch mit seinen humoristischen Gedichten um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu.

Trotz dieses Erfolgs kämpfte der Künstler stets ums Überleben, in einer von Hungersnot geprägten entbehrungsreichen Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs. Er lernte 1909 in München im Künstlerlokal „Simpl“ die Boheme kennen. Seine Weggefährten waren Frank Wedekind, Hermann Hesse, Erich Mühsam und andere. Erst hier begann seine literarische Karriere.

Für seine groteske und anarchistische Unsinn-Poesie über das Alltägliche wurde Ringelnatz bekannt. Sein Interesse galt nicht der Politik, eher dichtete er sich seine Vorstellungen zusammen, etwa was „der männliche Briefmark erlebte“ und philosophierte über die Sinnhaftigkeit von Pflastersteinen. „(…) Jedoch den Menschen fiel’s nicht ein, mit ihm sich zu befassen, denn Pflasterstein bleibt Pflasterstein. Und muss sich treten lassen.“ Seine Texte wirken banal und sind doch tiefgründig. 1933 verbrannten die Nazis seine Bücher und verboten ihm Auftritte als Kabarettist. 1934 verstarb Ringelnatz verarmt in seiner Wohnung in Berlin an Tuberkulose. Tina-Nicole Kaiser und Jürgen Wegscheider haben all ihr schauspielerisches Feingefühl eingesetzt, um den großen Dichter mit der langen Nase einen Abend zurückkehren zu lassen.

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