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Überglückliche Vize-Weltmeister: Das „Team Wasti-Germania 2“ mit Kunstschmied Tom Carstens (4. v. li.)

Titelkämpfe in Italien

Tom Carstens ist Vize-Weltmeister im Kunstschmieden

Metallgestalter Tom Carstens aus Degerndorf und sein Team holen bei der Kunstschmiede-Biennale in der Toskana WM-Platz zwei.

Degerndorf/Stia – Der Degerndorfer Metallgestalter Tom Carstens ist mit seinem Team Vize-Weltmeister bei der Schmiede-Biennale im italienischen Stia geworden. Schon zweimal nahm der 46-Jährige zuvor erfolgreich an dem Wettbewerb teil. 2007 wurde er Dritter, 2009 Zweiter. Diesmal reiste Carstens zusammen mit Hans und Leon Lippert aus Straßlach, Alfred und Eric Bullermann aus Niedersachsen sowie Florian Upmann zu Ehren seines verstorbenen, früheren Teamkollegen Walter Still als „Team Wasti – Germania 2“ an.

Stia ist ein kleines Dorf in der Provinz Arezzo in der Toskana. Seit 2003 richtet es alle zwei Jahre den Wettbewerb für gestaltende Schmiede aus. 120 Mannschaften, bestehend aus insgesamt 480 Berufsvertretern, kämpften heuer um den WM-Titel. Das Motto lautete „Leonardo da Vinci“. 2019 jährt sich der Todestag des Künstlers zum 500. Mal. Zwei Wochen vor dem Wettkampf wurde die diesjährige Aufgabe bekannt gegeben.

Das Skizzenbuch des Leonardo da Vinci, mit dem Tom Carstens und sein Team Vize-Weltmeister bei der Schmiede-Biennale im italienischen Stia wurden, verblieb am Austragungsort und ist im dortigen Museum ausgestellt.

„Weil wir so weit entfernt voneinander wohnen und jeder ja seine Arbeit hat, haben wir uns per WhatsApp ausgetauscht, wie wir das Universalgenie am besten darstellen könnten“, erzählt Carstens. Herausgekommen sei dabei die Idee, das Skizzenbuch des Malers, Bildhauers und Architekten aus Eisen zu fertigen. Vorne der Titel auf Italienisch: „Die unverwirklichten Arbeiten des Leonardo da Vinci“, daneben eine eingehängte filigrane Feder. Klappt man das rund acht Kilo schwere und rund 30 Zentimeter große Buch auf, ist ein Spiegel eingearbeitet, in dem der Himmel erscheint. Darüber steht „Der Traum vom Fliegen“, den da Vinci zeitlebens hegte. „Wir haben absichtlich einen Fehler in den Text eingebaut. Das war Vincis Markenzeichen, damit man ihn nicht so leicht kopieren konnte“, sagt Tom Carstens.

Drei Stunden hätten sie Zeit gehabt für ihr Werk. Seite an Seite seien sie mit neun anderen Teams gleichzeitig zu Gange gewesen. „Es war heiß in der Halle von den zehn Feuern und dem warmen Septembertag. Die Hämmer flogen auf die Ambosse, und der Schweiß floss“, erzählt der Kunstschmied mit Begeisterung in der Stimme. Geübt habe die Formation „Germania 2“ vorher nicht. Erst am Abend vor dem Wettkampf habe man in einer Trattoria das Vorgehen besprochen.

Seit 2008 lebt und arbeitet der im Rheingau geborene und in Wolfratshausen aufgewachsene Tom Carstens zusammen mit seiner Frau Franziska auf dem Buzmohof in Degerndorf. Er hat sich mit der eigenen Werkstatt einen Kindheitswunsch erfüllt. Als Bub habe er die Geschichten über Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren geliebt, berichtet er. Als einmal ein Hufschmied darin aufgetaucht sei, habe ihn dieser Beruf sofort fasziniert. Carstens entschied sich für eine Ausbildung, wurde staatlich anerkannter Hufschmied und Kunstschmied. Mit 25 Jahren bereiste er Europa, die USA und Asien.

Der Degerndorfer repariert Gebrauchsgegenstände, gestaltet Schmuckstücke und Dekorationsobjekte, fertigt Skulpturen und Grabschmuck, macht Zäune, Balkongitter und Gartentore. Seine Schmiede ist zudem ein Ort der Begegnung. Hier kommen Menschen zusammen, die wie er vom Werkstoff Metall fasziniert sind. Kindergärten und Schulen sind Tom und Franziska Carstens willkommen, es gibt Seminare für Vereine und Firmen.

Weil er ein geselliger Mensch ist, gefällt Carstens auch die Atmosphäre in Stia so gut: „Hier sitzen Metallgestalter aus aller Herren Länder, die man sonst nicht an einen Tisch bringen würde, abends bei einer Flasche Wein zusammen. Das ist ein völlig vorurteilsfreies Miteinander.“ Bis aus der Ukraine, den USA und Israel seien die Frauen und Männer angereist. Sieger wurde 2019 ein Team aus Tschechien mit einem Segelboot. Den Traum vom ersten Platz hat Tom Carstens noch nicht aufgegeben. In zwei Jahren fliegen in Stia wieder die Hämmer.

tal

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