Hanns-Werner Hey (Mi.), Münsings Rathauschef Michael Grasl (li.) und Landrat Josef Niedermaier.
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Hohe Ehre: Hanns-Werner Hey (Mi.) mit Münsings Rathauschef Michael Grasl (li.) und Landrat Josef Niedermaier.

„Ich wollte etwas zurückgeben“

Hilfe für Kirgistan: Hanns Werner Hey erhält die Verdienstmedaille der Bundesrepublik

Kirgistan ist einer der ärmsten Staaten in Zentralasien. Seit 16 Jahren engagiert sich dort der Münsinger Hanns Werner Hey. Dafür ist er jetzt geehrt worden.

Münsing – Dr. Hanns Werner Hey aus Münsing ist von Landrat Josef Niedermaier mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland für seinen langjährigen Einsatz ausgezeichnet worden. Seit 16 Jahren engagiert sich der Zahnarzt im Ruhestand ehrenamtlich in armen Ländern der Welt, insbesondere in Kirgistan.

„Dass mein Engagement hierzulande anerkannt wird, freut mich natürlich unglaublich“, sagt Hey. 1939 in Kulmbach geboren, studierte er nach dem Abitur Zahnmedizin. 1971 eröffnete er eine Zahnarztpraxis in München, die er vier Jahrzehnte lang führte. Als Rentner hätte er die Hände in den Schoß legen können, seine Freizeit daheim im schönen Ammerland mit Spazierengehen, Schwimmen im Starnberger See, gutem Essen, Kunst und anderen Dingen verbringen können. Aber er sagt: „Ich wollte etwas zurückgeben für das, was uns unser Land geboten hat. Jeder, der sich in der Welt umgesehen hat, weiß, dass uns die Menschen so vieler anderer Länder um unsere sozialen Sicherungssysteme beneiden“.

Impression aus Kirgistan: Die Landschaft mit den typischen Jurten ist karg, aber reizvoll.

So reiste Hey gemeinsam mit seiner Ehefrau Karla 2005 zum ersten Mal nach Ladakh im Norden Indiens, wo für eine neue zahnärztliche Behandlungsstation Ärzte gesucht wurden. Es folgten weitere Einsätze in Äthiopien für Karlheinz Böhms Organisation „Menschen für Menschen“. 2006 baute das Ehepaar Hey mit Unterstützung des Wolfratshauser Bauunternehmers Reinhold Krämmel und unter dem Dach der Bayerischen Ostgesellschaft die Kirgistan-Hilfe auf. Krämmel war damals Honorarkonsul des benachbarten Kasachstan; heute ist er Honorarkonsul des ehemaligen Sowjet-Staats Kirgistan.

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Die Kirgistan-Hilfe brachte eine große Anzahl medizinischer Geräte zur Basisdiagnostik wie EKG, Sonografie oder Röntgen, medizinische Instrumente, Einmalartikel, Krankenhausbetten, Rollstühle, Gehhilfen sowie 16 komplette zahnmedizinische Behandlungsplätze in das Land an der Seidenstraße. Dazu an die 2000 Umzugskartons mit warmer Kleidung und Schuhwerk. Während das medizinische Equipment in verschiedene Krankenhäuser des Landes, vor allem das der Uran-verstrahlten Stadt Mayluu-Suu, gebracht wurde, verteilten die Heys und andere Ehrenamtliche die Kleidung und diverse Hilfsmittel in den Plattenbauten der Hauptstadt Bischkek und an bedürftige Familien im zentralen Hochland.

Die Kirgistanhilfe von Hanns Werner Hey brachte viel medizinisches Equipment ins Land. Davon profitierten die Menschen sehr.

Seit 2011 wird zudem die kirgisische Frauenorganisation SEZIM mit dem Unterhalt eines Frauenschutzhauses namens NUR („Licht der Hoffnung“) – dem einzigen des Landes – von der oberbayerischen Organisation unterstützt. 2020 konnte die Kirgistan-Hilfe ein Gebäude kaufen und somit das NUR-Projekt sichern – ein absolutes Herzensanliegen der Heys. Sie haben rund 100 000 Euro an Spenden dafür gesammelt. In dem Haus finden von ihren Männern bedrohte Frauen mit ihren Kindern für ein halbes Jahr Unterschlupf und erhalten psychologische und juristische Hilfe. Diese Frauen haben dann noch die Möglichkeit, sich mit einem zinslosen Kleinkredit eine eigene Existenz aufzubauen.

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In einem dritten Projekt greift die Kirgistan-Hilfe verarmten alten Menschen mit einer Minirente von 20 bis 50 Euro im Monat unter die Arme. „Mit einer Spende von 20 Euro monatlich können wir von hier aus tatsächlich dazu beitragen, einen Menschen am Leben zu halten“, appelliert Hey an seine Mitbürger in Deutschland.

Der Ammerlander hat seine Erfahrungen aus 15 Jahren medizinischer und humanitärer Hilfe in zahlreichen Filmen sowie in dem 2020 erschienenen Buch „Vom Wälzen schwerer Steine“ zusammengefasst. Darin spart er die enormen Probleme bei den Hilfseinsätzen nicht aus: Korruption, Zollschikanen, Behördenwillkür, fehlende Unterstützung durch die Regierung. Er schreibt aber auch von der Begegnung mit eindrucksvollen Menschen, starken Frauen und der grandiosen Hochgebirgslandschaft Kirgistans.

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Zusammenfassend sagt der 82-Jährige: „Die Probleme verlieren ihr Gewicht durch das Glück, Menschen zu treffen, die vor Problemen nicht kapitulieren und scheinbar unüberwindliche Hindernisse überwinden.“ Aus Altersgründen haben sich Hanns Werner Hey und seine Frau Karla (78) heuer aus der aktiven Hilfe zurückgezogen; sie wollen aber weiterhin unterstützend tätig bleiben. Tanja Lühr

Info
Weitere Infos finden sich im Internet unter www.kirgistan-hilfe.de. Hanns-Werner Heys Autobiografie „Vom Wälzen schwerer Steine“ hat die Neopubli GmbH herausgegeben. Der Preis für das Taschenbuch beträgt circa 15 Euro.

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