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Groß war das Interesse bei der Buchvorstellung von „Die Münchner Künstlerfamilie Max – Feldpostbriefe 1914 bis 1918“. Verena von Kerssenbrock las aus den Zeitdokumenten vor.  

Buchvorstellung im alten Schulhaus in Holzhausen

Feldpostbriefe und Tagebucheinträge

Verena von Kerssenbrock hat die Feldpostbriefe und Tagebucheinträge ihrer Vorfahren in einem Buch gesammelt. Das stellte sie der Öffentlichkeit im alten Schulhaus in Holzhausen vor.

Holzhausen – Während Colombo Max im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Westfront kämpft, wartet seine Frau Paula mit Sohn Thomas im beschaulichen Ammerland, in dem noch heute als Villa Max bekannten Landhaus direkt am Seeufer, auf ihn. Vier Jahre lang korrespondiert das Ehepaar via Feldpost.

Die handschriftlichen Briefe und Postkarten Colombos und seines beim Landsturm verpflichteten Bruders Corneille sowie Tagebucheinträge Paulas hat die Urenkelin von Colombo Max, Verena Kerssenbrock, transkribiert und in einem 500 Seiten dicken Buch zusammengefasst. Das mit zahlreichen Skizzen und Gemälden illustrierte Werk „Die Münchner Künstlerfamilie Max – Feldpostbriefe 1914 bis 1918“ stellte sie am Mittwochabend im alten Schulhaus in Holzhausen vor.

Sein Pferd tauft der Maler „Paula“

„Wir gingen zum Gasthaus vor. Dort war die Ankündigung zur Mobilmachung angeschlagen. Man glaubt zu träumen: Hier diese Ruhe und draußen soll Krieg werden?“, notiert Paula am 5. August 1914 in ihrem Tagebuch. Sie habe sich so auf den Sommer in Ammerland gefreut. Ihr Mann, von ihr „Colomb“ genannt, wartet erst in München und dann in Ingolstadt auf seinen Einsatz. Am 4. November schreibt er seiner Frau: „Es geht Richtung Frankreich“. Es folgen schlimme Nachrichten, von „vielen Toten an den Straßenrändern“, von „Europa, dem großen Schlachthaus der Welt“, von „Totenkreuzen, die wie Blumen in den Himmel wachsen“ und davon, wie Colombo und seine Kameraden in ihrer Not eine Lebensmittelfabrik plündern. Sein Pferd tauft der Grafiker und Maler in einer sentimentalen Anwandlung „Paula“. Schon nach wenigen Monaten erklärt er, „kriegsmüde“ zu sein. Seinen Briefen legt er detailreiche und oft grausame Zeichnungen vom Krieg bei. Auf einer stellt er diesen als Menschen verschlingendes Monster dar.

Atelier an der Paul-Heyse-Straße in München

Der jüngere Sohn des Historienmalers Gabriel von Max (1840-1915) ist kein guter Soldat. Er schäme sich für die Menschheit, schreibt er, das Gemetzel und Kriegsgetöse verurteilend. Als sein Vater stirbt, treibt ihn zudem die Sorge um dessen künstlerische Hinterlassenschaft um. Die beiden hatten sich ein Atelier in der Münchner Paul-Heyse-Straße geteilt.

Paula kämpft derweil gegen Hunger, Scharlach und die Spanische Grippe. Sie berichtet noch anschaulich von der Revolution in der Landeshauptstadt, bis Colombo endlich im November 1918 zurückkehrt. Ab da verfolgt die Musiktheaterregisseurin Kerssenbrock die Familienereignisse in den Archiven weiter.

Paula stirbt 1935, Sohn Thomas wird im April 1945 als Kämpfer der Freiheitsaktion Bayern ermordet. Colombo arbeitet bis ins hohe Alter von 93 Jahren. „Für mich sind das wahnsinnig spannende Zeitdokumente“, sagt die Urenkelin während der Lesung über die mehr als 1000 Feldpostbriefe. Sie sei dankbar, dass der Münchner Scaneg Verlag sie fast ungekürzt veröffentlicht habe.

Erbitterter Streit um die Villa Max

Das Buch für 38 Euro verkaufte sich gut an dem Abend. In der Pause wurde auch über die 1871 errichtete Villa Max geredet. Um deren Erhalt oder Abriss besteht seit Anfang der 1990er Jahre ein erbitterter Streit zwischen der Eigentümerin, den Denkmalschutzbehörden und Interessengruppen wie dem Ostuferschutzverband. Im März 2011 stellte die Eigentümerin einen Abbruchantrag, der im Januar 2012 vom Landratsamt unter Verweis auf die wirtschaftliche Zumutbarkeit einer Sanierung abgelehnt wurde. Seitdem verfällt das geschichtsträchtige Haus zusehends.

Tanja Lühr

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