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Auch vor Münsing macht das Coronavirus nicht Halt. Wie es den Alltag verändert, dokumentiert Fritz Wagner in seinem täglichen Blog. 

Münsing in Zeiten der Krise

Verleger Fritz Wagner betreibt einen Corona-Blog

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Die Corona-Krise ist für Fritz Wagner etwas Historisches. Deshalb betreibt der Verleger seit 13. März einen Blog, der immer mehr Service-Charakter annimmt. 

Fritz Wagner, Verleger aus Münsing

Münsing – Dass etwas Großes, wenn nicht Historisches passiert, wurde Fritz Wagner (67) aus Münsing klar, als die Menschen anfingen, Klopapier zu horten. Eine seiner frühen Kindheitserinnerungen ist die Kuba-Krise 1962, als die Welt beinahe in einen Atomkrieg geschlittert wäre. Sein Vater hatte damals das ganze Auto mit Einkäufen vollgestopft – darunter auch große Mengen Klopapier. „Es war ein Anblick, den ich nie vergessen habe“, erzählt er. Jetzt, im März 2020 war es wieder so weit.

Was tun in dieser Lage? Wagner, Grafiker, Schreiber und Chef des Ambacher Verlags, startete einen Blog. Es war das erste Mal in seinem Leben, der erste Eintrag stammt vom 13. März. Wagner macht nur die besten Erfahrungen mit dem Medium: „Mir gefällt die Unmittelbarkeit und Direktheit“, sagt er. Man kann problemlos nachkorrigieren und bekommt blitzschnell Rückmeldungen. Es war seine Art, den „Verlust des gemeinschaftlichen Dorflebens abzumildern“.

Angefangen hat alles damit, dass der Münsinger einfach erzählte, was ihm im Ausnahmezustand, den die Pandemie der Welt beschert, Alltägliches widerfuhr. Darunter ist so manches Skurrile, wie die Rückkehr von Katze Milli nach genau neun Monaten – sie wird sogleich in Quarantäne gesteckt. Doch inzwischen hat der Blog auch Service-Charakter. Dr. Jörg Lohse erzählt von dem schwierigen und aufwendigen Umgang seines Teams mit dem Coronavirus. Bürgermeister Michael Grasl berichtet über die veränderte Gemeindearbeit.

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Was Wagner zugutekommt, ist die Tatsache, dass er durch das Erstellen des Münsinger Gemeindemagazins „bestens vernetzt“ ist. Für den Verleger selbst hat sich gar nicht so wahnsinnig viel geändert, in seiner Branche ist Homeoffice normal. Die Kinder, 16 und 18 Jahre, sind tagsüber mit Schule (über das Internet) und mit Musik beschäftigt. Abends schaut die Familie auf dem Bauernhof zwischen Münsing und Weipertshausen Netflix oder spielt Phase 10. Unter Menschen geht eigentlich nur noch seine Frau, die eine systemrelevante Halbtagsstelle beim Gericht in Starnberg hat. „Wir hoffen jedes Mal, dass sie virenfrei wieder heimkommt.“

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Die Zugriffszahlen des Blogs können sich sehen lassen, am Montag zählte Wagner in Summe 650 Besucher. „Das ist jetzt nicht unbedingt viral, aber für unser Dorf schon okay“, sagt er mit einem Schmunzeln. Abgesehen vom Service-Charakter findet der Nutzer ein paar amüsante Geschichten. Darf man denn lachen in einer so ernsten Zeit? Ja, natürlich, findet Wagner. „Es stärkt die Abwehrkräfte.“ 

Den Blog findet man unter der Adresse https://vryz.blogger.de

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