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Die Holzhauser wollen einen Sendemast vor ihrer Haustür unbedingt verhindern. Das wird nicht ganz einfach. Verträge sind schon unterzeichnet, und der Ausbau des Netzes ist politisch gewollt. 

Bürger wollen Sendemast verhindern

Was der Verein „Diagnose Funk“ den Holzhausern rät

Die Bürger von Holzhausen wollen zusammen mit Bürgermeister Michael Grasl einen Sendemasten vor ihrer Haustür verhindern. Zuspruch bekamen sie jetzt von Experten. 

Münsing Viel Lob erhielt Bürgermeister Michael Grasl von den zahlreichen Besuchern einer Info-Veranstaltung zum Mobilfunk am Mittwoch im Gemeindesaal. Wie berichtet hat Grasl beschlossen, der Telekom die Stirn zu bieten, was den geplanten Sendemast in Holzhausen angeht. Obwohl der Pachtvertrag mit einem privaten Grundstückseigentümer bereits unterzeichnet ist, will die Gemeinde den 40-Meter-Mast mitten in der Natur und nahe eines Wohngebiets noch verhindern, indem sie einen Alternativstandort anbietet.

Diplom-Ingenieur Jörn Gutbier, Baubiologe, freier Architekt und Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins „Diagnose Funk“

Dies ist im Moment auch die einzige Möglichkeit, gegen den von der Bundesregierung stark forcierten Ausbau der neuen, leistungsfähigeren 5G-Mobilfunk-Technologie vorzugehen, die mit einer Verdoppelung bis Verzehnfachung von Sendemasten einhergeht. Diplom-Ingenieur Jörn Gutbier, Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins „Diagnose Funk“, bestätigte in seinem von der Bürgerinitaitive „Kein Mobilfunkmast in Holzhausen“ organisierten Vortrag, dass im Moment nur ein sogenanntes Mobilfunk-Vorsorgekonzept mit dem Ziel der Immissionsminderung von Seiten der Kommunen zum Ziel führe. Denn in Deutschland sehe man die wissenschaftlich erwiesenen Gefahren des Mobilfunks -– unter anderem Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, Störungen des Immunsystems und zellulärer Stress, der zu Krebs führen kann – viel zu unkritisch.

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In anderen Ländern wie der Schweiz seien die von der Internationalen Strahlenschutzkommission ICNIRP empfohlenen Grenzwerte, gemessen in Mikrowatt pro Quadratmeter, wesentlich niedriger als in der Bundesrepublik, sagte Gutbier. Sein Verein fordert 100 Mikrowatt pro Quadratmeter, und um die Belastung für elektrosensitive Menschen zu reduzieren sogar nur 10 mW/m2. „Bei Anlagen in der Nähe bekommt man leicht 10 000 Mikrowatt ab“, sagte er zu den Mitgliedern der Bürgerinitiative im Saal. Im Übrigen würden Schüler in Wlan-Klassen mit bis zu 40 000 Mikrowatt in jeder Unterrichtsstunde belastet. Für das autonome Autofahren oder für die Schaffung von „Smart Cities“ würden immer mehr hochfrequente elektromagnetische Felder benötigt.

Gutbier rät der Gemeinde, selbst auf die Suche nach einem Standort zu gehen, der aus landschaftlicher und gesundheitlicher Sicht verträglicher ist. Der Bürgermeister hat dazu bereits ein Fachbüro eingeschaltet, das dies zunächst für Holzhausen und Umgebung und langfristig für die gesamte Gemeinde tun wird. „Wir werden Seite an Seite mit der Bürgerinitiative diesen Weg beschreiten, auch wenn er sehr mühsam wird und im Hinblick auf die Flächengemeinde Münsing für jahrelange Auseinandersetzung mit diesem Thema sorgen wird“, sagte Grasl nach dem Vortrag. Wichtig erscheint ihm in diesem Zusammenhang, dass jeder einzelne Endkunde sein Konsumverhalten überdenkt.

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Gutbier hatte zuvor gemeint, dass viele Menschen gegen eine Technologie protestierten, die sie liebten. Das Smartphone sei heute nicht mehr wegzudenken. Wie viel Zeit vergeude man mit dem Anschauen von „Katzen-Videos“ und anderen Spielereien in den eigenen vier Wänden, ohne dabei an die Strahleneinwirkung zu denken. Auf die Frage aus dem Publikum, ob der Einzelne etwas gegen Mobilfunkstrahlung unternehmen könne, machte Gubier wenig Hoffnung. Eine Lösung sei erst in Sicht, wenn Elektrosensibilität als Krankheit anerkannt werde. Er selbst träumt von einer Regelung wie dem Nichtraucherschutzgesetz für den Mobilfunk. Bis dahin sollten die Kritiker ihre Abgeordneten im Stimmkreis ansprechen, empfahl er den Zuhörern. Tanja Lühr

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