Musa Alkan in seinem Feinkostladen
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Gläubiger Muslim: der Münsinger Feinkosthändler Musa Alkan.

Musa Alkan über den Fastenmonat

Wegen der Pandemie: Der Ramadan läuft anders ab als gewohnt - „Frage des Willens“

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Der Ramadan hat für Muslime eine wichtige Bedeutung. Wegen der Corona-Pandemie fällt der soziale Aspekt des Fastenmonats weg. Ein Muslim berichtet.

Münsing – Der Fastenmonat Ramadan hat für die Muslime auf aller Welt eine besondere Bedeutung. Er erinnert an die Zeit, in der dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde. Einer, der gemeinsam mit seiner Familie diesem Glaubensgrundsatz folgt, ist Musa Alkan. Allerdings, wie bereits im vergangenen Jahr, unter großen coronabedingten Einschränkungen.

Um 3 Uhr nachts gibt es Frühstück - sonst kommt der Sonnenaufgang dawischen

Seit 13. April essen gläubige Muslime nur noch zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang. Das vierwöchige Fasten soll helfen, sich ganz bewusst mit seinem Glauben auseinanderzusetzen, Geist und Körper zu reinigen. „Wir stehen also gegen 3 Uhr auf“, erzählt Alkan. „Denn wichtig ist, sich gerade vor Tagesbeginn – die Sonne ging heute um 4.50 Uhr auf – die Zeit zu nehmen, gemeinsam zu frühstücken.“ Auf dem Tisch stehen lang sättigende Lebensmittel, zu trinken gibt es ungesüßten Tee. „Und es hilft sehr, kein Salz zu verwenden.“

Es ist einfach eine Frage des Willens“

Eren Akkus

Der Verzicht auf Nahrung fällt Alkan nicht schwer – und das, obwohl er ein Feinkostgeschäft in Münsing betreibt. Duftendes Obst reiht sich an appetitliches Gemüse, in der Kühltheke sind hausgemachte Spezialitäten und verschiedene Käsesorten aufgereiht. „Nun, wenn ich jetzt Lust auf eine Orange habe, muss ich eben warten. Dann habe ich den Geschmack eben erst am Abend“. Also frei nach dem Motto ,Aufgehoben ist nicht aufgeschoben‘. „Es ist einfach eine Frage des Willens“, wirft Alkans Neffe Eren Akkus (19) ein.

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Unter normalen Umständen würden die Familienmitglieder und Freunde abends zusammenkommen, um gemeinsam nach Sonnenuntergang mit einer ersten Schale Datteln das Fasten zu brechen (Iftar). „Aber das fällt jetzt eben weg. Man trifft sich nicht mehr, sondern bleibt in der Familie.“ Genauso beim Nachtgebet (Ischa) – der Besuch in der Moschee ist wegen der Ausgangsbeschränkung unmöglich geworden. Dieses fände zusammen mit dem Iman (Vorbeter) nach 21 Uhr statt. Alkan zuckt bedauernd mit den Schultern. „Aber was soll man machen? Es ist jetzt eben so.“

Das Fest des Fastenbrechens gilt als wichtigster muslimischer Feiertag - wie der heuer abläuft, ist völlig unklar

Nach dem Monat wird das Fasten mit dem Id al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens, beendet. Es gilt im Islam neben dem Opferfest als wichtigster Feiertag. Man trifft sich wieder in der Moschee, um gemeinsam zu beten. Anschließend werden Verwandte und Freunde besucht, es wird gemeinsam gefeiert. Wie es dieses Jahr ablaufen wird, kann Alkan nicht sagen. „So wie bisher wird es jedenfalls nicht stattfinden. Aber wie gesagt, das ist jetzt eben so.“ sh

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