+
Ein Profi auf dem Board: Sonni Hönscheid (li.) ist SUP-Weltmeisterin 2018. Beim Stand-up-Paddeln gibt sie unserer Mitarbeiterin Leonora Mitreuter Anfängertipps.

Auf dem Starnberger See

Zum ersten Mal auf einem SUP-Board unterwegs: So lief der Selbstversuch

Unsere Mitarbeiterin Leonora Mitreuter sticht zum ersten Mal auf einem SUP-Board in See. Tipps bekommt sie dabei von Weltmeisterin Sonni Hönscheid.

Münsing – Beinahe geräuschlos gleiten die Stand-up-Paddler über den See, nur das gleichmäßige Eintauchen des Stechpaddels ist zu hören. Die Bewegungen sehen mühelos aus, das Gleichgewicht auf dem dünnen Board halten die Wassersportler souverän. Langes Training oder gar keine so große Kunst? Um das auf eigene Faust herauszufinden, besuche ich den Medienworkshop eines Board-Herstellers am Starnberger See. Mit von der Partie ist Sonni Hönscheid, SUP-Weltmeisterin 2018.

Wir treffen uns am Ostufer nahe Holzhausen. Dort angekommen lädt das Team gerade Bretter in allen Größen und Farben aus einem großen Transporter. Eliane Drömer, der ich zuvor per Mail anvertraut habe, dass ich mich in der Trendsportart noch nie versucht habe, begrüßt mich, und überreicht mir einen Seesack, um Schuhe, Block und Stift zu verstauen. Nach und nach treffen auch die anderen Teilnehmer ein. Nach einer kurzen Einführung am Strand darf sich jeder ein SUP-Board aussuchen. Meine acht Mit-Paddler sind alles alte Hasen auf dem Wasser und wählen ihre Bretter nach Schnelligkeit und Hydrodynamik.

Der Spaß stellt sich schon nach den ersten Minuten ein

Eliane hat für mich ein Hardboard ausgesucht und hilft mir, das Carbon-Paddel auf meine Größe einzustellen. Eine Handspanne über meinem Kopf soll es enden. „Am besten kniest du dich erst mal aufs Brett und gewöhnst dich an das Gefühl“, rät sie mir, als wir im Wasser stehen. Und tatsächlich vermittelt mir der neue Untergrund mehr Sicherheit als erwartet.

Auch die Paddelschläge, zunächst etwas unbeholfen, werden sicherer, als ich auf unsere Gruppe zusteuere. Schließlich fühle ich mich geschickt genug, und stehe aus der Hocke auf. Prompt paddelt Sonni neben mir und gibt mir wertvolle Anfängertipps. „Zieh nicht das Paddel zu dir, sondern dich zum Paddel.“ Als ich die Empfehlung beherzige, bin ich gleich ein Stück schneller unterwegs. Wenn ich rechts neben dem Board paddle, steche ich so weit vorne ins Wasser ein, wie ich komme, und ziehe es bis auf die Höhe meines Knöchels. „Wenn du danach noch weiter machst, schaufelst du nur noch unnötig Wasser“, verrät mir Eliane. Die linke Hand drückt von oben auf den Kauf und schiebt es nach unten und hinten. Wenn ich abdrifte, wechsle ich die Seite.

Die Kraft muss aus dem Rumpf kommen

Als sich alle mit ihrer Ausrüstung vertraut gemacht haben, starten wir zur Seeüberquerung. Die Sonne brennt vom Himmel, aber wir dürfen jederzeit eine kleine Pause zum Baden einlegen. Einige Paddler tauschen währenddessen ihre Boards, um verschiedene Modelle vergleichen zu können. Ich selbst probiere ein aufblasbares Brett, das sich im ersten Moment etwas wackeliger anfühlt. Nach gut 45 Minuten erreichen wir das andere Ufer. Ich bin überrascht. Meine Arme sind so locker und unverkrampft wie vor dem Start. „Die Kraft muss auch aus dem Rumpf kommen, wenn man es richtig macht“, erklärt Sonni. SUP-Anfänger sehe man oft viel zu viel mit den Armen arbeiten, die dadurch schnell ermüden. „Um das zu vermeiden, lässt man während der Paddelzugphase die Arme gestreckt und die Knie leicht gebeugt.“

Wir gehen einige 100 Meter das Ufer hinauf, wo im Buchheim-Museum eine Brotzeit auf uns wartet. Während wir uns stärken, erzählt uns Florian Brunner, Geschäftsführer des Deutschlandvertriebs von Starboard, über die Produktion der Bretter. Die Firma arbeitet CO2-neutral, verwendet so viele recycelte Materialien wie möglich und gehört der Initiative Parley an, die sich gegen die Verschmutzung der Ozeane einsetzt. „Diese Themen sind in den letzten Jahren immer präsenter geworden. Wir versuchen, uns anzupassen und unseren Teil beizutragen“, so Brunner.

Lesen Sie auch: Autos, Autos, Autos: Der ganz normale Wahnsinn von Ambach

Einige der SUP-Boards sind mit bunten Mustern geschmückt. Die kommen von Sonni Hönscheid. Die Profisportlerin ist nämlich auch Künstlerin, die ihre Arbeit regelmäßig und erfolgreich ausstellt. „Malen ist für mich wie Tagebuch schreiben“, erklärt sie. Dadurch spiegeln sich in ihrer Kunst die Erlebnisse auf dem Wasser und die Erfahrungen mit anderen Kulturen wider.

Auch interessant: Spiegel-Artikel würdigt Gabriel von Max - und kritisiert den Zustand der Villa

Den Rückweg trete ich auf einem etwas schmaleren Hardboard an. Carsten Kurmis, Deutscher Meister der Disziplin SUP-Sprint, erinnert mich, das Paddelblatt von Anfang an komplett einzutauchen. Inzwischen hat sich bei mir schon so etwas wie Routine eingestellt. Während ich mich mit den anderen Teilnehmern unterhalte, gleiten wir entspannt übers Wasser. So vergeht die Querung von West nach Ost noch schneller als die Hinfahrt. Nach einer letzten Abkühlung in Nähe des Strands bin ich mir sicher: Dem Trendsport Stand-up-Paddeln ist der Feldzug auf den Flüssen und Seen Deutschlands nicht zufällig gelungen. Der Einstieg ist leicht, das sportliche Niveau kann auf jeden angepasst werden und der Spaß stellt sich schon in den ersten Minuten ein.

Tipps für Anfänger von Profi Sonni Hönscheid

Wie sollten die ersten Paddel-Versuche ablaufen? Den größten Spaß und Erfolg wird man haben, wenn man mit einem erfahrenen Sportler unterwegs ist. „Man erhält gleich einen Einblick in die Technik und kann von Anfang an lernen“, sagt Weltmeisterin Sonni Hönscheid. Davon abgesehen diene es der Sicherheit, nicht gleich auf eigene Faust freie Gewässer zu befahren. „Mit fachkundiger Begleitung ist ein guter erster Eindruck von diesem Sport fast garantiert.“ 

Welche Ausrüstung ist empfehlenswert? „Neben einem guten Board lohnt es sich, in ein gutes und leichtes Paddel zu investieren.“ Unverzichtbar sei außerdem die „Leash“, eine Sicherheitsleine, die den Paddler mit seinem Board verbindet, und eine Hüfttasche mit Schwimmweste für den Notfall. „Sinn macht es immer, seine Kleidung dem Wetter entsprechend zu wählen.“ 

Mit welchen Preisen muss man für ein gutes Board rechnen? Ein gutes Board, mit dem man lange Spaß hat, kostet zwischen 700 und 800 Euro. „Inzwischen bieten Supermärkte sehr billige Boards an, die dann aber im Wasser liegen wie bessere Luftmatratzen.“ Ein sportliches Erlebnis sei einem damit nicht geboten. Die Verleihstationen am Starnberger See verlangen für zwei Stunden Paddelspaß rund 25 Euro. 

Welche Urlaubsziele lohnen sich zum Paddeln? „Eigentlich sollte man auf Reisen immer das SUP-Board im Gepäck haben“, so Hönscheid. „Man lernt den Urlaubsort von einer anderen Seite kennen.“ Das gilt auch für Städte. Wer sich informiert, wo eine Tour erlaubt ist, kann zum Beispiel Hamburg vom Wasser aus erkunden.

Gibt es einen ultimativen Anfänger-Trick? „Man darf sich nicht stressen lassen.“ Gerade bei den ersten Versuchen solle man sich die Zeit lassen, die man braucht. „Und wenn man die erste Stunde nur auf den Knien herumschippert, dann ist das halt so.“

Leonora Mitreuter

Lesen Sie auch: Aus dem Nachlass von Kahn-Ackermann: Picasso kommt unter den Hammer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Philharmonie München: Konzert mit Kiril Stankow am 28. September
Kiril Stankow kommt als Gastdirigent der Neuen Philharmonie München in die Wolfratshauser Loisachhalle. Das Konzert findet am 28. September statt.
Neue Philharmonie München: Konzert mit Kiril Stankow am 28. September
Der Sommer kommt zurück: Diese Regeln müssen Badegäste an Seen im Landkreis beachten
In den nächsten Tagen soll sich der Sommer nochmal von seiner schönsten Seite zeigen. Viele wird das zum Baden an die Seen oder Teiche im Landkreis locken. Doch dabei …
Der Sommer kommt zurück: Diese Regeln müssen Badegäste an Seen im Landkreis beachten
Planungen für Neubau im Zentrum laufen: Sparkasse will 2020 abreißen
Die Sparkasse will ihr Gebäude an der Egerlandstraße abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Pläne sind bereits weit fortgeschritten.
Planungen für Neubau im Zentrum laufen: Sparkasse will 2020 abreißen
Baumstumpf statt Stock: 50 000 Bienen im Wolfratshauser Bergwald
Selten wurde so intensiv über Artenvielfalt gesprochen wie derzeit. Eine große Bedeutung hat hierbei der Wald. Er bedeckt (noch) knapp ein Drittel des Bundesgebiets und …
Baumstumpf statt Stock: 50 000 Bienen im Wolfratshauser Bergwald

Kommentare