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Großes Interesse: Zahlreiche Zuhörer verfolgten am Dienstag die Gemeinderatssitzung zum Thema Seniorenwohnstift in Ambach.

Es gibt eine Tendenz

Zwei Entwürfe für Ambacher Seniorenwohnstift: Nun können sich die Münsinger äußern

Zwischen zwei Entwürfen für ein Seniorenwohnstift in Ambach muss sich der Münsinger Gemeinderat bald entscheiden. Sie wurden nun unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von den Architekten präsentiert. Es gibt eine Tendenz. 

Münsing – Der Bauausschuss hatte in einem Workshop eine Vorauswahl aus vier Entwürfen getroffen. Die zwei, die noch im Rennen sind, stammen vom Mailänder Stararchitekten und -designer Matteo Thun sowie vom Büro Beer, Bembé, Dellinger aus Greifenberg. Während der gebürtige Südtiroler Thun auf langgezogene, mehrstöckige Baukörper im Stil eines Hotels setzt, will Sebastian Dellinger mehrere Einzelhäuser, gruppiert um einen Innenhof, als lockeres Ensemble errichten. Beide Bewerber wollen das historische „Waldschlössl“-Gebäude auf dem ehemaligen Wiedemann-Sanatoriumsgelände erhalten und sanieren.

Klarer Favorit des Investors, des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA), ist der Entwurf des Büros Thun. KWA-Vorsitzender Horst Schmieder erklärte im Anschluss an die Vorstellung, warum. Die Anlage sei „funktionaler“. Restaurant, Küche und Veranstaltungssaal lägen auf einer Ebene. Es gebe im Gegensatz zu Dellingers Einzelhäusern mit Souterrain-Apartments eine größere Anzahl heller Wohnungen mit Blick auf den See. Ältere Menschen würden aus Sicherheitsgründen auch nicht gerne im Erdgeschoss wohnen. Bei Thun sei zudem mehr Privatsphäre gewährleistet, weil nicht jeder auf den Balkon des anderen schauen könne, weil das Schwimmbad schlechter einsehbar sei und die Anlage in sich abgeschlossener sei. Schließlich falle Senioren die Orientierung leichter bei weniger Gebäuden.

Die Fachjury, die unter anderem aus Kreisbaumeister Andreas Hainz und Landschaftsplaner Christian Ufer bestand, hielt beide Modelle für städtebaulich gelungen. Der Baumbestand werde weitgehend geschützt, in beiden Fällen entstehe ein reizvoller Innenhof. Die Funktionalität stelle jedoch bei Dellinger eine „Herausforderung“ dar, wie Jurymitglied Architekt Christian Weigl einräumte.

„Entscheidung zwischen Pest und Cholera“

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) sprach sich für den Thun-Entwurf aus. In der Diskussion zeichnete sich eine Mehrheit dafür ab. Sozialreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) sagte, sie wisse aus ihrer Erfahrung im Umgang mit Senioren, dass bei diesen die Faktoren Helligkeit, Sicherheit und gute Orientierung entscheidend seien: „Das Wohnstift und die Tagespflege müssen in erster Linie von den Senioren gut angenommen werden.“

Umweltreferentin Christine Mair (WG Münsing) lobte, dass beide Architekten einen Sockel aus Stein und darauf in Holz bauen wollen. Bei Thun sieht sie den Vorteil, dass der geplante Aufbau aus vorgefertigten Holzteilen schneller ginge und somit für die Anwohner erträglicher wäre. Thomas Schurz (CSU) meinte, Dellingers Zeltdachhäuser erinnerten ihn an eine „Ferienwohnsiedlung in der Karibik“. Ihm gefällt die von Thun vorgesehene Begrünung der Dachterrassen und Dächer. Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen) erklärte, als Ingenieur stehe für ihn die Zweckmäßigkeit an oberster Stelle.

Bürgermeister Grasl hätte sich zwar „keine Entscheidung“, aber eine Abstimmung gewünscht, in welche Richtung es gehen soll. Auf Drängen von Ursula Scriba (Bürgerliste) sollen aber erst die schriftlichen Einwendungen und Anregungen der Bürger abgewartet werden. Diese können die Modelle und die Pläne bis 11. Juli im Sitzungssaal des Rathauses ansehen und sich dazu äußern. Sebastian Wiedemann, Sprecher der Initiative Ambach, nannte das ein „faires Angebot“. Er persönlich tendiere zum Dellinger-Entwurf, sagte er. Dr. Gustav Neumeister, Mitglied des Ostuferschutzverbands, sprach dagegen von einer „Entscheidung zwischen Pest und Cholera“.

Modell Matteo Thun & Partner 

Matteo Thun ahmt die langgezogenen, landwirtschaftlichen Gebäude etwas oberhalb am östlichen Starnberger Seeufer nach. Auf dem Fußabdruck des einstigen Wiedemann-Sanatoriums will er die Seniorenwohnanlage mit 81 Wohnungen, Rezeption, Restaurant, Tagespflege und Veranstaltungssaal terrassenförmig in den Hang hinein platzieren. Etwas unterhalb liegt der Pool. Eine Art Innenhof entsteht. Das alte, zu sanierende „Waldschlössl“-Gebäude soll das „Herzstück“ des modernen Ensembles bilden. Hier könnten ein Kiosk und ein Café untergebracht werden. 50 Parkplätze sind in einer Tiefgarage geplant, zwölf oberirdisch. Mitarbeiterwohnungen sind nicht vorgesehen. Die Bäume sollen weitgehend erhalten werden. Die Grundflächenzahl (GRZ), also der Anteil versiegelter Fläche, beträgt 0,34.

Modell Beer Bembé Dellinger 

Sebastian Dellinger (ausgezeichnet für den Bau des „Quartiers Garmisch“) sagt, er habe sich am Seniorenwohnheim in Rottach-Egern orientiert. Er zitiert vom Baustil her eher die Villen am See. Der Architekt gruppiert sechs nahezu quadratische, holzverkleidete Zeltdach-Häuser mit zwei Geschossen plus einem Hanggeschoss (Souterrain) um einen Anger. Alle Pavillons sind von der Straße und vom Innenhof aus zu erreichen, von der Tiefgarage unterhalb führen Aufzüge in jedes Haus. Das Schwimmbad befindet sich in einem der Hanggeschosse. Das Entree des Ensembles bildet das „Waldschlössl“ mit Rezeption und Speisesaal, darunter die Küche, darüber ein kleines Kaminzimmer. Laut Sebastian Dellinger müssten dem Vorhaben keine Bäume weichen. Die Grundflächenzahl (GRZ) beträgt 0,44. Mitarbeiterwohnungen sind nicht eingeplant. 


Tanja Lühr

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