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„Wir resonieren mit Räumen“, sagt Stefan Pixner, hier vor der Schutzengelkapelle in Luigenkam, die er nach den Regeln der Farbgestaltung innen und außen gestrichen hat.

Der Münsinger Malermeister Stefan Pixner

Münsinger schafft mit der richtigen Farbe eine Wohlfühlumgebung

In einigen Gebäuden fühlt man sich besonders wohl. Warum - das weiß der Münsinger Malermeister Stefan Pixner.

Münsing – Warum sprechen uns Gebäude oder Räume an? Warum fühlen wir uns in ihnen wohl? Sicher in erster Linie wegen der Architektur, beziehungsweise der Inneneinrichtung. Doch auch die Farbgebung und Farbenqualität spielen eine wesentliche Rolle. Der Münsinger Malermeister Stefan Pixner beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Kalk- und Pflanzenanstrichmitteln. Seine Firma am Schlichtfeld gehört zu den Ökopionieren im Bereich Naturfarben in Deutschland.

Das jüngste Werk Pixners ist die Schutzengel-Kapelle in Luigenkam bei Ambach. Georg Ruhdorfer hat sie auf seinem Grund an dem Wanderweg zum Starnberger See hinunter erbauen lassen, nachdem er einen schlimmen Sturz vom Heuboden überlebt hatte. Die besten Handwerker des Orts halfen ihm dabei – überwiegend unentgeltlich wie Stefan Pixner – unter Verwendung bester Materialien.

Außenwände in Altrosé

Das fängt beim Boden aus Solnhofer Kalksteinplatten an, setzt sich bei den wunderschön gestalteten Fenstern des in der Nachbarschaft lebenden Künstlers Iring de Brauw fort und endet beim Dachstuhl aus Fichtenholz aus dem Wald der Familie Ruhdorfer. Die Außenwände hat der Malermeister in einem warmen, einladenden, ganz zarten Altrosé gekalkt. Innen erkennt man, dass das Weiß einen Stich Richtung Flieder besitzt. „Das ist öffnend. Man ist bereit, etwas zu empfangen“, erklärt Pixner, der zusätzlich zur Malerausbildung Baubiologie und Farbpsychologe studiert hat.

In den 1980er Jahren machte er erstmals Bekanntschaft mit Naturfarben. Deren größter Teil – „99,9 Prozent“, so Pixner – besteht aus nachwachsenden Rohstoffen, entweder mineralischen oder pflanzlichen Ursprungs. Pixner verwendet sie ausschließlich. Er bezieht sie von einem Hersteller in der Schweiz, der seine Produkte als einer der wenigen voll deklariert. Sie sind nicht nur optisch ansprechend, sondern haben auch eine feuchtigkeitsregulierende, antibakterielle Wirkung. Stefan Pixner zählt zu den Pionieren in diesem Bereich. Zusammen mit dem Altop-Verlag realisierte er – damals noch in München ansässig – das erste Ökohaus im alten Bauzentrum in der Landeshauptstadt.

Weitere Visitenkarten sind „Schumann’s Bar“ in München und der Biomarkt an der Olympiastraße in Weilheim. Als geistiger Schüler des Autors und Denkmalschützers Dieter Wieland will er „die Kostbarkeit und Lebendigkeit von Handwerk mit den Anforderungen an bauphysikalische Haustechnik“ vereinen. „Wir haben Wege gefunden, das Alte mit dem Neuen zu verbinden und nachhaltig zu bewahren“, sagt der mit seiner Frau und seinen zwei Hunden in Pähl lebende Maler.

Berühmte Häuser tragen seine Handschrift

In und um Münsing tragen einige berühmte Häuser seine Handschrift. So hat die Firma Pixner mitten in Münsing, dort wo die Hauptstraße um die Ecke biegt, gegenüber vom Gasthaus Limm, die Fassade des ehemaligen Kramerschuster-Hofs saniert. Sie wurde mit Bürste und Laugenwasser intensiv gereinigt, der Putz ausgebessert und ein leicht quarzgefüllter Silikat-Grundanstrich aufgebracht. Der mit einer Bürste aufgetragene mineralische Schlussanstrich erhielt einen warmen Ton durch Oxid-Pigmente.

Die Fassade der Waldemar-Bonsels-Villa in Ambach wurde komplett mit Leinöl- und Mineralfarben saniert. Historische Häuser veränderten sich oftmals über die Jahrzehnte hinweg, sei es durch wechselnde Besitzer oder modischen Wandel, und verlören so ihren ursprünglichen Charakter, sagt Pixner. Er habe deshalb die originale Farbgebung zunächst gründlich analysiert und anschließend mit den Naturfarben wiederbelebt.

Am Gasthaus zum Fischmeister hat Stefan Pixner 120 Fensterläden frisch in Grün gestrichen. „Wir haben eine hochwertige Ölfarbe mit zehn Jahren Garantie verwendet“, erzählt er. Synthetische Farben würden niemals so lange halten wie natürliche, insbesondere am Seeufer mit seinen Stürmen und heftigen Niederschlägen. Außerdem werden sie zu hundert Prozent in den Ökokreislauf zurückgeführt. Des Weiteren wurde das restaurierte Wegkreuz in Attenkam im März dieses Jahres wieder aufgestellt, nachdem es mit reinen Pflanzenölen behandelt worden war. Die Wiederherstellung habe sogar das Landesamt für Denkmalpflege gefördert, berichtet Pixner.

Zu ihm würden Unternehmen und Privatleute kommen, die ihr Eigentum „anständig saniert haben wollen“, sagt er. Dafür seien sie bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Möchte jemand zum Beispiel sein Wohnzimmer gestalten, kann er in den Geschäftsräumen am Schlichtfeld im zweiten Stock aus einer großen Anzahl an Farbtafeln diejenigen zusammenstellen, die für ihn und zu ihm am besten passen. Mit fachkundiger Hilfe des Farbpsychologen und Praktikers entstehen harmonische Räumlichkeiten, in denen man sich einfach wohlfühlt. tal

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