Nach 111 Jahren wurde das Traditionsgasthaus Limm 2019 geschlossen. Nun soll das Areal neu überplant werden. Foto;: Sabine Hermsdorf-Hiss
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Nach 111 Jahren wurde das Traditionsgasthaus Limm 2019 geschlossen. Nun soll das Areal neu überplant werden.

Gemeinde überlegt, für das Areal einen Bebauungsplan aufzustellen

Münsinger Traditions-Gasthaus Limm soll abgerissen werden

Was wird aus dem 2019 geschlossenen Gasthof Limm in Münsing? Die Familie möchte das Grundstück neu bebauen. Die Gemeinde würde dort einen kommunal geförderten Wohnungsbau bevorzugen.

Münsing – Die Familie Limm möchte ihre Gebäude an der Hauptstraße – Wirtschaft, Wohnung, Schlachthaus und Metzgerei – abbrechen und auf dem Grundstück neu bauen. Weil das Ensemble mit dem kleinen Vorplatz am östlichen Dorfeingang ortsbildprägend ist, erwägt die Gemeinde, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Der Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung am Dienstag schon einmal, seine Ziele für das Grundstück, das offiziell zum „Sanierungsgebiet Ortskern Münsing“ gehört, zu formulieren. Zum einen soll der historisch begründete Aufenthaltsbereich vor der Metzgerei als solcher gesichert werden. Der Maibaum, der jetzt gegenüber dem Gasthaus steht, könnte an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren. Gleichzeitig soll die Verkehrs- und Fußwegsituation in der unübersichtlichen Kurve verbessert werden.

Zum anderen würde die Gemeinde auf der Fläche gerne bezahlbare Wohnungen über einen kommunal geförderten Wohnungsbau nach dem Vorbild „Milchhäusl“ schaffen. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) sagte gegenüber unserer Zeitung am Tag nach der Sitzung allerdings, dass die Gemeinde vorerst kein weiteres Wohnbauprojekt stemmen werde. Sie habe zu viele andere Großbaustellen. Zur Umsetzung ihrer Ziele behält sich die Gemeinde vor, das ihr gesetzlich zustehende Vorkaufsrecht für das Limm-Grundstück in Anspruch zu nehmen.

Grünen-Gemeinderätin Christine Mair kritisierte das Vorgehen, insbesondere, dass der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum nicht mit der Wirtsfamilie abgesprochen worden sei. Sie finde es nicht in Ordnung, dass mit alteingesessenen Bürgern so umgegangen werde, sagte sie. Die Limms hätten über Generationen hinweg zum Gemeinwohl beigetragen. Sie seien ein guter Ausbildungsbetrieb gewesen und ein fairer Geschäftspartner für die Landwirte. „Wenn hier sozialer Wohnraum entstehen soll, dann freiwillig und einvernehmlich mit der Familie“, forderte Mair.

Auf Nachfrage erklärt Christoph Limm, Sohn von Inge Limm, die das Gasthaus nach dem Tod ihres Mannes Sebastian noch bis April 2019 weiterführte und nun noch die Metzgerei betreibt, dass man mit der Gemeinde im konstruktiven Dialog stehe. „Uns ist die besondere Lage des Grundstücks bewusst.“ Deshalb habe man das Gespräch mit dem Münsinger Bauamt vor der Einreichung eines Bauantrags gesucht.

Man muss die Entscheidung der Familie respektieren. Sie will und muss sich verändern.

Münsings Bürgermeister Michael Grasl

Ans Verkaufen des Grundstücks denke seine Mutter nicht. Das bekräftigt auch der Anwalt der Familie und Onkel Christoph Limms, Dr. Harald Mosler. Die Häuser würden leider immer mehr verfallen. Mosler: „Wir wollen dort etwas anderes bauen, in enger Absprache mit der Gemeinde und am liebsten ohne vorhabenbezogenen Bebauungsplan“. Wenn sich ein Nachfolger für die Metzgerei finde, sei auch ein Haus mit einem Laden im Erdgeschoss denkbar.

Das bevorstehende, endgültige Aus der über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Traditionswirtschaft bewegt die Münsinger. Inge Limm, bald 60 Jahre alt, hatte bei der Schließung 2019 deutlich gemacht, dass eine Verpachtung für sie nicht in Frage komme. „Man muss die Entscheidung der Familie respektieren. Sie will und muss sich verändern“, sagt Bürgermeister Grasl. Er betont: „Wir wollen da wirklich niemandem etwas in den Weg legen.“

tal

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