„Grüß Gott“: Münsings Bürgermeister Michael Grasl (li.) hieß die Beamten in Ammerland willkommen.
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„Grüß Gott“: Münsings Bürgermeister Michael Grasl (li.) hieß die Beamten in Ammerland willkommen.

„Fahrrad-Rennstrecke“: Konzertierte Aktion am Karfreitag

Nach Beschwerden: Polizei kontrolliert auf der Ammerlander Seestraße

Weil sich die Beschwerden über den Ausflugsverkehr an der Ammerlander Seestraße an Sonn- und Feiertagen häufen, kontrollierte die Wolfratshauser Polizei diesen Bereich am Karfreitag. Auch Anwohner kamen zu Wort.

Münsing – Mit einem Großaufgebot kontrollierte die Polizeiinspektion Wolfratshausen am Karfreitag zum Auftakt der Frühlingssaison an der Uferstraße entlang des Starnberger Sees in Münsing. Rücksichtslos rasende Rennrad- und Mountainbikefahrer, Falschparker sowie Autofahrer, die ohne die erforderliche Seestraßengenehmigung unterwegs waren: Sie alle wurden verwarnt, teilweise auch nur ermahnt.

Mit vier Beamten war die Wolfratshauser Polizei gegen Mittag vor Ort, darunter Vize-Dienststellenleiterin Christina Loy und Verkehrsexperte Toni Lechner. Unterstützt wurden sie von vier jungen Männern der Einheit Operative Ergänzungsdienste (OED) Weilheim. Bürgermeister Michael Grasl war trotz des Feiertags nach Ammerland geradelt, um den Polizisten die aus Sicht der Bürger neuralgischen Punkte zwischen Ammerland und Ambach zu zeigen. Denn obwohl die streng genommen nur für Anlieger mit Ausweis befahrbare Seestraße TÖL 2 eine Kreisstraße ist, landet das Gros der Beschwerden bei Grasl auf dem Schreibtisch. Zuletzt hatte etwa der Ambacher Oliver Bendixen mehr Präsenz der zuständigen Wolfratshauser Polizei gefordert, weil sich die Seepromenade besonders seit Ausbruch der Pandemie zur „Trainingsstrecke für Rennrad- und Mountainbike-Gruppen“ entwickelt habe.

Obwohl es laut Statistik, die Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny führt, bislang kaum zu Unfällen kam, will die Polizei in diesem Sommer ihr Augenmerk verstärkt auf das beliebte Ausflugsziel richten, um – wenn nötig – präventive Maßnahmen beim Landratsamt anzuregen. Auf der engen Straße tummeln sich an schönen Tagen Familien mit Kindern, Senioren, Spaziergänger mit Hunden, Inline-Skater, Jogger, Radler sowie Autos mit und ohne Genehmigung, letztere oft auf dem Weg zu den beliebten Lokalen wie dem Fischmeister direkt am Seeufer.

Balkongespräch am Grünwaldhof in Ambach: „Seit Corona rauschen hier Massen von Radlern durch“, berichtete ein Bewohner dem Münsinger Rathauschef und den Beamten der Polizeiinspektion Wolfratshausen.

Es sei schon richtig, dass bei manchem Radfahrer nur die Zeit zähle, in der er es um den See schafft, sagt Polizeibeamter Tony Lechner. Er versteht, dass die Anwohner sich über falsch parkende und unerlaubt fahrende Autos ärgerten: „Bei so was sind wir der richtige Ansprechpartner.“ Beim Hotel am See in Ammerland halten die Beamten am Freitag unter anderem ein Auto mit Hamburger Kennzeichen auf. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen Leihwagen, mit dem eine ausländische Familie eine Spritztour am Wasser entlang unternehmen möchte. Der Vater kann glaubwürdig versichern, dass ihm das Fahrverbot nicht bewusst war. Er wird freundlich zum Umkehren aufgefordert. Andere Verkehrssünder kommen im Lauf des Nachmittags nicht so glimpflich davon.

Seit Corona rauschen hier Massen von Radlern durch. Wenn da ein Kind mit dem Bobbycar aus unserer Hofeinfahrt kommt, derbremst das keiner mehr.

Ein Anwohner der Seestraße

Gemeinsam mit dem Bürgermeister geht es im Mannschaftsbus Richtung Süden. Im Bereich des Fischmeisters und des kleinen Kiosks wenige Meter davor herrscht reges Treiben. Beide Gastronomiebetriebe bieten Speisen zum Mitnehmen an, die viele Besucher gleich am Straßenrand stehend oder auf einem Stein sitzend essen. Entspannter ist die Situation vor dem Landhotel Huber am See, das ebenfalls Gerichte „to go“ anbietet. Hier erfolgt die Ausgabe aber über die Holzbergstraße. Ein weiterer kritischer Punkt, auf den Grasl hinweist, ist der Grünwaldhof an der Seeuferstraße in Ambach. Mehrere in dem Bereich lebende Familien mit Kindern hätten ihm geschrieben, dass vor allem Radfahrer, die mit hohem Tempo die leichte Abfahrt aus Richtung Sankt-Heinricher-Straße hinunterkommen würden, eine Gefahr darstellten, so der Rathauschef. Ein Bewohner des Grünwaldhofs schildert den Beamten von seinem Balkon aus, was sich an sonnigen Wochenenden vor seiner Haustür abspielt: „Seit Corona rauschen hier Massen von Radlern durch. Wenn da ein Kind mit dem Bobbycar aus unserer Hofeinfahrt kommt, derbremst das keiner mehr.“ Die Hauptursache für den Autoverkehr ist nach Ansicht des älteren Herrn, dass die Lokale, allen voran der bei Münchnern äußerst beliebte Fischmeister von Josef Bierbichler, mitten an der Anwohnerstraße liegen. Die 20 Euro Strafe würden die Gäste in Kauf nehmen, meint er. Die offizielle Zufahrt über den Luigenkamer Weg oder die Holzbergstraße, bei der man ein paar Meter zu Fuß gehen müsste, werde nicht genutzt.

Als eine Anregung notiert sich Lechner, dass man Piktogramme auf die TÖL2 malen könnte, die auf die reine Anliegerstraße hinweisen. Entscheiden müsse das Landratsamt. Die Polizei gebe nur Daten und Stellungnahmen weiter. Zeitnah wolle man unter anderem messen, wie schnell die Radler unterwegs sind.

Tanja Lühr

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