+
Ein 800-Kilo-Renntier: Der Ochserer-Vorsitzende Peter Bauer mit dem zweieinhalbjährigen Pinzgauer „Pauli“ in der neuen Natur-Arena „Hertawies“.

Premiere auf der Hertawies

Ochsenrennen Münsing: 10.000 Zuschauer erwartet

Münsing – Erstmals findet das Münsinger Ochsenrennen auf der Hertawies zwischen Münsing und Holzhausen statt. Das Programm für das Wochenende am kann sich sehen lassen. 

Da schauen sie, die grasenden Kühe. Der fesche Pauli, ein braun-weißer Pinzgauer mit 800 Kilogramm Gewicht, wird von seinem Jockey Peter Bauer zum Fototermin an ihnen vorbeigeführt. Pauli ist eines von 20 Rindviechern, die heuer am sechsten Münsinger Ochsenrennen teilnehmen. Es findet zum ersten Mal nicht an der Krummleitn zwischen Münsing und Degerndorf, sondern auf der „Hertawies“ (Hirtenwiese) zwischen Münsing und Holzhausen statt.

Das Grünland, auf dem laut Eigentümer Thomas Sebald früher einmal Schafe weideten, bietet eine mindestens ebenso eindrucksvolle Kulisse für das Massenspektakel wie die Krummleitn. Im Hintergrund ragt die Zugspitze auf, ein paar prächtige Solitärbäume thronen auf den sanften Hügeln rund um die Rennarena. Sie liegt in einer Senke, so dass die Zuschauer zu beiden Seiten wie auf einer Tribüne einen optimalen Blick auf die 100 Meter lange Rennbahn haben. Alle vier Jahre nur laden „d’ Ochserer“ aus Münsing zu ihrem Gaudi-Wettlauf ein, der seit 1996 stetig mehr Zuschauer anlockt. Mit bis zu 10 000 rechnen die Veranstalter am 28. August – eine organisatorische und logistische Meisterleistung für die 4000-Einwohner-Seegemeinde. Denn außer den 28 „Ochserern“ werden die Gemeinde, die Feuerwehren, die Polizei und das Bayerische Rote Kreuz an dem Sonntag im Dauereinsatz sein.

Thomas Sellmeier von der Münsinger Feuerwehr hat bereits ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Straßensperrungen, Parkplätze, Rettungswege: An alles muss gedacht sein, auch wenn bei den vergangenen Ochsenrennen zum Glück noch nie etwas passiert ist. Der Ochserer-Vorsitzende Peter Bauer führt das auch auf die Bittgänge zurück, die die Vereinsmitglieder jedes Jahr zur Staudacher Kapelle unternehmen. Für einen unfallfreien Ablauf beten die jungen Frauen und Männer, aber auch für schönes Wetter.

Die alte Garde um Joseph Großmann und Thomas Sebald hat den Vereinsvorsitz mittlerweile in jüngere Hände gelegt. Der Zimmerer Peter Bauer ist 29 Jahre alt, sein Stellvertreter Anton Leinbach 26. Amelie Bernlochner (21) und Evi Leinbach (26) kümmern sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Kasse wird von Michael Bruckmeir und Jakob Mair verwaltet.

Amelie Bernlochner trainiert mit „King Louis“

Soweit es ihre Pflichten als Veranstalter zulassen, wollen sich die Vorstandsmitglieder auch selbst als Jockeys betätigen. Amelie Bernlochner übt schon seit zwei Jahren mit „King Louis“ aus dem Stall ihres Vaters. Von Geburt an werden die Jungbullen, die beim Rennen mindestens 30 Monate alt sein müssen, auf ihre Aufgabe vorbereitet. „Sie werden gestreichelt, am Strick herumgeführt, an Menschen gewöhnt und zum Schluss geritten“, berichtet Bernlochner. Es sei wichtig, dass nur brave Tiere teilnehmen, ergänzt Peter Bauer. Allein beim Festzug, der sich am 28. August ab 13 Uhr vom Hartlweg zur Arena auf den Weg macht, trotten die geschmückten Ochsen mit ihren Besitzern und Reitern dicht an den Zuschauern am Straßenrand vorbei. Da stehen kleine Kinder, bellende Hunde und, wie Bauer aus Erfahrung weiß, leider auch immer Fotografen und Kameraleute, die sich den Ochsen quasi vor die Füße werfen – auf der Jagd nach einem tollen Motiv. Um 14 Uhr fällt der Startschuss für die sechs Frauen und 14 Männer auf ihren Rindviechern, ihren Murnau-Werdenfelsern und Pinzgauern.

Es gibt mehrere Vorrunden mit je vier bis sechs Ochsen. Die schnellsten zwei kommen jeweils weiter. Die Langsameren erhalten in Hoffnungsläufen eine zweite Chance, ins Viertelfinale zu gelangen. Das Publikum kann Wetten abschließen. Attraktive Preise wie zum Beispiel eine Reise locken. Das Festzelt steht von Donnerstag, 25. August, an am Hartlweg. Rund um die Arena soll es Getränke- und Essensstände geben.

Etwas Feines zum Fressen bekommen natürlich auch die Protagonisten des Tages. Peter Bauers „Pauli“ ist kein großer Gourmet. Während andere Rinder Äpfel oder Bananen bevorzugen, mag der stattliche Pinzgauer am liebsten trockenes Brot, wie sein Reiter erzählt. Das hat Bauer bei jedem Training dabei und am späten Nachmittag des 28. August wird’s eine Extraportion davon geben: ganz egal, wie der Zweieinhalbjährige abgeschnitten hat. Denn nicht das Siegen, sondern der Spaß steht beim Ochsenrennen im Vordergrund.

Das Programm

Am Donnerstagabend (25. August) ist Bieranstich im Festzelt am Hartlweg. Es gibt eine Trachtenmodenschau zu sehen. Am Freitagabend lädt der Münsinger Burschenverein ein. Die Band „Ansatzlos“ spielt. Am Samstag veranstalten die Burschen ein Oldtimer-Treffen. Abends ist Tanzlmusi angesagt. Der Sonntag beginnt mit einem Frühschoppen mit der Blaskapelle Degerndorf. Für 13 Uhr ist der Festzug mit der Münsinger Musikkapelle vorneweg geplant, der Start des Rennens für 14 Uhr. Ab 16 Uhr spielt die Musikkapelle Holzhausen im Zelt zum Festausklang.

Tanja Lühr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tag der offenen Tür: „Wir wollen ein Zeichen setzen“
Mit einem Tag der Offenen Tür machte die Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik am Sonntag auf ihre gute Arbeit – aber vor allem auf ihre akuten Sorgen …
Tag der offenen Tür: „Wir wollen ein Zeichen setzen“
Geretsrieder (26) klaut Handy und will es online verkaufen
Die Polizei hat einen Handydieb ausfindig gemacht, der das gestohlene Gerät im Internet verkaufen wollte. Opfer des Mannes war eine junge Geretsriederin. 
Geretsrieder (26) klaut Handy und will es online verkaufen
Eurasburger Feuerwehr: Neues System für Großübung
Dichter Rauch dringt aus einem brennenden Bauernhaus. Vier Menschen werden vermisst, vermutlich befinden sie sich noch in dem Anwesen. Nun sind die Spezialisten gefragt, …
Eurasburger Feuerwehr: Neues System für Großübung
Gold und Bargeld geklaut: Polizei schnappt zwei Geretsrieder
Zwei Diebe wurden am Wochenende in Geretsried auf frischer Tat ertappt. Weil eine 32-jährige Geretsriederin ein gestohlenes Armband verkaufen wollte, kam ihr die Polizei …
Gold und Bargeld geklaut: Polizei schnappt zwei Geretsrieder

Kommentare