Röntgenbilder und Patientenakten: Der einstige Betreiber der Klinik in Ambach, „Sanacare Italien“, hat nach der Insolvenz 2004 viele sensible Unterlagen einfach zurückgelassen. Sie hätten vernichtet werden müssen. Foto: red
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Röntgenbilder und Patientenakten: Der einstige Betreiber der Klinik in Ambach, „Sanacare Italien“, hat nach der Insolvenz 2004 viele sensible Unterlagen einfach zurückgelassen. Sie hätten vernichtet werden müssen.

Weitere Einbrüche

Patientenakten in Ex-Klinik: Eigentümer erstattet Anzeige

Ambach/Unterhaching – Es gab weitere Einbrüche, ein Kamerateam von „ARD brisant“ war vor Ort und das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat sich eingeschaltet: In der ehemaligen Wiedemann-Klinik in Ambach, in der sensible Patientenakten offen herumliegen, kehrt keine Ruhe ein.

Der Eigentümer des Geländes, das Unterhachinger Unternehmen „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) hat mittlerweile einen Wachdienst beauftragt, der das Grundstück am Simetsberg- und am Pilotyweg zusätzlich zu den aufgestellten Bauzäunen vor Einbrechern schützen soll. Am vergangenen Wochenende hatten sich sechs Männer Zutritt zu einstigen Patientenzimmern verschafft, indem sie Scheiben einschlugen. Sie wurden dank eines aufmerksamen Nachbarn von der Polizei in flagranti ertappt und wegen Hausfriedensbruchs angezeigt.

Das KWA betont in einer Pressemitteilung nochmals, nicht verantwortlich dafür zu sein, dass sich in den Gebäuden Röntgenbilder, Patientenakten, Mitarbeiterbewerbungen, Kontoauszüge und andere Unterlagen befinden. Sie seien vom letzten Betreiber – „Sanacare Italien“ – nach dessen Insolvenz 2004 einfach liegengelassen worden. Unter dem Material entdeckten anonyme Eindringlinge wie berichtet unter anderem das Deckblatt der Krankenakte des Schauspielers Klaus-Jürgen Wussow und spielten entsprechende Fotos unserer Zeitung zu.

Man habe das gesamte, als sensibel erkennbare Material unverzüglich nach dem Kauf der Gebäude im April dieses Jahres gesichert, erklärt KWA-Pressesprecherin Sieglinde Hankele gegenüber unserer Zeitung. Trotzdem seien nach diversen Einbrüchen weitere Akten in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Bis zur ordnungsgemäßen Entsorgung der Schriftstücke habe man jetzt den Wachdienst engagiert. „Zur Klärung des rechtskonformen Umgangs mit den sensiblen Daten“ hätten KWA-Vertreter sich vergangenen Dienstag mit Mitarbeitern des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht auf dem Grundstück in Ambach getroffen. Nach Einschätzung der zuständigen Mitarbeiterin, so Hankele, hätten „die aufgefundenen Patientenakten und Röntgenbilder dort nicht zurückgelassen werden dürfen“. Die ehemaligen Klinikbetreiber und Ärzte hätten es versäumt, diese Unterlagen datenschutzkonform zu versorgen. Sie würden die Verantwortung für deren Verbleib auf dem Gelände tragen.

Die Datenbestände sollen nun sach- und fachgerecht vernichtet werden. „Wir haben die verantwortlichen Stellen dazu aufgefordert, das sicherzustellen und dafür in Absprache mit dem Landesamt für Datenschutzaufsicht einen angemessenen Zeitraum eingeräumt“, erklärt die KWA-Pressesprecherin. Da der Verdacht bestehe, dass gegen gesetzliche Bestimmungen und auch gegen Standesrecht verstoßen worden sei, habe das KWA Strafanzeige gestellt.

Grasl geht Rummel um „Geisterklinik“ auf die Nerven

Der Datenschutzskandal in der einstigen Promiklinik am Starnberger See beschäftigt mittlerweile auch das Fernsehen. Ein Team des Boulevardmagazins „ARD brisant“ war ebenfalls vergangenen Dienstag vor Ort. Bürgermeister Michael Grasl wurde um ein Interview gebeten, das er aber ablehnte, wie er auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. „Die Gemeinde hat mit dem Datenschutz auf einem Privatgrundstück rein gar nichts zu tun. Ich will jetzt nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen“, erklärt Rathauschef Grasl, dem der Rummel um die „Geisterklinik“ in seiner Gemeinde allmählich auf die Nerven geht.

von Tanja Lühr

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