Verspätungen auf der Stammstrecke - aus zwei Gründen

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Kunstprojekt in der Geisterklinik: Das Projekt „Lunastrom“ stellte für einen Film die Geschichte des Wiedemann-Sanatoriums in Ambach nach. Zu der nächtlichen Party in den baufälligen Räumen kamen 200 Personen.

Film wird im Lenbachhaus gezeigt

Ambacher Geisterklinik: Künstler feierten irre Party

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Münsing - Ein Kunstprojekt hat dem leerstehenden Wiedemann-Sanatorium Leben eingehaucht. Ein Film darüber wird im Lenbachhaus gezeigt.

Die Freunde der Subkultur ließen sich überraschen. Das Ziel ihrer Reise am Samstag vor zwei Wochen war streng geheim. Sie machten sich auf den Weg zu einem „geschichtsträchtigen, dem Untergang geweihten Gebäude“, erklärten die Veranstalter im Vorfeld. Am Zentralen Omnibus-Bahnhof an der Hackerbrücke in München stiegen die Teilnehmer in drei Busse. Eine Dreiviertelstunde später kamen sie am ehemaligen Wiedemann-Sanatorium in Ambach an. Eine Nacht lang erweckten rund 200 Personen die baufälligen Räume der stillgelegten Privatklinik am Starnberger See wieder zum Leben. Für ein Filmprojekt feierten sie eine Party. Das Motto: „Zwischen Wahn und Heilung“.

Klinik war wegen Datenleck in den Schlagzeilen

Wie berichtet steht die ehemalige Wiedemann-Klinik seit Jahren leer. In dieser Woche machte das Areal Schlagzeilen, weil dort nach Erkenntnissen unserer Zeitung noch immer Patientenakten und Röntgenbilder Prominenter herumliegen. Das hat Bayerns Datenschützer auf den Plan gerufen.

Marc Zimmermann, Organisator der "Lunastar"-Kunstaktion

Radiomoderator und DJ Marc Zimmermann, 45, gehört zu den Organisatoren der Party, die mit Erlaubnis des Gebäudeeigentümers Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) vor Bekanntwerden des Datenlecks in den Klinikräumen stattgefunden hat.

 

Seit 15 Jahren macht das Projekt „Lunastrom“ Musik, Licht und verschiedene künstlerische Darstellungen an außergewöhnlichen Plätzen erlebbar. „Die Geschichte und Architektur des Orts spielen dabei eine entscheidende Rolle.“ Das Projekt zeigt, wie stark die Faszination alter verlassener Gebäude für viele Menschen ist.

Aufwändige Lichtinstallationen wurden wochenlang vorbereitet

Zwei Wochen lang liefen die Vorbereitungen in der ehemaligen Wiedemann-Klinik. Lichtinstallation und Nebelanlagen: Mit Akribie entstand eine andere Realität, sagt Zimmermann. Die Partygäste waren zeitgleich Statisten. Manche liefen zum Beispiel in Doktorkitteln herum. Bands spielten, DJs legten Musik auf.

Die Künstlerin Anna McCarthy und ihr Team hielten die so genannte Performance mit Kameras fest – als Grundlage für einen Kunstfilm, der Ende Juli im Kunstbau des Lenbachhauses in München gezeigt werden soll. Darin wird die Geschichte der ehemaligen Wiedemann-Klinik nacherzählt. Basierend auf Fakten, aber verfremdet.

Die Party dauerte die ganze Nacht

Die Party dauerte die ganze Nacht. In einem gefliesten Raum gab es Wand-Projektionen. In einem Bett lag ein Schauspieler als Patient. Ein Schlauch mit Kunstblut an seinem Arm simulierte eine Blutentnahme. Daneben spielte ein Keyboarder. So entstanden beeindruckende Fotoaufnahmen.

Die ehemalige Wiedemann-Klinik gleicht einer Bauruine. Die Gebäude sollen abgerissen werden.

Die Rückmeldungen waren sehr positiv, sagt Zimmermann. „Dass unsere Gäste dieses neue Lunastrom-Konzept so gut angenommen haben, eröffnet für die Zukunft ganz neue Optionen.“ In dem ehemaligen Wiedemann-Areal war die Aktion jedoch eine einmalige Sache. Sie war vom KWA genehmigt worden, noch bevor der Besitzübergang stattgefunden hat, teilt der Vorstand mit. Weitere Genehmigungen werde es nicht geben. Das sei von vornherein klar gewesen. Die Gebäude sollen einem Neubau für ein Seniorenwohnstift weichen. „Ob möglicherweise seit Jahren dort Partys gefeiert wurden, entzieht sich unserer Kenntnis.“
 
Auch die Künstler von „Lunastrom“ haben alte Akten bei den Vorbereitungen zur Party in den Räumen gefunden. „Wir haben sie beiseite geräumt“, sagt Zimmermann.

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