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Auszeichnung für Schwabinger Künstler

Pocci-Preis für Gerhard Weiß

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Die Pocci-Gesellschaft Münsing hat dem Schwabinger Künstler Gerhard Weiß und seinem Figurentheater „I piccoli“ den Pocci-Preis 2017 verliehen. Seine Leidenschaft und seine Liebe zum Detail machen Weiß zu einem würdigen Preisträger.

Münsing/München – Franz Graf von Pocci (1807 bis 1876) ist als Schöpfer von über 40 Puppenkomödien bekann. Ihr Held: der Kasperl Larifari. Pocci, aus diesem Grund auch „Kasperlgraf“ genannt, hatte darüber hinaus als hoher Hofbeamter großen Anteil am kulturellen Leben unter drei bayerischen Königen, nämlich Ludwig I., Max II., und Ludwig II.. In seinen tausenden von Karikaturen spiegelt sich das München der damaligen Zeit wider. Seine besondere Liebe zu den Kindern spricht aus der Fülle seiner Bilderbücher, Illustrationen und Liedern. Im Jahr 2002 hat sich unter der Leitung von Dr. Michael Köhle in Münsing die Pocci-Gesellschaft gegründet. Ihr Zweck: die Erinnerung an den Künstler lebendig halten, der 30 Jahre lang in seinem Ammerlander Sommerschloss residierte. Seit 2006 wird der Pocci-Preis vergeben, so 2012 an den Eglinger Siegfried Böhmke und das Münchner Marionettentheater, 2014 an das Tölzer Marionettentheater – und jetzt, 2017, an Gerhard Weiß.

Pocci diente unter drei bayerischen Königen nacheinander

Eigentlich war es bislang üblich, dass die Preisübergabe in den jeweiligen Theatern stattfand. Das war diesmal nicht möglich. Denn: Das Figurentheater von Gerhard Weiß an der Schwabinger Marktstraße 16 war viel zu klein, um die 130 Gäste aus der Kulturszene zu fassen. Also wich man ins Stadtarchiv aus, wo Köhle dem Preisträger die Statuette übergab. Dr. Michael Stephan, Leiter des Stadtarchivs und Zweiter Vorsitzender der Pocci-Gesellschaft hielt die Laudatio. Darin bezeichnete er den gelernten Fotografen Weiß als einen im besten Sinne „Theaterbesessenen“. Als Beispiel nannte Stephan dessen Historienstück „Sendlinger Mordweihnacht“ aus dem Jahr 2005, das Weiß zum 300. Jahrestag der Revolte gegen die österreichischen Besatzer geschrieben und aufgeführt hat. Oder das Stück „Der Löwe, der Schuss, und der Affe“. Darin führt ein Kindheitstraum den Gründer von München, Herzog Heinrich, zu verschiedenen Stationen der Stadtgeschichte. Man sieht schon: Weiß hat keine Angst vor großen historischen Stoffen, die er mit seinen Figuren extrem verknappt. Im Stadtarchiv gab er eine Kostprobe seines Könnens und straffte das Münchner Geschichtsspektakel auf gerade mal die Hälfte zusammen.

Voll des Lobes war Stephan auch über den Aufführungsort des Figurentheaters, die Weißsche Wohnung im vierten Stock eines Altbaus. „Alles ist vollgestellt mit Sammlungs- und Erinnerungsstücken, Reisesouvenirs, und vor allem Masken, Masken, Masken.“ Das Schlafzimmer ist die Bühne, die Küche ist Theaterbar. Ziemlich schräg – das hätte Pocci sicher gefallen.

Rubriklistenbild: © Foto: MM-Archiv

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