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Offen liegen Röntgenbilder von früheren Patienten in der geschlossenen Wiedemann-Klinik am Ostufer des Starnberger Sees herum. Patienten waren unter anderrem Klausjürgen Wussow und Inge Meysel.

Röntgenbilder und Rezepte aufgetaucht

Promi-Akten in Geisterklinik: Staatsanwalt eingeschaltet

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Münsing - Harald Juhnke, Klausjürgen Wussow und Inge Meysel: Viele Promis ließen sich in Ambach behandeln. Ihre Krankenakten liegen offen herum. Jetzt ist der Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Jetzt beschäftigen sich Bayerns Datenschützer mit dem ehemaligen Wiedemann-Sanatorium am Starnberger See. In der Donnerstagsausgabe hatte unsere Zeitung von sensiblen Patientendaten berichtet, die sich in den baufälligen Gebäuden in Ambach befinden. Alte Röntgenbilder, Befunde und Rezepte sowie Unterlagen des Betriebsrats zu Tarifverhandlungen, Bewerbungen und Weihnachtsgeld: Alles liegt frei zugänglich in Schränken und am Boden.

Viele Unterlagen Prominenter liegen in der Klinik herum

Als Prof. Brinkmann trat Schauspieler Klausjürgen Wussow in der "Schwarzwald-Klinik" auf.

Fotoaufnahmen zeigen unter anderem einen Röntgenbild-Umschlag von Klausjürgen Wussow, bekannter Schauspieler aus der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik“.
 
Er ließ sich wie viele andere Prominente in der Klinik behandeln. Die Bilder aus der Klinik sind vor drei Tagen entstanden und wurden unserer Zeitung zugespielt. Sie belegen einen Datenschutz-Skandal.

Die Datenschützer gehen der Sache nach

Prof. Dr. Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragte für den Datenschutz, hat den Fall an das Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach abgegeben. Die Experten dort sind für die Privatwirtschaft zuständig. Zur Aufbewahrung von ärztlichen Unterlagen gibt es strenge Vorschriften. Röntgenbilder müssten beispielsweise in der Regel nach zehn Jahren vernichtet werden, sagt Petri. Zudem müssen Patientendaten nach Ende der Behandlung in speziellen Archiven geschützt werden. Die Akten, die in Ambach herumliegen, sind teilweise 30 Jahre alt.

Auch die Polizei fand Patientenbefunde auf der Straße

Die Wolfratshauser Polizei ist vor einigen Wochen auf Krankenakten in dem ehemaligen Sanatorium aufmerksam geworden. Auf der Straße lagen Befunde eines früheren Patienten, sagt Vize-Dienststellenleiter Christian Neubert. Möglicherweise hätten Jugendliche die Unterlagen entwendet. Die Polizei habe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Auf dem Klinikgelände soll ein Seniorenwohnstift gebaut werden

Die Geschichte der Privatklinik begann im Jahr 1956. Dr. Fritz Wiedemann behandelte mit Vitaminen, Homöopathie, Akupunktur und Ozontherapie. 2004 übernahm das italienische Unternehmen Sanacare. Ein Jahr später war das Unternehmen pleite und verschwand. Im April kaufte das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) das Grundstück. Das Unternehmen will wie berichtet die alten Gebäude abreißen und ein Seniorenwohnstift bauen. Das Projekt ist umstritten.

In einer Stellungnahme betont der KWA-Vorstand, alle als sensibel eingestuften Patientenakten und Röntgenbilder vor elf Tagen entfernt zu haben. „Was Menschen, die rechtswidrigerweise auf dem Grundstück waren, von dort mitgenommen haben und jetzt möglicherweise gegen KWA einzusetzen versuchen, entzieht sich unserer Kenntnis.“ Nach dem Bericht in unserer Zeitung habe der Kuratoriumsvorstand mit dem Baumanagement gesprochen, erklärt Sprecherin Sieglinde Hankele. Die Räume würden zeitnah weiter ausgeräumt. Das Gebäude werde so gesichert, wie es auf Baustellen üblich sei.

dor

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