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Ein Kraftakt: Tom Carstens (li.) und zwei befreundete Schmiede bearbeiten gemeinsam einen Friedensnagel. Er wird zusammen mit hunderten weiterer Exemplare am 29. September in der Domstadt Köln für einen guten Zweck versteigert.

In der Werkstatt von Tom Carstens

Schmieden für den Frieden: In Münsing entstehen besondere Nägel

In der Werkstatt des Degerndorfer Schmiedemeisters Tom Carstens entstehen sogenannte Friedensnägel. Sie werden Ende September in der Kölner Dombauhütte für einen guten Zweck versteigert.

Degerndorf – Das rhythmische Schlagen der Hämmer dringt aus der offenen Werkstatt von Tom Carstens. Drinnen lodert das Feuer in der Esse. Es ist heiß und es riecht nach Metall. Zwei Männer und eine Frau bearbeiten abwechselnd ein etwa 20 Zentimeter langes Stück Eisen mit einem runden Kopf – einen überdimensionierten Nagel. Genauer gesagt einen Friedensnagel. Er wird zusammen mit hunderten weiterer Exemplare am 29. September in der Kölner Dombauhütte für einen guten Zweck versteigert. Das Geld fließt in den Schulunterricht und die psychosoziale Betreuung syrischer Flüchtlingskinder und bedürftiger libanesischer Kinder in der Sankt-Rita-Schule in Zahleh/Libanon.

Die jährliche Benefizveranstaltung „Schmieden für den Frieden“ wurde unter anderem von dem Degerndorfer Schmiedemeister Tom Carstens ins Leben gerufen. Unter der Schirmherrschaft von Rainer Maria Kardinal Woelki und organisiert vom Schmiedemeister der Kölner Dombauhütte, Thomas Hecker, findet die Veranstaltung heuer im Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren statt. Metallgestalter aus ganz Deutschland und Europa fertigen die Nägel vor dem Termin in ihren Betrieben, so auch in Degerndorf in der oberbayerischen Gemeinde Münsing.

In die noch glühenden Nagelköpfe wird das Logo der Aktion, die Friedenstaube mit dem Wort „Peace“, eingestanzt. Den Nagelschaft ziert das Zeichen der Domwallfahrt, die drei Kronen der Heiligen Drei Könige, sowie eine fortlaufende Nummer. Jedes Unikat kann – inklusive Zertifikat – für eine Spende von 100 Euro erworben werden.

Etwa 70 dieser Nägel entstanden in Carstens’ Werkstatt. Befreundete Schmiede wie Thomas Hecker und Kollegen aus der Umgebung arbeiteten gemeinsam an dem Projekt. Auch einige Frauen schlugen mit dem Hammer auf das heiße Eisen, um es in Form zu bringen. Mit dem „Offenen Schmieden“ feierte Tom Carstens gleich zwei persönliche Anlässe: seinen 45. Geburtstag und das zehnjährige Bestehen seines Betriebs.

Der Schauspieler Heinz Hoenig, Mitinitiator der Friedensaktion, sowie der Musiker und Hobbyschmied Harold Faltermeyer aus Baldham schauten in Carstens Schmiede vorbei. Über das Kommen der Prominenz freute sich der Gastgeber genau so wie über das seiner Handwerkskollegen und Freunde aus der Umgebung. Viele brachten etwas zum Essen mit, so dass man gerne eine Weile gemütlich zusammensaß. Am Abend schloss sich noch eine Party an.

Seit 2008 lebt und arbeitet der im Rheingau geborene und in Wolfratshausen aufgewachsene Tom Carstens zusammen mit seiner Frau Franziska auf dem Hof in Degerndorf. Er hat sich mit der eigenen Werkstatt einen Kindheitstraum erfüllt. Als Bub habe er die Geschichten über Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren geliebt, erzählt er. Als einmal ein Hufschmied darin aufgetaucht sei, habe ihn dieser Beruf sofort fasziniert. Carstens entschied sich für eine Ausbildung, wurde staatlich anerkannter Hufschmied und Kunstschmied. Mit 25 Jahren bereiste er Europa, die USA und Asien, um zu lernen. Eine Zeit lang arbeitete er mit Alfred Habermann zusammen, einem der bedeutendsten deutschen Kunstschmiedemeister und Metallbildhauer des 20. Jahrhunderts.

Der Degerndorfer ist Vize-Weltmeister der in Italien ausgetragenen Schmiede-Biennale. Schaut man sich vor und in der Werkstatt an der Angerbreite um, bekommt man einen Eindruck von der Vielfalt seines Schaffens. der 45-Jährige repariert Gebrauchsgegenstände, gestaltet Schmuckstücke und Dekorationsobjekte, fertigt Skulpturen und Grabschmuck, macht Zäune, Balkongitter und Gartentore. Seine Schmiede ist zudem ein Ort der Begegnung. Hier kommen Menschen zusammen, die wie er vom Werkstoff Metall und seiner Verarbeitung fasziniert sind. Kindergärten und Schulen sind Tom und Franziska Carstens willkommen, es gibt Seminare für Vereine und Firmen. Jeder Schmied, der vorbeikommt, hinterlässt einen Nagel mit seinen Initialen im „Nagelbaum“. tal

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