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Münsings Bürgermeister Michael Grasl reicht den Gegnern des geplanten Seniorenwohnstifts in Ambach die Hand. Er stellt einen Kompromiss in Aussicht.

„Schnelles Durchdrücken liegt uns fern“

Seniorenstift Ambach: Kommt es zu einem Kompromiss?

Münsings Bürgermeister Michael Grasl reicht den Gegnern des geplanten Seniorenwohnstifts in Ambach die Hand. Er stellt einen Kompromiss in Aussicht. Ein Bürgerbegehren ist laut dem Sprecher der Initiative Ambach, Sebastian Wiedemann, dennoch nicht ausgeschlossen.

Münsing - „Die Stimmung im Ort ist schlecht“, sagt Sebastian Wiedemann zwei Tage nach derEntscheidung des Münsinger Gemeinderats. Das Gremium hat wie berichtet am Dienstag die Weichen für den Bau einer Seniorenwohnanlage in Ambach mit rund 80 Wohnungen plus Gemeinschaftseinrichtungen gestellt. Als Grundlage soll der Testentwurf des Städteplaners Christian Weigl dienen.

Wiedemann: „Das passt einfach nicht ins Dorf“

Michael Grasl: „Lasst uns bitte weiter im Gespräch bleiben“, appelliert der Münsinger Bürgermeister an die Gegner des Bauvorhabens. 

Die Kritik der Bürgerinitiative richtet sich in erster Linie gegen das Ausmaß des Vorhabens. „Das passt einfach nicht ins Dorf“, ist der Architekt und Ambacher Wiedemann überzeugt. Am Freitag sei ein Gespräch mit dem Vorstand des Ostuferschutzverbands (OSV) geplant, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Gleichzeitig will Wiedemann alle Gemeinderäte anschreiben und seine Bedenken gegen das „massive Projekt“ noch einma darlegen. Er setze auf die Gesprächsbereitschaft des Bürgermeisters, die er bisher vermisst hat. Sollte das Wohnstift nicht deutlich kleiner und somit für Ambach verträglich ausfallen, wolle er sich als letzte Möglichkeit ein Bürgerbegehren offen halten.

Testentwurf als richtige Herangehensweise

Rathauschef Grasl signalisiert unterdessen in einer Pressemitteilung Kompromissbereitschaft. Zunächst entschuldigt er sich für die beengten Platzverhältnisse in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Nach der Sitzung hatte er erklärt, er sei überrascht gewesen, dass der Gemeinderat mehrheitlich gegen einen Architektenwettbewerb gestimmt habe. Grasl führt die Entscheidung auf „die vielen Mutmaßungen und die harsche Kritik am Projekt, am Träger und am Vorgehen der Gemeinde“ zurück. Gleichzeitig bezeichnet er den Testentwurf des Büros Goergens, Miklautz und Weigl als die richtige Herangehensweise an das schwierig zu überplanende Wiedemann-Grundstück.

Anfang kommender Woche möchte sich Grasl mit dem Grundstückseigentümer, dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), auf einen Termin für eine Bürgerversammlung speziell zum Wohnstift einigen. Die Versammlung soll möglichst noch im März stattfinden. „Vielleicht ergibt sich in der öffentlichen Diskussion doch noch eine Möglichkeit, über mehrere Varianten sachgerecht zu entscheiden“, stellt der Rathauschef in Aussicht.

Grasl: „Mir liegt viel an einem Kompromiss“

Er erinnert daran, dass die Gemeinde durch die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans die Planungshoheit besitzt. Grasl: „Ein schnelles Durchdrücken einer Planung liegt uns fern und wird nicht gelingen. Mir liegt viel an einem Kompromiss und der möglichen Auswahl zwischen mehreren Varianten.“ Von den Kritikern wünscht er sich eine objektivere Sichtweise, mehr Vertrauen in die Arbeit der Gemeinde sowie in die Kompetenz eines seit 50 Jahren tätigen Fachträgers für Seniorenwohnstifte und Geriatrie.

Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht

Einen Bürgerentscheid fürchtet Grasl nicht, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Seiner Meinung nach erkennt der Großteil der Münsinger die Notwendigkeit einer Senioreneinrichtung, die auch eine Tagespflege beinhalten soll – und von der die Seegemeinde insgesamt profitieren könne. „Lasst uns bitte weiter im Gespräch bleiben. Gehen wir aufeinander zu“, appelliert Grasl an die Gegner.

Von Tanja Lühr

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