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Seniorenstift Ambach: Bürgermeister Michael Grasl über Meilensteine und unterstellte Tricksereien

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Eine Visualisierung des Seniorenstifts
Altersresidenz im Grünen: So soll das Seniorenstift in Ambach einmal aussehen. © Visualisierung Matteo Thun

Um das Projekt im Münsinger Ortsteil Ambach wird hart gerungen. Im Interview spricht Bürgermeister Michael Grasl über das Projekt.

Münsing – Sechs Jahre, nachdem das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) das Wiedemann-Grundstück am Simetsbergweg in Ambach gekauft hat, hat der Gemeinderat vergangene Woche den sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan als Satzung verabschiedet. Einen Eilantrag der Initiatoren des Bürgerbegehrens „Seniorenanlage in Ambach kleiner planen!“, dies zu unterlassen, hatte das Bayerische Verwaltungsgericht abgelehnt. Die Gegner bezweifeln, dass die Berechnung der Grundflächen und Baumassen durch den Architekt der Gemeinde richtig ist. Der Neubau – so der Vorwurf – falle also tatsächlich größer aus als der Bestand. Dem ist jedoch nicht so. Jetzt ist der Weg für den Investor frei, einen Bauantrag zu stellen. Wie berichtet hat das Unternehmen mit Sitz in Unterhaching vor, die Ruinen auf dem ehemaligen Sanatoriumsgelände abzureißen und nach den Entwürfen des Mailänder Stararchitekten Matteo Thun 80 Wohnungen, ein Restaurant und ein Schwimmbad sowie Gemeinschaftsräume zu errichten. Wir sprachen mit Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) über diesen Meilenstein in der Entwicklung.

Michael Grasl
Bürgermeister von Münsing: Michael Grasl © Sabine Hermsdorf-Hiss

Seniorenstift Ambach: Bürgermeister Michael Grasl über Meilensteine und unterstellte Tricksereien

Herr Grasl, was genau bedeutet der vorhabenbezogene Bebauungsplan, der jetzt vom Gemeinderat mit nur einer Gegenstimme (Professor Dr. Matthias Richter-Turtur, Grüne) als Satzung verabschiedet wurde, genau?

Grasl: Dass der Bebauungsplan auch so umgesetzt wird und der Bauantrag exakt diesem Plan entsprechen muss. Die befürchtete Mehrung von Baurecht ist damit nicht mehr möglich. Der Vorhabenträger muss sich inhaltlich und fristmäßig hundertprozentig an die Satzung und den notariell beurkundeten Durchführungsvertrag halten. Diese Rechtssicherheit und Klarheit gab es früher mangels Bebauungsplan zu keiner Zeit, was ja immer wieder zu Erweiterungen ohne jegliche Bauleitplanung geführt hat.

Gegner der Altersresidenz: Gibt es eine Beschwerde an Verwaltungsgerichtshof?

Welche rechtlichen Möglichkeiten hätten die Gegner des Projekts jetzt noch?

Grasl: Es ist eine Beschwerde am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof möglich. So steht es im Urteil des Gerichts.

Rechnet die Gemeinde noch heuer mit einem Abriss- und Bauantrag durch KWA?

Grasl: Ja, wir rechnen damit. Aber die Frage müsste eigentlich KWA beantworten.

Tagespflege und Seniorenstift: Münsing hat Verträge genehmigt

Immer wieder drängen Münsinger Bürger und Gemeinderäte auf die Tagespflege. Ist sie im Vertrag mit KWA verankert?

Grasl: Selbstverständlich ist alles so geregelt, wie es der Gemeinderat immer vorgegeben hat. Auch die Tagespflege. Der Gemeinderat hat die Verträge bereits genehmigt – auch wenn das vielleicht immer noch angezweifelt wird, was ich nicht nachvollziehen kann. Anscheinend vertrauen manche der Gemeinde immer noch nicht.

Das klingt etwas frustriert. Der Streit um die Seniorenwohnanlage hat Sie persönlich sehr belastet?

Grasl: Ja, das hat er. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass uns beinahe ein Gericht daran gehindert hätte, ein seit fünf Jahren laufendes öffentliches Verfahren abzuschließen. Aber jetzt liegt die erfolgreiche Umsetzung des Projekts nicht mehr bei der Gemeinde. Dass ich mich hier ständig für ein gutes Projekt und Mehrheitsentscheidungen rechtfertigen musste, hat mich und uns als Verwaltung tatsächlich sehr belastet. KWA muss jetzt in Ambach ankommen und alles dafür tun, ein Teil des Orts zu werden. Noch immer kann ich nicht verstehen, warum das Seniorenwohnstift so bekämpft wurde, und ich kann nicht glauben, dass uns Trickserei unterstellt wird (von Gemeinderat Richter-Turtur, Anmerkung der Redaktion). Das verstößt eigentlich schon gegen die Berufsehre der Verwaltung, unserer Planer, des beratenden Anwalts und meiner Person. Wir haben alle etwas gelernt und sind keine Anfänger.

Es gibt ja auch genügend Befürworter der Anlage.

Grasl: Es ist im ganzen Landkreis und darüber hinaus wohl einmalig, dass eine Einrichtung für Senioren als Störung empfunden wird. Die jüngste Seniorenbefragung hat genau das Gegenteil ergeben: Viele wünschen sich die Wohnanlage samt Tagespflege dringend. Der Bedarf wäre jetzt schon da. Letztlich werden viele profitieren. Vom Handwerker über medizinische Dienstleister bis hin zu Gastro und Einzelhandel.

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