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Seniorenwohnstift: Bürgerbegehren in letzter Minute

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Das Ambacher Seniorenwohnstift im Modell
Das Seniorenwohnstift im Modell: Auf dem ehemaligen Klinikgelände sollen 79 Wohnungen entstehen. © Tanja Lühr

Drei Bürger wollen das geplante Seniorenwohnstift des Unternehmens „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) im Münsinger Ortsteil Ambach stoppen: Sie haben ein Bürgerbegehren initiiert.

Münsing – Gerade liegt die zweite Fassung des Bebauungsplans für das Grundstück, auf dem das Stift gebaut werden soll, öffentlich bis 18. Oktober aus. Danach würde der Gemeinderat die Einwendungen erneut behandeln und den Plan im Fall einer Ratsmehrheit zur Genehmigung an das Landratsamt schicken. Doch jetzt, quasi in letzter Minute, wollen drei Bürger das Projekt mit 80 Seniorenwohnungen, Restaurant, Gemeinschaftsräumen, Tagespflege, Schwimmbad und Park stoppen.

Anatol Regnier Der Ambacher Schauspieler, Schriftsteller und Chansonier ist einer der drei Initiatoren des Bürgerbegehrens.
Anatol Regnier Der Ambacher Schauspieler, Schriftsteller und Chansonier ist einer der drei Initiatoren des Bürgerbegehrens. © privat

Anatol Regnier, Dr. Agnete von Specht und Alexandra Theiss fordern, dass die Baukörper kleiner werden und somit weniger Wohnungen entstehen. Es soll bei dem Bauvolumen der aufgegebenen, ehemaligen Wiedemann-Klinik auf dem Gelände bleiben, damit nicht mehr Boden als bisher versiegelt wird. Wörtlich heißt es in der Unterschriftenliste, die unserer Zeitung vorliegt: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Münsing im Bauleitverfahren (…) höchstens eine bebaubare Grundfläche und den umbauten Raum entsprechend der Bebauung der ehemaligen Wiedemann-Klinik zulässt und den bestehenden Bebauungsplanentwurf entsprechend abändert?“

Bis zum Schluss auf Kompromiss gehofft

Die drei Bürger aus Ambach und Münsing sind der Meinung, dass die KWA-Wohnanlage „das idyllische Dorf Ambach“ und die Gemeinde Münsing in vieler Hinsicht überfordern würde und dem Rahmenplan, der den Erhalt der Kulturlandschaft Ostufer Starnberger See zum Ziel hat, widerspreche. Sie wollen eine kleinere und den örtlichen Gegebenheiten angepasste Planung. Mit dem Bürgerbegehren hätten sie so lange gewartet, weil sie bis zum Schluss auf einen Kompromiss gehofft hätten, sagen sie.

Der Ambacher Schauspieler, Schriftsteller und Chansonier Anatol Regnier schreibt in einer Pressemitteilung, KWA halte leider „unbeirrt“ an seinen Plänen fest. Der Gemeinderat wiederum sei bisher nicht in der Lage oder willens, Zusagen des Investors hinsichtlich einer umweltverträglicheren und mehr am Wohl der Gemeinde orientierten Gestaltung des Projekts einzufordern. Das tun seit Bekanntwerden der Entwürfe des italienischen Architekten Matteo Thun immer wieder vor allem Anwohner und Mitglieder des Ostuferschutzverbands. Auch die beiden Grünen-Räte Christine Mair und Prof. Dr. Matthias Richter-Turtur halten den Neubau für überdimensioniert.

Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) findet, dass das Bürgerbegehren reichlich spät kommt, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt. Er bedauert, dass das Vorhaben eines bundesweit erfahrenen Trägers weiterhin „skandalisiert“ werde. Es würden Stimmungen erzeugt, „die nicht den Fakten entsprechen“, womit Grasl die Angaben zur bisherigen und künftigen überbauten Fläche in der Unterschriftenliste meint.

Bürgermeister: Mehrwert für Gemeinde außer Acht gelassen

Außer Acht gelassen werde mal wieder der zu erwartende Mehrwert für die Gemeinde: Wohnungen, die wohl überwiegend von Senioren aus der Umgebung bezogen würden, eine Tagespflege, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Belebung von Handwerk und Gastronomie. Er werde „gelassen“ abwarten, ob das Begehren zulässig sei, sagt Grasl. Erst dann werde der Gemeinderat weitere Optionen prüfen.

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Die Vorstandsvorsitzenden von KWA waren am Freitag nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Damit es zum Bürgerbegehren kommt, benötigen die Projektgegner zunächst 329 Unterschriften. Das sind zehn Prozent der insgesamt 3297 Wahlberechtigten in Münsing. Laut einer der Initiatoren haben bereits rund 100 Münsinger unterzeichnet. Der Gemeinderat entscheidet dann über die Zulässigkeit des Anliegens. Möglich ist, dass es dann zum Bürgerentscheid kommt. Dieser gilt als angenommen, wenn sich mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten am Wahlvorgang beteiligen und davon über die Hälfte dem Anliegen zustimmen.  

tal

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