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Dass das Milchhäusl an der Münsinger Hauptstraße sozialem Wohnungabau weichen soll, beschäftigt einige Nachbarn.

Haus mit 14 sozial geförderten Wohnungen

Sozialer Wohnungbau im Milchhäusl? Nachbar will Auskunft

Münsing – In einem offenen Brief an unsere Zeitung und an Bürgermeister Michael Grasl beschwert sich Josef Bartl, Anwohner der Bachstraße, über die Pläne für das ehemalige Milchhäusl zwischen Hauptstraße und Bachstraße. Die Gemeinde will dort ein Haus mit 14 sozial geförderten Wohnungen für ihre Bürger bauen.

Bartl, Anwohner der Bachstraße 14 und Familienvater von zwei Kindern, wünscht vom Rathauschef Antworten auf mehrere Fragen. Eher rhetorisch erkundigt er sich, ob das Bauprojekt mit 38 Metern Länge und 14 Metern Höhe von der Bachstraße aus gesehen dem Leitbild der Gemeinde entspreche. Grasl, dem der Brief nicht vorlag, zitiert aus dem Leitbild, es sollen „neue Wohnformen für alle Altersgruppen und Bedürfnisse“ geschaffen werden. Der Bedarf an Wohnungen für Obdachlose, anerkannte Asylbewerber und andere sozial schwache Menschen bestehe zweifelsfrei. Der Bürgermeister erinnert daran, dass der soziale Wohnungsbau von der Regierung von Oberbayern nur unter bestimmten Voraussetzungen finanziell gefördert werde. Dazu gehöre eine möglichst dichte Bebauung in den Zentren.

Josef Bartl aus Münsing

Josef Bartl beklagt weiter, dass in den Plänen von Architekt Wolfgang Adldinger keinerlei Gartenflächen und Räume für harmonisches Miteinander eingezeichnet seien. Auch wenn es sich um Sozialwohnungen handle, sollten die rund 33 Bewohner doch eine „lebenswerte Unterkunft“ erhalten, findet Bartl. Grasl verweist in diesem Punkt wie schon in der Gemeinderatssitzung auf den nahe gelegenen Dorfplatz als Treffpunkt für die Bevölkerung. Er gibt zu, dass die von den Nachbarn bemängelte Zufahrtssituation von der Bachstraße aus zu den Stellplätzen und zur Tiefgarage „überarbeitet“ werden sollte. Dass man rückwärts aus den Stellplätzen auf die Bachstraße fahren und dabei am Spielplatz vorbei müsse, sei sicher nicht optimal. Grasl verspricht – auch was die von Bartl angesprochene Baustellenzeit betrifft –,dass die Gemeinde das Vorhaben in engem Kontakt mit den Nachbarn durchführen werde.
 
Was die von Bartl angezweifelte Wirtschaftlichkeit des Projekts angeht, erklärt der Rathauschef, dass die Regierung von Oberbayern eine Wirtschaftlichkeitsberechnung verlange. Schon allein deshalb werde die Gemeinde bemüht sein, über die „ortsübliche Miete mit sozialem Abschlag“ die Investitionskosten auf lange Sicht hereinzuholen. Den Wunsch der Anwohner nach einem Phantomgerüst, an den Bartl erinnert, werde er nochmals im Gemeinderat vortragen, so Grasl.

Bartl kritisiert schließlich, dass die Gemeinde einen überhöhten Preis für das ehemalige Milchhäusl bezahlt habe. Es habe zwei Bieterverfahren gegeben. Nach dem zweiten sei klar gewesen, dass zwei Nachbarn als Höchstbieter den Zuschlag erhalten hätten. Bartl will wissen: „Warum hat hier die Gemeinde nach Beendigung der zweiten Frist ihr Kaufangebot von 677 000 Euro auf zirka 710 000 Euro erhöht?“ Er weist darauf hin, dass die Verkäuferin des Milchhäusls, die Milchgenossenschaft Münsing, eine Wertermittlung von zwei Immobilienprofis habe erstellen lassen. Beide seien auf einen Grundstückspreis von 550 000 bis 570 000 Euro gekommen. Die Gemeinde habe damit 140 000 Euro zu viel bezahlt.

Grasl erwidert, dass es die Entscheidung der Genossenschaft gewesen, an wen sie verkaufe. Sie unterstütze das Projekt sozialer Wohnungsbau. Die Gemeinde habe die Chance ergriffen, jetzt, wo es im Zuge der Asylpolitik eine „Riesenförderung“ und äußerst günstige Darlehen gebe, ein Grundstück im Ortskern zu erwerben. Grasl: „Ich verstehe die Bedenken der Nachbarn und möchte mit ihnen im Gespräch bleiben. Ich stehe aber hundertprozentig hinter dem Vorhaben, weil wir sozial geförderte Wohnungen brauchen.“ Der offene Brief von Josef Bartl ist im Internet auf seiner Homepage zu finden. Die Adresse lautet www.2bartl.de.

von Tanja Lühr

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