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Einst Promiklinik, heute Bauruine: Das ehemalige Wiedemann-Sanatorium in Ambach verfällt. Der neue Eigentümer will die Gebäude abreißen und ein Seniorenwohnstift bauen. Die Pläne sind umstritten.

Streit um geplantes Seniorenwohnstift

Streit um geplantes Seniorenwohnstift in Ambach

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Münsing – Die neuen Eigentümer der ehemaligen Wiedemann-Klinik in Ambach verteidigen ihr geplantes Seniorenwohnstift. Es würden „haltlose Gerüchte und Mutmaßungen“ kursieren. Die Gegner des Bauprojekts sammeln Unterschriften.

Ein paar Wochen wird es noch dauern. Dann will das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) aus Unterhaching die Öffentlichkeit über sein geplantes Seniorenwohnstift in Ambach informieren. „Wir wollen unserem Planungsbüro keinen Druck machen“, sagt Sprecherin Sieglinde Hankele auf Nachfrage. „Das wird sauber durchlaufen. Es ist ganz normal, dass solche Planungen Zeit brauchen.“

Wie berichtet hat KWA das Grundstück der ehemaligen Wiedemann-Klinik am Starnberger See im April gekauft. Vor elf Tagen, sagt Hankele, erfolgte die notarielle Übergabe. Das ehemalige Sanatorium soll einem Neubau weichen. Das Unternehmen plant ein Seniorenwohnstift. Von 90 Wohnungen samt Aufenthaltsräumen, Gastronomie und Schwimmbad war die Rede. Noch bevor es offizielle Pläne gibt, regt sich Widerstand: Die Initiative Ambach sammelt Unterschriften gegen das Projekt.

Vorstand reagiert auf Aktivitäten der Kritiker

Der Vorstand des Kuratoriums reagiert nun auf die Aktivitäten der Kritiker. Man plane ein Bauwerk, „das Menschen auch noch in zehn und 20 Jahren gefällt und ein behagliches Zuhause bietet“, teilen die Vorstände Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend mit. Futuristisch anmutende Darstellungen der Initiative Ambach seien falsch. Auch ein abfotografierter Grundrissentwurf, den die Initiative im Internet zeigt, habe „ausschließlich ersten Masseermittlungen“ gedient. „Alles, was derzeit an Gerüchten und angeblichen Plänen verbreitet wird, entbehrt jeglicher Grundlage.“

Zudem widerspricht KWA den Äußerungen in der Münsinger Bürgerversammlung, die ein „Senioren-Ghetto“ in Ambach befürchten. Das sei „nicht nur geschmacklos, sondern verbietet sich schlichtweg, aus Respekt vor älteren Menschen“.

Bürgermeister verteidigt neue Eigentümer

Auch Münsings Bürgermeister Michael Grasl findet die Verwendung der Bezeichnung „herabwürdigend, peinlich und völlig unpassend“. Das schreibt er an unsere Zeitung. Auch die Gegner der Senioreneinrichtung würden möglicherweise einmal einen Pflegeplatz benötigen. „Menschen, die in schöner Umgebung leben wollen, werden einkaufen, zum Friseur gehen, Blumen kaufen, Lokale und Veranstaltungen besuchen und sehr viele heimische Handwerker beschäftigen“, so der Bürgermeister. „Darauf legt auch KWA als seriöser Träger Wert.“ Er wünsche sich „eine offenere Diskussion parallel zur baurechtlichen Seite“. KWA werde auf die Sorgen und die sensible Umgebung eingehen, schreibt Grasl. „Die Gemeinde wird sich sehr genau und kritisch auf ihre ortsplanerische Kernaufgabe, die Planungshoheit und den Baumschutz konzentrieren.“

70 Unterschriften gegen Vorhaben gesammelt

Bislang 70 Online-Unterzeichner wehren sich nach dem Aufruf der Initiative Ambach bislang gegen die Pläne des Kuratoriums. Sebastian Wiedemann, Initiator der Unterschriftensammlung, möchte die Liste in etwa zwei Wochen Bürgermeister Grasl übergeben. Nach einem Gespräch mit Grasl im Rathaus seien die Fronten mittlerweile allerdings nicht mehr so verhärtet wie zu Beginn, sagt der Enkel des Sanatorium-Gründers Dr. Fritz Wiedemann. Das KWA sei auf Drängen der Gemeinde bereit, umzuplanen und das Gelände weniger dicht zu bebauen, sagt Wiedemann.

„KWA möchte Ruhe in die Sache bringen“, bestätigt der Bürgermeister. Nach der Sommerpause wolle das Unternehmen die überarbeiteten Pläne öffentlich präsentieren. Die Anlage soll laut Grasl „verträglicher“ werden, „auch von der Gestaltung her“. Gleichzeitig lässt die Gemeinde die Frage nach dem Baurecht juristisch prüfen. Einige Mitglieder des Ostuferschutzverbands bezweifeln, dass die Klinik-Ruinen Bestandsschutz genießen, da sie seinerzeit im eigentlich nicht bebaubaren Außenbereich errichtet worden seien.

Lesen Sie auch: In der ehemaligen Klinik sind sensible Patientenakten gefunden worden. Das belegen Bilder, die unserer Zeitung zugespielt wurden. Bayerns Datenschützer prüfen den Fall.

von Sebastian Dorn und Tanja Lühr

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