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Ein faszinierendes Duo: Die eineiigen Zwillinge Ani (li.) und Nia Sulkhanishvili bezauberten ihr Publikum am Mittwochabend auf Schloss Weidenkam nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrer Mimik und Gestik.

Schloss Weidenkam

Wie ein Pianist mit vier Händen

Mit einer beeindruckenden Harmonie begeisterten die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili ihr Publikum bei einem Konzert in Schloss Weidenkam.

Münsing – Die Schlange der parkenden Autos auf der schmalen Auffahrt zum Schloss Weidenkam war am Mittwoch schier endlos. Füssen, Garmisch, München: Von überall her kamen die Freunde der klassischen Klaviermusik in das zauberhafte kleine Schloss unweit des Starnberger Sees, das jährlich im Hochsommer Meisterkurse für Pianisten anbietet. Im Rahmen dieser Fortbildungsreihe von Prof. Hans-Jürg Strub gibt es vier erlesene Konzertabende, von denen nur einer von den Kursabsolventen bestritten wird. Die übrigen Konzerte gestalten traditionsgemäß Gastsolisten; am Mittwoch waren dies die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili am Flügel.

Die Gewinnerinnen des zweiten Preises des ARD-Musikwettbewerbs 2015 zogen das Publikum im übervollen Saal der Schlossbibliothek vom ersten Ton an ihren Bann. Für den Abend hatten sie sich Klavierwerke zu vier Händen von Carl Maria von Weber, Franz Schubert, Felix Mendelsohn-Bartholdy, Antonin Dvorak und Maurice Ravel ausgesucht. So verbanden sich auf harmonische Weise im ersten Teil die Klänge und Rhythmen aus Werken der musikalischen Romantiker von Weber und Mendelsohn-Bartholdy mit denen des Frühromantikers Schubert. Nach der Pause gehörte die Bühne Werken des tschechischen Musikerneuerers Dvorak und des musikalischen Impressionisten Ravel aus Frankreich.

Das virtuose Spiel der beiden eineiigen Schwestern nebeneinander am glänzenden Steinway-Flügel beeindruckte durch mitreißende Dynamik, markante Rhythmenwechsel, perlende Klangläufe und über weite Strecken atemberaubendes Tempo. Ihr Spiel war von derart ausdrucksstarker Mimik und Gestik begleitet, dass das Publikum die Augen keine Sekunde von den beiden langmähnigen, schwarz gekleideten Schönheiten am Flügel lassen konnte. Ganz besonders bei der „Rhapsodie Espagnole“ von Ravel verstärkten die Musikerinnen die machtvolle, teilweise lauernd, dann wieder heiter klingende „Habanera“ durch katzenhafte Bewegungen auf den Klavierhockern. Der Ruf, dass sie – vierhändig nebeneinander spielend – wie ein einzelner Pianist wirken, war ihnen ja schon voraus geeilt.

Diese beeindruckende Harmonie begeisterte die atemlos lauschenden Zuhörer zusätzlich und riss sie – eher ungewöhnlich bei klassischen Konzerten – schon vor der Pause zu begeisterten „Bravo“-Rufen hin. Mit dem melodisch-rhythmischen „Spaziergang“ aus dem Werk des hierzulande kaum bekannten russischen Komponisten Adrian Schaposchnikow als Zugabe verabschiedeten sich die beiden bezaubernden Musikerinnen. Die beseelten Zuhörer spazierten durch die milde Sternennacht in Richtung Parkplätze.

(Assunta Tammelleo)

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