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Drei große Baukörper mit bis zu 85 Metern Kantenlänge: So soll das Senioren-Wohnstift auf dem ehemaligen Wiedemann-Klinikareal in Ambach aussehen, sagt Architekt Sebastian Wiedemann. Er hat die Vorplanung gesehen und nachgezeichnet.

„Das wird ein Gebirge aus Beton“

Unterschriften gegen Senioren-Wohnanlage in Ambach

Münsing – Die Initiative Ambach sammelt Unterschriften gegen eine geplante Senioren-Wohnanlage auf dem Gelände der ehemaligen Wiedemann-Klinik. Zudem gibt es einen offenen Brief an die Gemeinderäte.

Gegen die geplante Senioren-Wohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Klinikareal regt sich zunehmend Protest in Ambach. In der Bürgerversammlung vergangene Woche war das Thema bereits angesprochen worden. Jetzt sammeln der Ostuferschutzverband (OSV) und Sebastian Wiedemann, Neffe des Klinikgründers Helmut Wiedemann, Unterschriften gegen das Vorhaben.

Sebastian Wiedemanns Vater Dieter und Onkel Michael gehört noch ein Teil des insgesamt rund 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks am Piloty- und Simetsbergweg, das das gemeinnützige Sozialunternehmen Kuratorium Wohnen im Alter kürzlich erworben hat. Der Investor habe seinem Vater und Onkel ein Kaufangebot für deren Grundstück unterbreitet, sagt Sebastian Wiedemann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die hatten unser Grundstück schon überplant.“ Er habe einen Einblick in die „weit gediehenen Vorplanungen“ erhalten. „Wir wollen auf keinen Fall verkaufen. Die Anlage würde den Ort zerstören“, urteilt Wiedemann, von Beruf Architekt.

Geplant seien drei große Baukörper mit bis zu 85 Metern Kantenlänge. Sie sollen großflächig durch unterirdische Bauten wie Tiefgarage, Schwimmbad und Nebenflächen verbunden werden. Die gestaffelten Einzelgebäude mit einer Höhe von jeweils drei bis vier Geschossen sollen sich zu einem Gebäudekomplex von insgesamt acht Geschossen auftürmen, sagt Wiedemann. Aufgrund der Terrassierung der Anlage würden die Baukörper zu einem „Gebirge aus Beton“ verschmelzen. Der Komplex würde nach Rodung des Areals sichtbar und dominierend über Ambach stehen.

Wegen der vorgesehenen Baumfällungen hat sich Wiedemann bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt erkundigt. Diese halte den Bestand für schützenswert, sagt er. Der Gründer der „Initiative Ambach“ hat auch einen Baurechtsanwalt konsultiert. Eine Baugenehmigung könne nur im Rahmen eines Bebauungsplans erteilt werden, so Wiedemann. Es gebe aber keinerlei rechtliche Ansprüche des Investors auf eine bestimmte Größe oder Art der Bebauung. „Die Gemeinde Münsing hat hier die volle Planungshoheit und die Verantwortung, eine für den Ort verträgliche Lösung zu finden.“

Im Gegensatz zum OSV, der in einer ersten Reaktion auf das Bauvorhaben den Abbruch der ehemaligen Klinikgebäude und den Erhalt des Grundstücks als grüne Wiese gefordert hatte, wäre Sebastian Wiedemann nicht grundsätzlich gegen eine Neubebauung. Der Ambacher könnte sich ein Einheimischenmodell vorstellen, das Münsinger Bürgern zugute kommt. Das Seniorendomizil mit 90 Apartments würde dagegen 150 Neubürger in den 350-Einwohner-Ort Ambach bringen. Wiedemann: „Das sprengt doch jeden Rahmen.“

An die Öffentlichkeit wendet er sich jetzt, „weil ich seit vier Monaten Briefe im Namen meiner Mitbürger an die Gemeinde schreibe“. Er kann das Argument von Bürgermeister Michael Grasl nicht nachvollziehen, dass man abwarten solle, bis der Investor seine Pläne offenlegt. „Die Gemeinde sollte zuerst mit den Bürgern im Grundsatz über die Zukunft des Geländes diskutieren.“ Ihn erinnert das Projekt an den Grünwaldhof an der Seeuferstraße in Ambach, den ein Münchner Investor vor 13 Jahren abgerissen und an seiner Stelle eine Wohnsiedlung gebaut hatte. Auch wenn der Investor sich Sozialunternehmen nenne, wirtschafte er doch Rendite-orientiert, urteilt Wiedemann. In einem offenen Brief an den Gemeinderat, der am Montag in die Post geht, appelliert er an die Entscheidungsträger, das Seniorenwohnstift in dieser Dimension abzulehnen. Den Räten sei das tatsächliche Ausmaß der Anlage wohl nicht bewusst, vermutet er.

Infos im Internet: www.initiative-ambach.de

von Tanja Lühr

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