Feuerwehreinsatz
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Aufräumen: Nach ihrer nächtlichen Brandwache in Sonderham (Gemeinde Münsing) rollten die Feuerwehrhelfer am Mittwoch die Schläuche auf.

„Wir halten zusammen“

Verheerender Großbrand in Münsing: Im Unglück geschieht ein kleines Wunder

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Ein Großbrand im Münsinger Ortsteil Sonderham hat ein landwirtschaftliches Gebäude und das Wohnhaus der Familie zerstört. Ein Besuch am Tag danach.

Münsing – Der Geruch nach Rauch liegt in der Luft. Schwarze, verkohlte Balken zeigen, wo vor einem Tag noch der Stall stand. In der Mitte der Ruine, gleich einem Mahnmal, ragt ein Abluftkamin heraus. Im angrenzenden Wohnhaus sind alle Fenster und Türen geöffnet, das Dach mit der Photovoltaik-Anlage allerdings ist völlig zerstört. „Immerhin“, sagt die Bäuerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie deutet auf die üppigen Balkonblumen an der Kopfseite des Hauses, „die sind noch zu gebrauchen“.

Bis spätabends, kaum dass die Feuerwehr grünes Licht zum Betreten des nun unbewohnbaren Hauses gegeben hat, halfen Nachbarn, Freunde und die Mitglieder der Wehr, das Haus so weit es geht auszuräumen. „Wir haben die Möbel, vor allem aber Dokumente und Unterlagen herausgeholt. Wir werden sehen, was noch brauchbar ist.“ Die restliche Nacht verbrachte die Familie bei Freunden und Verwandten.

Nachbar Michael Reis dachte zunächst an Kaminbrand

Gegen Mittag hatte ein Nachbar den Rauch bemerkt. „Ich dachte zuerst an einen Kaminbrand“, erinnert sich Michael Reis. Der 73-Jährige alarmierte die Feuerwehr. „Da kam meine Frau ins Zimmer und rief, dass jetzt alles lichterloh brenne.“ Sofort rannte das Ehepaar auf den Hof, um den Landwirt zu warnen. Ihm gelang es gemeinsam mit den beiden Söhnen, die rund 15 Kühe und Kälber rechtzeitig aus dem Stall zu treiben.

Völlig zerstört: Das Dach des Bauernhauses mit der Photovoltaik-Anlage.

„Berufskollegen haben sie jetzt aufgenommen“, zeigt sich die Besitzerin dankbar, sie betreibt mit ihrer Familie auf dem Hof Fleischviehhaltung. „Uns wurden auch schon Futtermittel angeboten.“ Überhaupt ist die Hilfsbereitschaft riesig. „Kann ich euch mit irgendetwas helfen?“ – das ist der Satz, der am häufigsten fällt. Noch während des Einsatzes versorgte die Metzgerei Großmann die Helfer mit Wurstsemmeln, Nachbarn brachten zusätzliche Getränke, um die Kräfte der Feuerwehren, des Rettungsdienstes, der Polizei und des Technischen Hilfswerks zu versorgen. „In der Küche eines anderen Nachbarn haben wir eine Art Krisenstab eingerichtet“, erzählt die Münsingerin, „um von hier aus das weitere Vorgehen überlegen zu können. Ich kann einfach nur immer wieder Danke sagen.“

„Wir sind ein Dorf, wir halten zusammen“

Auch am Tag danach kommen immer wieder Leute aus dem Umfeld, erkundigen sich, wie es der Familie geht, fragen, wie sie helfen können. „Das ist doch selbstverständlich“, wehrt Helfer Martin Holzer ab. „Wir sind ein Dorf, wir halten zusammen.“

„Ich dachte zuerst an einen Kaminbrand. Da kam meine Frau ins Zimmer und rief, dass jetzt alles lichterloh brenne“: Nachbar Michael Reis

Kurz vor der abendlichen Gemeinderatssitzung ist Bürgermeister Michael Grasl nach Sonderham gefahren, hat mit einigen Feuerwehrleuten gesprochen. Bereits während des Einsatzes wurde er ständig über die Vorgänge auf dem Laufenden gehalten. „Ich wollte nicht gleich zu Einsatzbeginn hinkommen und vielleicht den Rettungskräften im Weg stehen.“ Mittlerweile hat er direkten Kontakt zur Familie aufgenommen und vor allem Unterstützung, was die behördlichen Abläufe angeht, zugesagt. Zwar könne die Gemeinde das schlimme Ereignis nicht lindern, aber dafür sorgen, dass die fünf Ortsfeuerwehren weiterhin über eine vernünftige Ausstattung verfügen, um so schnell und effektiv agieren zu können.

Die Familie selbst ist für die nächste Zeit in Ferienwohnungen untergekommen. „Wir werden sehen, wie es weitergeht“, so die Bäuerin, „Jetzt brauchen wir erst einmal Strom und Wasser.“

Mitten im Unglück geschieht ein kleines Wunder

Trotz des Leids gab es auch ein kleines Wunder: Unter den Tieren, die der Landwirt aus dem Stall trieb, war ein kleines, drei Wochen altes Kälbchen. „Allerdings ist es den Nachbarn beim Einfangen entkommen.“ Umso größer war die Freude, dass es mitten in der Nacht von allein auf den Hof zurückgekehrt ist. „Wir haben die Tiere alle durchgezählt“ berichtet die Landwirtin, „und plötzlich hatten wir eins zu viel.“ Der Grund lag auf der Hand: „Eine der Kühe hat noch in der Nacht gekalbt.“ Neue Erkenntnisse über Schadenshöhe und Brandursache gibt es bislang seitens des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd nicht. (sh)

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