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Tumulte auf Versammlung: Turbulente Kampfabstimmung im Ostuferschutzverband

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Ursula Scriba auf der Versammlung des Ostuferschutzverbandes
Ursula Scriba auf der Versammlung des Ostuferschutzverbandes. In einer denkwürdigen Sitzung wurde sie abgewählt. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Es war eine denkwürdige Sitzung nach tagelangen Turbulenzen: Der Ostuferschutzverband hat einen neuen Vorstand. Seine Vorgängerin nennt ihn „Alt-68er“.

Ammerland – In letzter Minute lenkten die Aufständischen um den Zweiten Vorsitzenden Prof. Johannes Umbreit am Freitag doch noch ein. Nach dem Essen im Restaurant Pinocchio in Münsing fuhren sie geschlossen zum Gasthaus Gerer nach Ammerland, um mit der Ersten Vorsitzenden Ursula Scriba und deren Gefolgschaft die Mitgliederversammlung des Ostuferschutzverbands (OSV) durchzuführen.

Münsing: Tumulte auf Versammlung: Turbulente Kampfabstimmung im Ostuferschutzverband

Wie berichtet hatten die beiden zerstrittenen Lager bis Freitag eigentlich vorgehabt, zwei getrennte Versammlungen abzuhalten. „Ungültige Neuwahlen wollten wir dann aber doch nicht riskieren“, erklärte Petra Schulze aus der Umbreit-Gruppe bei ihrer Ankunft im Gerer. Das Ergebnis der gemeinsamen Wahl ist ein Wechsel an der OSV-Spitze.

Mitglieder des Ostuferschutzverbands im Restaurant Pinocchio
Aus zwei mach eins: Ein Teil der Mitglieder des Ostuferschutzverbands traf sich zunächst im Restaurant Pinocchio (li.) – fuhr dann aber doch zur Abstimmung ins Gasthaus Gerer, wo die bisherige Vorsitzende Ursula Scriba wartete. © Hermsdorf-Hiss

„Alt-68er“: Ex-Vorsitzende spottet über neuen Vorstand des Ostuferschutzverbands

Umbreit und ein paar weitere „Alt-68er“, wie Scriba sie im Vorfeld spöttisch bezeichnet hatte, werden für die nächsten vier Jahre die Geschicke des bald 100 Jahre bestehenden, durchaus einflussreichen Landschafts- und Denkmalschutzvereins am Starnberger See lenken. Scriba musste sich mit 22:33 Stimmen und zwei Enthaltungen geschlagen geben.

Bis die neue – oder überwiegend alte – Führungsriege ihren Erfolg feiern konnte, war es allerdings ein langer Weg, gepflastert mit Vorwürfen und juristischen Spitzfindigkeiten. Die berühmten Humoristen Münsings, Franz Graf von Pocci und Vicco von Bülow alias Loriot, hätten eine wunderbare Vorlage für ein Kasperltheater oder einen Sketch gehabt.

Sogar ein Rechtsanwalt wurde eingeschaltet: Im Münsinger Verein gab es tagelang Turbulenzen

„Wer sind Sie überhaupt?“ wurden Wortmeldungen und Zwischenrufe von der jeweils anderen Partei immer wieder unterbrochen. Reihenweise wurde ein früher einmal angebotenes „Du“ wieder entzogen. Versammlungsleiter Alexander von Schrenck-Notzing und der eigens von Scriba hinzugezogene Rechtsanwalt Georg Fischer-Brunkow konnten die erhitzten Gemüter nur mit Mühe beruhigen.

Kritikpunkte auf Seiten des Vorstands mit Johannes Umbreit, Manfred Stecher, Dr. Gustav Neumeister und Petra Schulze waren, dass Ursula Scriba in den vergangenen drei Jahren seit der letzten Mitgliederversammlung als „Alleinherrscherin“ aufgetreten sei und dass sie die Linie des OSV im Kampf gegen das Ausmaß des KWA-Seniorenwohnstifts in Ambach als Gemeinderätin der Bürgerliste nicht vertreten habe – der Hauptgrund für die Spaltung innerhalb des Verbands. Immerhin 70 der rund 200 Mitglieder hatten das von Anatol Regnier initiierte Bürgerbegehren „Seniorenwohnanlage Ambach kleiner planen!“ unterschrieben.

OSV-Sitzung läuft aus dem Ruder: Neumitglieder sorgen für Tumult

Scriba wiederum warf ihren Vorstandskollegen eigenmächtiges und unkollegiales Handeln vor. Im Gemeinderat habe sie sich sehr wohl für eine Reduzierung der Seniorenwohnungen eingesetzt, sei damit aber nur teilweise durchgekommen. (KWA plante von ursprünglich 90 Apartments auf 78 um; gefordert hätte Scriba 70). Den unter anderem von Dr. Florian Müller geäußerten Einwand, der Vorsitz im OSV sei mit einem Gemeinderatsmandat aufgrund von Interessenskonflikten nur schwer vereinbar, wies Scriba zurück. Es sei im Gegenteil wichtig, dass der Verband im Rat vertreten sei, wolle er etwas erreichen, sagte sie.

Kurz vor der Wahl entstand noch einmal ein Tumult im Saal. Wie sich herausstellte, hatte die OSV-Chefin zwölf Neumitglieder ohne Absprache mit dem restlichen Vorstand – normalerweise Usus – aufgenommen. Gustav Neumeister verlangte, die Neuzugänge von der Abstimmung auszuschließen. Scriba entgegnete, der OSV sei ein gemeinnütziger Verein. Beitreten dürfe jeder, der „nicht gerade silberne Löffel gestohlen“ habe – auch ohne Vorstandsbeschluss. Weil ohnehin von den zwölf Neulingen nur zwei anwesend waren, beharrte Neumeister in dem Fall nicht auf seinem Standpunkt, sodass letztlich 57 Mitglieder an der geheimen Wahl teilnahmen.

Neuer Vorstand im Ostuferschutzverband: Johannes Umbreit ist Vorsitzender

Der Vorstand setzt sich zusammen aus Johannes Umbreit (Erster Vorsitzender), Petra Schulze (Zweite Vorsitzende), Manfred Stecher (Kassier), Gustav Neumeister (Beisitzer) sowie den Beiräten Mechtild Schönberger, Mechthild Felsch, Professor Matthias Richter-Turtur, Carl Schmöle und Martin Maier. Die Aufgaben, so Petra Schulze, sollen den Talenten entsprechend verteilt werden. Man wolle kollegial und auf Augenhöhe zusammenarbeiten und künftig mit einer Stimme sprechen. TANJA LÜHR

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