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Kardinal Reinhard Marx wusch am Donnerstag in der Nachfolge von Christus zwölf Pfarrgemeinderäten im Dom die Füße - darunter auch Margit Maier-Marth (2. v. re.)

Katholischer Ritus in der Münchner Frauenkirche

Warum Kardinal Marx einer Münsingerin die Füße gewaschen hat

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Margit Maier-Marth ist seit einem Jahr Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Degerndorf. Deshalb wurde ihr am Grünndonnerstag eine große Ehre zuteil. 

Münsing – Für Margit Maier-Marth (43) war es eine „Riesenehre“ und ein „ganz tolles Erlebnis“ : An Gründonnerstag hat ihr Kardinal Reinhard Marx in der Münchner Frauenkirche die Füße gewaschen. Die Degerndorferin ist eine von zwölf Pfarrgemeinderäten, die die Erzdiözese für den Ritus ausgesucht hat. Auf der Homepage des Erzbistums war der Gottesdienst live zu sehen.

Margit Maier-MarthPfarrgemeinderatsvorsitzendevon Degerndorf. 

Besonders beeindruckt war die gebürtige Oberpfälzerin von der Atmosphäre in dem mächtigen Dom.  „Wenn man da oben hinter dem Altar sitzt und die vielen hundert Menschen im Dom sieht, da fühlt man sich Gott näher.“ Vor Aufregung, erzählt sie schmunzelnd, habe sie sogar einen Hustenanfall bekommen, ihr Nachbar half ihr mit einem Bonbon aus. Später war sie noch zu einer Vesper eingeladen, wo sie mit dem Kardinal auch privat sprechen konnte. Dort erfuhr sie unter anderem zu ihrer Überraschung, dass er großer Reggae-Fan ist. Das Erlebnis, gibt sie zu, hat sie aufgewühlt. „Gut, dass ich danach eine Stunde mit der S-Bahn nach Hause gefahren bin, da konnte ich ein bisschen runterkommen.“

Die Fußwaschung selbst fand relativ am Anfang des Gottesdienstes statt. Sie selbst war als Vorletzte an der Reihe. „Das Wasser war angenehm temperiert“, erzählt sie. Der Kardinal ließ das Wasser aus einem prächtigen Gefäß auf ihre Füße niederträufeln. Abgetrocknet hat sie die Füße dann selbst, mit schönen, weißen Handtüchern, die ihr gereicht wurden. 

Für Maier-Marth, im Landkreis wegen ihres langjährigen Engagements für den Kreisjugendring bekannt, kam die Ehre ziemlich überraschend. „Ich bin erst seit einem Jahr Pfarrgemeinderatsvorsitzende“, erzählt sie. Weil sie dieses Ehrenamt – wie zahlreiche andere Ehrenämter – sehr ernst nimmt, besuchte sie einige Kurse in der Erzdiözese. „Vielleicht ist man da auf mich aufmerksam geworden.“ Irgendwann klingelte jedenfalls das Telefon, die Kirche fragte an, ob sie zur Verfügung steht. „Und da war ich natürlich sehr gerne bereit.“

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Der Fall der Degerndorferin ist auch deshalb besonders, weil sie als gebürtige Oberfränkin eigentlich evangelisch ist. In jungen Jahren kam sie im Zuge ihre Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin – inzwischen arbeitet sie als Familienpflegerin – an den Starnberger See. Dort lernte sie nicht nur ihren Mann kennen und lieben, sondern auch den Katholizismus. Vor zehn Jahren konvertierte sie. „Ich habe mich bewusst dazu entschieden“, erzählt sie. „Ich finde die Tradition großartig. Und die katholische Kirche weiß, wie man etwas zu zelebrieren hat.“

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Dass Jesus seinen Jüngern am Vorabend seines Todes die Füße gewaschen haben soll, wird im Johannesevangelium bezeugt. In der katholischen Kirche gehört die demütige Geste längst zur Liturgie des Gründonnerstags. Seit 2016 dürfen – auf Bitte von Papst Franziskus – auch an Frauen Fußwaschungen vollzogen werden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz lädt jedes Jahr eine andere Personengruppe ein, heuer sind es die Pfarrgemeinderäte.

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